zuletzt aktualisiert vor

Schlüsselübergabe mit Minister Innovationscentrum verzahnt Wirtschaft und Wissenschaft



Osnabrück. Ideenschmiede, Erfinderwerkstatt und Sprungbrett für Existenzgründer: 16 Monate nach dem ersten Spatenstich hat das Innovationscentrum Osnabrück (ICO) am Donnerstag offiziell den Betrieb aufgenommen. Zur feierlichen Schlüsselübergabe für das Herzstück des Wissenschaftsparks am Westerberg war am Mittag auch der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) vor Ort.

Gemeinsam mit den höchsten politischen Repräsentanten von Stadt und Landkreis sowie den Vorständen von Sparkasse und Stadtwerken Osnabrück als weitere Teilhaber des Innovationscentrums legte Lies damit die Verantwortung in die Hände der ICO-Betriebsgesellschaft. „Hier beginnt die Zukunft“, sagte der Minister und nannte das ICO „ein optimales Projekt, um Wirtschaft und Wissenschaft miteinander zu verzahnen“. Der 10,9-Millionen-Euro-Bau an der Albert-Einstein-Straße – gelegen in unmittelbarer Nachbarschaft des Campus von Hochschule und Universität – gilt als künftiger Brutkasten für die technologische Start-up-Szene der Region .

Papiertiger kriegt Zähne

„In den Hochschulen schlummern Tausende guter Ideen in den Schubladen“, sagte Olaf Lies. Das ICO sorge dafür, dass die Papiertiger der Absolventen Zähne bekommen – und übernehme damit eine wichtige wirtschaftspolitische Funktion. Denn gerade in Niedersachsen, das anderen Ländern auf dem Produktionssektor hinterherhinke, sei Innovation der Schlüssel zum Erfolg, erklärte der Wirtschaftsminister. Doch wie hilft das ICO konkret? Gestaffelte Mietpreise ab sechs Euro kalt pro Quadratmeter, flexible Verträge ohne lange Kündigungsfristen und eine topmoderne Informationstechnik erlauben es den Jungunternehmern, sich frei von bürokratischem Aufwand und hohen finanziellen Hürden zunächst ganz auf ihr Geschäft konzentrieren zu können. Maximal acht Jahre lang dürfen sie von diesen Rahmenbedingungen profitieren. Dann heißt es: Platz machen für andere Nachwuchstüftler.

Seit Anfang März wird in dem dreistöckigen, U-förmigen Bürokomplex auf dem früheren Gelände der Scharnhorstkaserne übrigens schon gearbeitet. 16 junge Firmen zogen zu Monatsbeginn ein und füllen das Haus mit Leben. In den kommenden Wochen werden weitere folgen, kündigten die beiden ICO-Geschäftsführer Siegfried Averhage und Sonja Ende an, die als Wirtschaftsförderer von Stadt und Landkreis Osnabrück die Doppelspitze des Innovationscentrums bilden. Schon jetzt sei das Gebäude zu etwa drei Vierteln vermietet, zusätzlich gebe es viele Reservierungen. Unterm Strich stehe nur noch knapp ein Zehntel der nutzbaren Flächen zur Verfügung. An Anfragen mangele es nicht, ließen die ICO-Geschäftsführer wissen. Im Gegenteil: Einer Reihe von Interessenten wurden Absagen erteilt. Averhage: „Wir lassen nicht jeden rein.“

Win-win-Situation

Die Eintrittskarte gelocht hat beispielsweise das Mitte 2013 gegründete Unternehmen Marsch-Systems . Es hat sich auf die Entwicklung ferngesteuerter Roboterwagen spezialisiert, die nach Worten von Firmenchef Martin Scharfe die Grundlage für einen „Wachmann der Zukunft“ sein können. Mit einer kurzen Produktvorführung begeisterte das Start-up am Donnerstag auch Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. „Innovation steht beim ICO nicht nur an der Tür, sondern ist schon im Haus drin.“ Landrat Michael Lübbersmann hob mit der Iotec GmbH ein anderes Jungunternehmen hervor, das sich ebenfalls im Innovationscentrum Osnabrück eingenistet hat. Die 2012 entstandene Firma entwickelt Soft- und Hardware für die Agrartechnik. Für Lübbersmann eine Antwort auf die oft gestellte Frage, was der Landkreis vom ICO habe. „Rings um Osnabrück gibt es mehrere Tausend Arbeitsplätze in der Landwirtschaft. Was hier entwickelt wird, kommt auch den Menschen außerhalb der Stadt zugute.“

Magnetwirkung

Einstimmig äußerten alle Verantwortlichen die Hoffnung, das ICO möge eine magnetische Wirkung auf Visionäre und Anpacker entfalten. Ähnlich hatte sich ICO-Geschäftsführer Averhage schon vor Kurzem in der TV-Nachrichtensendung „Blick in den Landkreis“ auf os1.tv geäußert. „Es geht uns darum, kreative Köpfe und zukunftsweisende, junge Unternehmen zu unterstützen und in der Region zu halten.“ Als Vorbilder dienten dem ICO etwa das Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg , wo sich seit dem Start im Jahr 2003 bereits 70 Firmen niedergelassen haben, sowie der Technologiepark Dortmund . Der besteht seit 1985 und lockte bis heute 235 Hightech-Unternehmen an.


Die Einrichtung des Innovationscentrums Osnabrück als Drehscheibe von Existenzgründungen aus der Technologiebranche ist für die Region eine strukturpolitische Entscheidung von großer Tragweite. Sie zahlt sich auch in barer Münze aus. Denn die ortsansässigen Unternehmen erhöhen nicht nur das Steueraufkommen, sie schaffen auch Arbeitsplätze. Außerdem steigern sie die Attraktivität des Standorts, wie ICO-Prokurist Thomas Büdden sagt. Für den Osnabrücker Raum sei es wichtig, dem Wettbewerbsdruck durch benachbarte Städte und die großen Metropolregionen im High-Tech-Bereich etwas entgegenzusetzen, wird Büdden in einer aktuellen ICO-Sonderausgabe der Zeitschrift „Osnabrücker Wissen“ zitiert.

Das Innovationscentrum Osnabrück wurde von November 2012 bis Februar 2014 errichtet. Die Baukosten von 10,9 Millionen Euro teilen sich überwiegend Stadt und Landkreis Osnabrück sowie Sparkasse und Stadtwerke Osnabrück als Gesellschafter. Vier Millionen Euro kamen aus dem Regionalfonds der Europäischen Union. Geplant wurde das ICO vom Architekturbüro agn Niederberghaus & Partner aus Ibbenbüren, das auch das Adidas-Logistikzentrum in Rieste gestaltete. Das dreistöckige, U-förmige Innovationscentrum Osnabrück verfügt über eine Nettogeschossfläche von 5300 Quadratmeter. Davon sind 3400 Quadratmeter Mietflächen. 500 Quadratmeter sind im sogenannten Seminar- und Coworking-Bereich gemeinschaftlich nutzbar. In den beiden Seitenflügeln des ICO befinden sich Büroräume in variablen Größen ab 23 Quadratmeter. Die Stirnseite hält gemeinschaftlich nutzbare Bereiche vor. Auch aus Umweltgesichtspunkten setzt das Innovationscentrum Osnabrück neue Maßstäbe. Dank nachhaltiger Planung handelt es sich um eines der modernsten Gebäude der Region. Das ICO orientiert sich am Passivhaus-Standard und ermöglicht dadurch niedrige Verbrauchs- und Nebenkosten. Der Strom stammt etwa aus der hauseigenen Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach. Zudem befindet sich 65 Meter tief unter dem Gebäude das größte Erdsondenfeld in Osnabrück. Mit seinen 42 Bohrungen versorgt es das ICO im Winter mit Wärme und kann im Sommer zur Kühlung genutzt werden.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN