Störrische Fürstentochter Dirigent Daniel Inbal erarbeitet Dvoráks Oper „Vanda“

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Daniel Inbal
              Foto: GründelDaniel Inbal Foto: Gründel

Osnabrück. Am 15. März erlebt die Oper „Vanda“ am Theater Osnabrück ihre deutsche Erstaufführung. Daniel Inbal, der Dirigent der Produktion hat sich dafür intensiv mit der Partitur von Antonín Dvorák befasst.

Osnabrück. Vanda? Nein, das hat nichts mit dem Fisch aus jener britschen Komödie zu tun – der schrieb sich ohnehin „Wanda“. Aber niemand muss sich schämen, wenn er mit dem Titel Kino assoziiert und nicht Musiktheater. Die Oper von Antonín Dvorák kennt schon in ihrem Heimatland Tschechien kaum jemand. Am Theater Osnabrück erlebt sie jetzt ihre szenische deutsche Erstaufführung, fast 140 Jahre nach der Uraufführung im Interimstheater in Prag.

Daniel Inbal hat sich dieser Oper musikalisch angenommen, sehr ernsthaft angenommen. Im Februar erst war er in Prag, um sich von einer Dvorák-Expertin über die Hintergründe der Oper informieren zu lassen und Autografe zu studieren. Denn die Oper wirft einige Fragen auf. Zum Beispiel, warum sie kaum jemand kennt.

„Es gibt ja viele zu Unrecht vergessene Werke“, sagt Inbal. „Ob ,Vanda‘ dazugehört, müssen wir herausfinden.“ Der Dirigent macht keinen Hehl daraus, dass die Oper ihre Schwächen hat, dramaturgisch wie musikalisch. „Aber für Dvorák war sie ein bedeutendes Projekt“, sagt Inbal. Unermüdlich hat der Komponist nach der Uraufführung 1876 poliert, etwa, um sie in Wien unterzubringen. Geworden ist daraus nichts; zu Lebzeiten Dvoráks erlebte das Werk lediglich 1880 eine weitere Aufführungsserie.

Niedergeschrieben hat Dvorák das Stück „in einem einzigen Rausch“, sagt Inbal – und daraus resultieren wohl etliche falsche Töne und sinnwidrige Stellen in der Partitur . Der scharfe Blick eines Lektors hätte dem Werk offenbar gutgetan.

Den muss Inbal jetzt ersetzen. Jede Probe wird zur Korrekturstunde; für die Musiker des Osnabrücker Symphonieorchesters ist der Bleistift in dieser Phase fast genauso wichtig wie der Geigenbogen, um Fehler im Notentext zu korrigieren. Doch auch die Dramaturgie wirft Fragen auf, auf die Inbal zusammen mit dem Vanda-Regisseur Robert Lehmeier Antworten sucht. So ist im Zuge verschiedener Umarbeitungen ein Liebesduett an eine Stelle gerutscht, an der es fehlplatziert wirkt – ein Musikwissenschaftler hat mithilfe einer Skizze herausgefunden, wo das Duett hingehört. „Diese Arbeit ist bei Weitem noch nicht abgeschlossen“, sagt Inbal – was ihm aber die Laune keineswegs verdirbt. Zu Hause überträgt er Korrekturen in Partitur und Orchesterstimmen, abends dirigiert er eine Aufführung von „La Bohème“, morgen probt er wieder für „Vanda“.

Noch macht die slawische Fürstentochter Vanda viel Arbeit. Aber Inbal ist zuversichtlich, bis zur Premiere Probleme gelöst zu haben. Und dann steht da „der großartige Dvorák, den wir kennen und lieben“.

Premiere: 15. März, 19.30 Uhr, Theater am Domhof. Kartentel. 0541/7600076


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