Uni-Gebäude nicht brandsicher Sanierung zu teuer: AVZ in Osnabrück wird abgerissen


Osnabrück. Seit 40 Jahren machen Studenten und Professoren zynische Witze über dieses Gebäude, jetzt ist sein Ende besiegelt. Das AVZ am Westerberg wird abgerissen, weil die Sanierung teurer wäre als ein Neubau. Dabei hat das Land Niedersachsen noch in den vergangenen Jahren kräftig investiert, um dem rostbraunen Koloss eine Asbestsanierung, zusätzliche Fluchtwege und WLAN-Netze zu spendieren.

Das Ende für das „Allgemeine Verfügungszentrum“ kam nicht Knall auf Fall. Seit einem halben Jahr ist das Sorgenkind der Hochbauexperten nur noch für einen ausgewählten Personenkreis zugänglich. „Das sind 50 bis 60 Leute“, schätzt Manfred Blome, Dezernent für Gebäudemanagement an der Universität Osnabrück. Zur Eröffnung im April 1974 hatte unsere Zeitung noch getitelt: „Im AVZ ist Platz für 1000 Studenten“.

Wer das Gebäude von außen betrachtet, erkennt nicht auf den ersten Blick das große Volumen. Der Bau mit dem kreuzförmigen Grundriss bringt es auf mehr als 12000 Quadratmeter Nutzfläche. Die neue Bibliothek von Uni und Hochschule an der Sedanstraße müsste noch anderthalb Stockwerke zusätzlich bekommen, um da mitzuhalten.

Dass in den Hörsälen und Büros des AVZ jetzt gespenstische Leere herrscht, ist eine Folge der Brandschutzbestimmungen, die nach dem Feuer im Düsseldorfer Flughafen verschärft wurden. Neue Brandschutzmeldeanlagen wurden installiert, ein provisorisch anmutendes Fluchttreppenhaus an der Außenseite angebracht. Außerdem wurden Kabel und Leitungen abgeschirmt, um einem Feuer länger standhalten zu können. Das K.-o.-Argument kam jedoch im Sommer 2013, wie Cristina v. Pozniak-Bierschenk, die Leiterin des Staatlichen Baumanagements, erklärt: Bei einem Großfeuer im AVZ wären die Stahlgitterträger „nicht für nennenswerte Horizontalverschiebungen ausgelegt“. Mit anderen Worten: Starke Hitze könnte das ganze Gebäude wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lassen.

„Wir müssen das Sicherheitsrisiko minimieren“, sagt die Chefin der Baubehörde. In der Uni gibt es viele, die das als Perfektionismuswahn empfinden. Der Informatik-Professor Oliver Vornberger spricht von einer „Brandschutz-Hysterie“. Wer mit dem Rad oder mit dem Auto zur Arbeit fahre, sei einem höheren Risiko ausgesetzt.

Die behördliche Fürsorge hat sich inzwischen verselbstständigt. Nach der Erkenntnis, dass die Sanierung mehr Geld verschlingen würde als ein Neubau, haben die Planer das AVZ fallen gelassen.

Inzwischen wurde das Staatliche Baumanagement von der Landesregierung beauftragt, Ersatzbauten zu planen. Das sind erst einmal Container, die an der Artilleriestraße aufgestellt werden sollen. Zwischen der neuen Mensa und der noch halb fertigen Bibliothek wäre noch Platz für ein neues AVZ, das diesen Namen aber bestimmt nicht mehr bekommen wird: ein größeres Gebäude für Seminarräume, Labors und die Verwaltung, ein kleineres für das Rechenzentrum.

Was das alles kostet? Von 40 Millionen Euro wird schon mal geraunt, und es ist nicht ganz klar, ob die Kosten für den Abriss des AVZ in dieser Summe schon enthalten sind. Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Klajic hat der Osnabrücker Uni vor einer Woche ihre Unterstützung zugesagt. Das war vor einer Woche, beim Richtfest für die neue Bibliothek . Auch wenn das noch keine Zusage ist, sieht Uni-Vizepräsident Wilfried Hötker darin ein gutes Zeichen: „Das ist eine Perspektive für alle, die am Westerberg studieren und arbeiten!“


Das Unikum aus dem Baukasten Alle sprechen nur vom AVZ. Ursprünglich stand die Abkürzung für „Aufbau- und Verfügungszentrum“. Später setzte sich „Allgemeines Verfügungszentrum“ durch. Das AVZ war der erste Neubau für die Osnabrücker Universität. Er entstand in einer Zeit, als die geburtsstarken Jahrgänge ins Studium drängten . An das Gebäude wurden große Erwartungen geknüpft, weil es als Voraussetzung für den Arbeitsbeginn der Osnabrücker Universität galt. Auftraggeber für das 30-Millionen-DM-Projekt war die Niedersächsische Hochschulbaugesellschaft. Weil alles schnell gehen sollte, entschied man sich für ein Baukastensystem der Langenhagener Firma Rüterbau, das aus einer Stahlkonstruktion besteht. In elfeinhalb Monaten war das AVZ bezugsfertig.

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