Examen im Museum Raumnot an Uni Osnabrück: Juristen nun am Zoo

Der Raum ist modern, der Ausblick für eine Uni-Klausur eher ungewöhnlich: Eine Jura-Examensklausur fand im Januar im Museum am Schölerberg mit Blick auf Flamingos statt. Im Hintergrund ist das Gehege zu sehen.Foto: Michael GründelDer Raum ist modern, der Ausblick für eine Uni-Klausur eher ungewöhnlich: Eine Jura-Examensklausur fand im Januar im Museum am Schölerberg mit Blick auf Flamingos statt. Im Hintergrund ist das Gehege zu sehen.Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Jura-Examen mit Blick auf Flamingos und Tiergeräuschen im Hintergrund? Der Prüfungsort einer Klausur ist zurzeit Gesprächsthema im Fachbereich Rechtswissenschaften. Im Museum am Schölerberg legten angehende Juristen im Januar einen Teil des ersten Staatsexamens ab, weil andernorts die Räume fehlen.

Gut 1400 angehende Juristen studieren an der Universität Osnabrück. 35 von ihnen haben im Januar eine von sechs Examensklausuren im Museum am Schölerberg geschrieben. Für die restlichen Klausuren wurde die Osnabrückhalle angemietet. Das erste und zweite Staatsexamen sind die wichtigsten Prüfungen des Jurastudiums.

Dass sie ausgelagert werden, liegt daran, dass es im Fachbereich Jura nicht genug Räume gibt. Denn ein solches Examen braucht viel Platz: „Die Studenten haben viele, unglaublich dicke Bücher dabei“, sagt Dekan Professor Arndt Sinn. Außerdem muss es genug Abstand zwischen den Tischen geben, denn alle bearbeiten die gleichen Aufgaben.

Auch wenn viele Jurastudenten etwas zur Prüfungsraum-Problematik zu sagen haben, traut sich doch niemand, sich mit seinem Namen in der Zeitung zitieren zu lassen. Der Grund: Die Betroffenen befürchten negative Konsequenzen für ihre Prüfungen.

Einer, der die Prüfung im Museum am Schölerberg geschrieben hat, beschreibt die Situation so: „Es war ein bisschen absurd. Man konnte den Flamingos zugucken. Außerdem haben Kinder an die Scheibe geklopft und gewunken. Das war, als wäre man Teil des Zoos.“ Ein Besuch im Museum, das an den Zoo grenzt, zeigt: Der Raum dort ist groß und technisch auf dem neuesten Stand. Blick auf die Flamingos und Tiergeräusche sind allerdings inklusive.

Ein weiterer Student verbrachte die fünf Stunden im Ausweichraum mit Ohropax in den Ohren. „Für mich war der Raum ok. Teilweise war es sogar witzig“, sagt er. „Unzumutbar fand ich es nicht.“ Er kritisiert allerdings: „Es war nicht optimal und es gibt bessere Möglichkeiten.“

Der Jura-Dekan stimmt mit seinen Studenten überein: „Wir machen uns alle Gedanken.“ Es gebe viele Rückmeldungen aus der Studentenschaft. Neben dem normalen Unibetrieb, Vorträgen und Tagungen sei im Fachbereich Jura aber einfach kein Platz mehr für die Examensklausuren. „Wir haben schlicht die Räume nicht“, sagt Sinn. Dieses Problem erstrecke sich auch auf die Büros der Mitarbeiter. „Wir brauchen dringend Institutsräume“, so der Dekan. „Ich würde mich freuen, wenn die Landesregierung uns ein neues Gebäude baut.“

Zuständig für das Examen ist das Landesjustizprüfungsamt in Celle (LJPA). Es ist Teil des Niedersächsischen Justizministeriums. Ist die Kritik der Studenten dort angekommen? Eine Sprecherin verweist auf die Möglichkeit für die Studenten, direkt nach der Klausur schriftliche Anmerkungen zu machen. Das habe niemand genutzt. Und: „Die Räumlichkeiten der Universität stehen leider nicht durchgehend für die Klausurtermine zur Verfügung und kommen derzeit wegen der schlechteren Planbarkeit nicht in Betracht.“

Die Ladungen für die Klausuren im April sind bereits raus. Ein Teil wird demnach in der „Fabi“ (katholische Familienbildungsstätte) geschrieben. „Das liegt zumindest zentral“, kommentiert ein Fachschaftsmitglied. Beim Durchgang im Juli sollen aber wieder alle sechs Klausuren im Museum am Schölerberg geschrieben werden. Die Osnabrückhalle, die in der Vergangenheit häufig genutzt wurde, ist nach Informationen der Neuen OZ nach dem Umbau zu teuer für die Prüfungen geworden. Auch Hotels wurden schon angemietet. Das sei aber keine optimale Lösung, so das LJPA. Aus Sicht des Amtes und der Studenten würde sich das European Legal Studies Institute (ELSI) anbieten. Das Institut mit eigenem Gebäude ist Teil der Rechtswissenschaften. Dort wurde bereits 2013 eine Klausur geschrieben. Das Gebäude stand vorübergehend aber nicht zur Verfügung. Eine Anfrage beim Institut am Montag ergab: Just am Morgen hatte sich die Fakultätsleitung getroffen, um über die Raumproblematik zu sprechen. Das ELSI-Gebäude ist dabei wieder im Gespräch.


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