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Anzeige wegen Beleidigung Streit unter Muslimen: Vorwürfe gegen Osnabrücker Imam

Von Christof Haverkamp


Osnabrück. Schwere Vorwürfe erhebt Erhat Toka, früheres Mitglied im Bundesvorstand der Muslimisch Demokratischen Union (MDU) gegen den Imam der Moscheegemeinde am Goethering in Osnabrück: Abdul-Jalil Zeitun habe Spendengelder unterschlagen. Zeitun selbst hat gegen Toka und seinen Mitstreiter Tareq Awad Anzeige wegen übler Nachrede und Beleidigung erstattet.

Toka hat den Imam im Sommer 2013 angezeigt und mehrere Zeugen benannt – allerdings hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück das Verfahren jetzt eingestellt. Der „äußerst vage“ Anfangsverdacht habe sich nicht erhärtet, hieß es in einem Brief der Ermittler an den MDU-Mann . Aus den Angaben der Zeugen hätten sich keine Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten ergeben. Toka selbst könne zum Vorgang keine konkreten Angaben machen, „so dass es sich um Ermittlungen ins Blaue handeln würde“. Nun stellt der MDU-Politiker die Behauptung auf, die Anklagebehörde wolle nur deshalb nicht weiter ermitteln, weil Zeitun für den Verfassungsschutz arbeite.

„Ich habe mein Leben für die Moschee geopfert“

Der gebürtige Syrer Zeitun leitet seit Jahren ehrenamtlich die islamische Gemeinde mit dem Vereinsnamen „Zentrum für Begegnung und Kultur“. Muslime aus rund 80 Nationen, sagt er, suchen die Ibrahim-al-Khalil-Moschee auf. Viele Muslime aus arabischen und afrikanischen Ländern, aber auch deutsche Konvertiten sind darunter. Neben seiner Tätigkeit als Imam ist Zeitun stellvertretender Vorsitzender in der Schura Niedersachsen, dem Landesverband der muslimischen Vereine, und er legt Wert auf gute Kontakte zu den Kirchen, den Kliniken und zum Institut für Islamische Theologie der Universität in Osnabrück. „Ich habe mein Leben für die Moschee geopfert“, stellt der 66-Jährige fest. Auch überregionale Blätter wie die „ Zeit “. haben bereits über ihn berichtet.

Mit Toka habe er nur zu tun gehabt, als dieser vor der Kommunalwahl in der Moschee für die islamische Splitterpartei MDU werben wollte. Zeitun lehnte aber politische Gespräche in den Gebetsräumen ab. Er habe Toka jedoch versprochen, die islamische Partei zu wählen.

Spendengelder aus Saudi-Arabien

Die Moschee in einem Altbau in Bahnhofsnähe am Goethering wurde ursprünglich von der türkischen Bewegung Milli Görüs gegründet - das Türschild hängt noch außen am Haus. Das Gotteshaus wurde 1995 zum erheblichen Teil mit Spenden aus Saudi-Arabien gekauft. Veruntreuung von Geldern wirft dem Imam in diesem Fall neben Toka auch der Palästinenser Tareq Awad vor, der 2004 nach eigenen Angaben vier Monate Kassenwart in der Moscheegemeinde war und nach Zeituns Worten Hausverbot erhielt, weil er gewalttätig wurde. Tareq Awad hält dem Imam vor, er habe zusätzlich Gelder für den Bau einer Toilettenanlage in Höhe von 42000 Euro unterschlagen. Mitglieder der Moscheegemeinde hätten ehrenamtlich die Bauarbeiten übernommen, daher hätten die Materialkosten nur einen Bruchteil betragen.

Gelder für die Hamas?

Weitere Vorwürfe von Toka, Awad und anderen Muslimen lauten, Zeitun begrenze die Mitgliederzahl des „Zentrums für Begegnung, Erziehung und Kultur“ laut Satzung auf 50, nur um den Verein mit Hilfe von Familienangehörigen kontrollieren zu können. Zudem habe er nicht ordnungsgemäß Spenden an die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas weitergeleitet, erklärt Toka. Der MDU-Mann hat nichts gegen Spenden an die Hamas, nur müssten sie ordnungsgemäß weitergeleitet werden.

Der Imam weist alle Vorwürfe zurück. „Wir halten uns an die Gesetze in Deutschland“, betont er. Spenden an die Hamas habe es nie gegeben. Die Mitgliederzahl des Vereins wolle er nicht erhöhen, um einer Unterwanderung durch radikale Muslime vorzubeugen. Dass es Unzufriedenheit gebe, komme in jeder Gemeinschaft vor.

Einige Muslime suchen jetzt die marokkanische Moschee an der Belmer Straße oder die ägyptische Moschee an der Iburger Straße auf.

Ob noch mehr hinter dem Streit steckt, ist für einen Außenstehenden schwer auszumachen. „Beide spalten die Muslime in Osnabrück“, sagt ein Beobachter der islamischen Szene über Toka und Zeitun.


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