Rudolf Urban gibt Amt ab Neuer Vorstand beim Sozialverband Ortsverein Westerberg

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Rudolf Urban, ehemaliger Vorsitzender Reichsbund-Ortsverein Westerberg. 03.03.2014 ; Foto: Michael GründelRudolf Urban, ehemaliger Vorsitzender Reichsbund-Ortsverein Westerberg. 03.03.2014 ; Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Dass jemand 30 Jahre ehrenamtlich in einem Vorstand aktiv ist, ist nicht alltäglich, aber auch nicht außergewöhnlich. Dass jemand ein Vorstandsamt mit fast 93 aus „Altersgründen“ abgibt, ist aber etwas Besonderes. Rudolf Urban hat sich zum Bedauern der Mitglieder aus dem Sozialverband Ortsverein Westerberg zurückgezogen.

Als Rudolf Urban 1921 in Osnabrück das Licht der Welt erblickt, ist der Reichsbund, Vorläufer des Sozialverbandes, gerade vier Jahre alt. Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigte hatten den Interessenverband gegründet: Im Ersten Weltkrieg wird die Kriegsbeschädigung mit ihren wirtschaftlichen und sozialen Folgen auch für die Hinterbliebenen zum millionenfachen Massenschicksal.

Anfang der 1920er Jahren sind 830000 Mitglieder im Verband organisiert. Sie setzen sich nicht nur für die Kriegsbeschädigten, sondern auch für soziale Gesetze und eine Politik des Friedens ein. Die Nationalsozialisten setzen der Arbeit 1933 ein Ende. Ein paar Jahre später beginnt der Zweite Weltkrieg. Auch der junge Importkaufmann Rudolf Urban wird zur Wehrmacht eingezogen und kommt 1945 als Kriegsbeschädigter aus russischer Gefangenschaft zurück in seine Heimatstadt.

1948 heiratet er Maria Schmidt, das Paar bekommt sechs Töchter. Unterdessen hat der Sozialverband Reichsbund seine Arbeit wieder aufgenommen. Er ist unter anderem beteiligt am Bundesversorgungsgesetz für Kriegsopfer, am Gesetz über die Beschäftigung Schwerbehinderter, der Schaffung des Bundessozialhilfegesetzes, an der flexiblen Altersgrenze für Schwerbehinderte, an der sozialen Sicherung von Frauen und Müttern und am Pflegeversicherungsgesetz. 1999 erfolgt die Umbenennung in Sozialverband Deutschland .

Rudolf Urban, der bei OKD/kabelmetal das Geld für die achtköpfige Familie verdient, engagiert ehrenamtlich für die Kirche. 47 Jahre ist er im Vorstand der Elisabethgemeinde, von 39 bis 98 macht er die Rendantur (Rechnungsführung) für die Gemeinde und lange Jahre die Verwaltung für den Kindergarten. 1982 drängen ihn Freunde, als Kriegsversehrter endlich dem Sozialverband Reichsbund beizutreten. Zwei Jahre später wird er Schriftführer, als 2000 der Vorsitzende stirbt, rückt Urban auf.

Jetzt hat er auf eine Wiederwahl verzichtet. Seine Nachfolgerin ist Ingrid Junker, 2. Vorsitzender Guido Schmiddem, Schriftführerion Leonore Volckmer, die lange mit Urban zusammengearbeitet hat, Schiftführerin Margaretha Schmiddem. 209 Mitglieder zählt der Ortsverband Westerberg, der im Laufe der Zeit auch Mitglieder aus aufgelösten Ortsverbänden aufgenommen hat. Außer Rudolf Urban gibt es nur noch einem Kriegsversehrten.

Der Sozialverband hat sich in den fast 100 Jahren seines Bestehens gewandelt, auch wenn ein Ziel immer gleich geblieben ist: der Einsatz für soziale Gerechtigkeit. Er bietet seinen Mitgliedern sozialrechtliche Beratung in Fragen der gesetzlichen Renten-, Kranken-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung sowie in Fragen des Behindertenrechts, der Grundsicherung, des Arbeitslosengeldes II und der Sozialhilfe. Der Sozialverband vertritt Mitglieder in Klageverfahren vor den Sozialgerichten und führt in grundsätzlichen Fragen Musterklagen vor den Sozialgerichten.


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