Großartiges Konzert im Blue Note „Sung Sound“: Sieben Sängerinnen, eine Big Band

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Neue Trends im Jazz mit Osnabrücker Beteiligung: die Sängerin und Komponistin Friedelise Stutte zusammen mit der UdK Big Band aus Berlin;Foto: Elvira PartonNeue Trends im Jazz mit Osnabrücker Beteiligung: die Sängerin und Komponistin Friedelise Stutte zusammen mit der UdK Big Band aus Berlin;Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Sieben Frauen komponieren und arrangieren für Stimme und Big Band und gehen damit auf Tour: Das ist, kurz gesagt, das Konzept von „Sung Sound“. Im Blue Note hat sich das als ausgesprochen vielfältig und spannend erwiesen.

Mal ist es nur ein vernehmbares Ein- und Ausatmen. Dann geht es in verrückten Scat -Improvisationen durch alle Stimmregister von ganz oben bis ganz unten. Mal schmiegt sich die Stimme eng ans Jazz-Orchester, mal erzählt sie richtige Geschichten. Fest steht: Bei „ Sung Sound “ klingt kein Stück wie das andere, aber jedes auf seine Art schlicht klasse.

Einen gemeinsamen Nenner der sieben komponierenden Jazz-Sängerinnen gibt es aber doch: Sie suchen alle nach Wegen, das Verhältnis von Big Band und Stimme neu zu definieren .

Das Jazzorchester ist also nicht die Folie, vor der sich eine Sängerin oder ein Sänger in Thema und Solo möglichst wirkungsvoll entfalten darf. Vielmehr wird die Stimme zum Teil des Ganzen, mal eingesetzt wie ein Instrument, das eine besondere Farbe beisteuert – so bei der ersten Komposition des Abends,

„Coming Home“ von Laura Winkler, das von Latin zu Jazzrock und wieder zurück springt. Friedelise Stutte , der Osnabrücker Teil des Septetts, singt in „Du schwimmst“ von Inseln im Meer menschlicher Ungewissheiten, integriert das Wort in einen geradezu polyfonen Orchestersatz.

Und „Bliss Biss“ von Zooey Agro nimmt Anleihen beim klassischen Big-Band-Swing, knallige Akzente à la Count Basie inklusive, und doch ist auch hier die Stimme nicht der Kontrast zum Orchester, sondern Teil davon.

Vor einem Jahr hatten die drei Hannoveranerinnen Thea Soti, Lara Lübbe und Zooey Agro die Idee zu diesem Projekt. Ein halbes Jahr verbrachten sie damit, Sänger-Kolleginnen zu finden, die auch für große Besetzung schreiben wollten, Gelder einzusammeln – unter anderem hat sich die Stiftung Niedersachsen der Sache finanziell angenommen – und schließlich die kleine Tour zu organisieren. Damit die Idee vom Sung Sound auch unter die Leute kommt.

Unter Anleitung von Niels Klein, Saxofonist und Kompositionsprofessor für Jazz am Osnabrücker Institut für Musik, haben die Sieben schließlich in Workshops an den Kompositionen gefeilt und sie mit der Big Band der UdK Berlin erarbeitet.

Auch für die muss das Projekt ziemlich spannend sein, schließlich stoßen die Sänger-Komponistinnen viele Türen auf. Lara Lübbe zum Beispiel streift auf ein Gedicht von Mascha Kaléko die Grenze zum Kunstlied, das sich zu jazzorchestraler Wucht auftürmt.

Thea Soti lässt Béla Bartók swingen und zerlegt in „Standing too close“ Worte in ihre Bestandteile und lässt das ganze klingen wie Neue Musik.

Bei Tamara Lukasheva schließlich klingt die Folklore Osteuropas durch, und Laura Winkler beunruhigt mit einem bildhaften Schlaflied voller Marschrhythmen und Posaunen, deren Akzente frappierend nach Schießgewehr klingen.

Die Sängerinnen haben all das sehr fein für die große Besetzung arrangiert. Auch das trägt zum Gelingen dieses Abends bei –und man wünscht sich, dass Sung Sound irgendwie weitergeht.


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