Baumängel von Anfang an: Das AVZ Osnabrücker Professor: Gebäude ist ein Missgeschick


Osnabrück. „Ich habe dieses Gebäude immer als gruselig empfunden“, sagt der Informatik-Professor Oliver Vornberger, der seit 1986 im AVZ arbeitet.

Sein Büro und die Räume seiner Mitarbeiter nimmt er davon aus, aber die Atmosphäre im Treppenhaus und in den Fluren findet er kalt und abweisend. Dazu kommen ganz spezielle Erfahrungen, die er im Lauf der Jahre machen musste. Etwa, dass die Aufzüge ein Eigenleben führten und partout nicht dort hielten, wo sie sollten. Dass ein Fahrstuhlschacht zugemauert wurde. Dass es überall knackte, wenn der Wind stärker wehte. Und dass sich das Regenwasser gelegentlich einen unkonventionellen Weg ins Innere suchte.

Vornberger fasst es in einem Satz zusammen: „Dieses Gebäude ist ein Missgeschick“. Funktional zwar und flexibel, aber seelenlos. Und deshalb wird er ihm keine Träne nachweinen.

Manfred Blome kann das verstehen, aber als Gebäudemanager der Uni sieht er auch die Vorteile des 70er-Jahre-Ungetüms. Zum einen die riesige Nutzfläche, zum anderen die Flexibilität: „Wände verschieben ist überhaupt kein Thema“. Eigentlich sei der Bau gar nicht schlecht, abgesehen von der katastrophalen Wärmedämmung und dem fehlenden Brandschutz: „Mir tut‘s leid, wenn er abgerissen wird“.

Das AVZ war schon für viele unangenehme Überraschungen gut. Bei der Eröffnung im April 1974 stellte sich heraus, dass sich das Licht nur etagenweise an- und ausknipsen ließ. Ein Mangel, der bald behoben wurde.

Schwerer wog, dass es Probleme mit dem kalkulierten Rost gab. Die Eisenträger, die aus der Fassade ragen, bestanden aus Corten-Stahl wie das Museum in Kalkriese. Oberflächlicher Rost ist dabei gewollt, aber am AVZ kam der Rostfraß nicht zur Ruhe, sodass schon die Tragfähigkeit infrage gestellt war. In den 90er Jahren mussten die Träger saniert und verzinkt werden. Zum Schluss bekamen sie einen Schutzanstrich, der die gleiche Farbe hat wie Rost, aber korrosionsbeständig ist.

Dass sich derart eklatante Mängel eingeschlichen haben, mag sich aus dem Zeitdruck erklären lassen. Allen Beteiligten war klar, dass die Osnabrücker Universität ihre Arbeit erst aufnehmen konnte, wenn das AVZ fertig war. Die 70er Jahre waren eine Zeit des Baubooms, auf Qualität wurde nicht immer geachtet. Inzwischen hat sich auch herausgestellt, dass Auflagen aus der Baugenehmigung nicht eingehalten wurden.


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