A wie Atomkraft bis Z wie Ziel Ein ABC zur Energiewende


Osnabrück. Das Wort Energiewende ist sperrig, und viele können sich darunter nicht so viel vorstellen. Hier haben wir eine kleine Übersicht mit den wichtigsten Begriffen zur Energiewende. Von Natascha Kanke

Atomkraft

In Atomkraftwerke (AKW) wird durch die Spaltung von Atomkernen Wärmeenergie erzeugt, die dann Wohnungen und Häuser mit Strom versorgen. Ein großer Vorteil der AKWs ist, dass sie das Klima vergleichsweise wenig belasten, solange alles einwandfrei funktioniert. Kommt es jedoch zu einem Unfall, sind die Folgen sehr schwer kontrollierbar und wirken noch viele Jahre danach auf die Umwelt. 2011 wurde der Atomausstieg beschlossen, das bedeutet, dass in Deutschland nach und nach alle Kraftwerke ausgeschaltet werden sollen und die Energie aus alternativen Quellen gewonnen werden muss.

Braunkohle

Braunkohle ist ein Rohstoff zur Gewinnung von Energie. Braunkohle ist allerdings äußerst belastend für die Umwelt, da sie einen hohen CO2-Ausstoß verursacht. Der Stoff kann nur im offenen Tagebau gewonnen werden. Über den bis zu 80 Meter dicken Braunkohlenflözen lagern mächtige, lockere Schichten aus Sand, Kies und Ton. Besonders häufig findet man Braunkohle im rheinischen Gebiet zwischen Köln, Aachen und Mönchengladbach.

CO2

„Der CO2-Ausstoß ist zu hoch“, hört und liest man immer wieder. Aber was ist denn so schädlich an CO2 oder mit anderen Worten: Kohlenstoffdioxid. CO2 ist ein Gas, das Menschen und Tiere jeden Tag auch beim Ausatmen in die Atmosphäre abgeben, allerdings haben diese Mengen keine großen Auswirkungen. Bei der Verbrennung von beispielsweise Braunkohle entsteht jedoch erheblich mehr Kohlenstoffdioxid. Aufgrund dieser hohen Konzentration wird es zu „Treibhausgas“. Diese Gase schädigen die Ozonschicht und treiben den Klimawandel voran.

Deutschland

Deutschland ist in den vergangenen Jahren, europa-, aber auch weltweit gesehen, einer der Vorreiter in Sachen Klimaschutz, der zwangsläufig auch mit der Energiewende zusammenhängt. Bundeskanzlerin Merkel setzt sich auf Konferenzen immer wieder für verbindliche Ziele ein. Bei diesen Konferenzen kommen die größten Wirtschaftsstaaten der Welt zusammen und sprechen über die zukünftigen Ziele und Vereinbarung in Sachen Klimaschutz. Unabhängig davon verfolgt Deutschland eigene Vorgaben, die im Vergleich zu anderen Nationen sehr ehrgeizig sind.

Erneuerbare Energien

Wind und Sonne sind die wichtigsten Elemente, wenn man von erneuerbaren Energien spricht. Denn es geht darum, Energie aus Quellen zu gewinnen, die unendlich verfügbar sind, wie eben Sonne und Wind. Damit in Deutschland mehr Strom aus den erneuerbaren Energien genutzt wird, hat die Bundesregierung 2000 das „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ (EEG) verabschiedet. Damit soll Energie „sauber“ gefördert werden.

Fracking

Hydrolic Fractioning, kurz Fracking , ist eine Methode zur Förderung von Gas und Öl aus unterirdischen Gesteinsschichten. Eine Mischung aus Wasser, Sand und chemischen Zusätzen wird dabei in den Boden gepresst, um Risse zu erzeugen, die später stabilisiert werden. So können dann die Gase aus tieferen Erdschichten an die Oberfläche befördert werden. Kritiker dieser Methode warnen allerdings vor einer Verunreinigung des Grundwassers durch die chemischen Inhaltsstoffe.

Gebäudesanierung

Besonders bei älteren Häusern sind die Isolierungen und die Heizungstechnik nicht ausreichend, sodass die Heizung dauerhaft laufen muss und die Heizkosten in die Höhe schnellen. Im Zuge der Energiewende werden Altbauten saniert und mit einer besseren Dämmung ausgestattet, damit die Wärme in den vier Wänden bleibt. Bei neuen Häusern sind diese Anforderungen inzwischen Standard. Bis 2050 will die Bundesregierung so 80 Prozent an Energiekosten einsparen. Wohnungs- und Hauseigentümer müssen dafür viel Geld für die Sanierung investieren.

IRENA

IRENA ist die Abkürzung für International Renewable Energy Agency , was übersetzt so viel bedeutet wie Internationale Organisation für erneuerbare Energien. Im Jahr 2009 wurde die internationale Regierungsorganisation in Bonn von 75 Staaten gegründet. Inzwischen sind 118 Mitgliederländer und die Europäische Union in der IRENA vertreten. Ziel ist es, auf internationaler Ebene die Förderung der erneuerbaren Energien weltweit voranzutreiben.

Hochspannung-
Gleichstrom-Leitung

Die Energiewende bringt neben neuen Möglichkeiten auch Herausforderungen mit sich. Davon betroffen sind dabei beispielsweise die Stromnetze. Die bisherigen Netze sind nicht dafür ausgelegt, über lange Strecken eine hohe Leistung zu erzielen. Mit den Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen soll das möglich werden. Das ist zum Beispiel für die Weiterleitung des Stroms aus erneuerbaren Energien (Solaranlagen) aus den Saharagebieten wichtig.

Jahreshöchstlast

Mithilfe der Jahreshöchstlast wird ermittelt, welche Kapazität in den deutschen Kraftwerken gestemmt werden muss. Um diesen Wert zu ermitteln, wird ein Stichtag im Winter als Ausgangswert genommen. Denn in der kalten und dunklen Jahreszeit ist der Energieverbrauch logischerweise am höchsten. Abhängig ist die Jahreshöchstlast auch davon, wie kalt der Winter ist. In milden Jahren ist der Wert daher auch niedriger.

Klima

Das Klima ist untrennbar mit der Energie verbunden. Denn je nach Methode der Energiegewinnung wird die Umwelt unterschiedlich stark belastet. Ein Kohlekraftwerk hat einen hohen CO2-Ausstoß und wirkt sich damit negativ auf das Klima aus. Aber nicht nur die Energiegewinnung ist ein Einflussfaktor, sondern auch die Belastung durch Unternehmen und private Haushalte. Denn auch dort wird das schädliche Kohlenstoffdioxid in die Umwelt abgegeben. Durch den weltweit steigenden Energieverbrauch nimmt auch die Belastung stetig zu.

Leerlaufverluste

Man hat den Fernseher ausgeschaltet, aber das bedeutet nicht, dass in dieser Zeit keine Energie verbraucht wird. Denn solange der rote Knopf noch leuchtet, „zieht“ das Gerät noch Strom. Das sind die sogenannten Leerlaufverluste. Hohe Stromrechnungen entstehen also nicht hauptsächlich in der Zeit, in der Geräte eingeschaltet sind, sondern im Stand-by-Modus. Diesen verborgenen Stromfresser kann man allerdings auch einfach „erlegen“, indem man den Stecker aus der Dose zieht.

Mobilität

„Ich geh mal eben Strom tanken“, könnte bald ein alltäglicher Satz sein. Denn die Automobilhersteller haben die E-Mobilität entdeckt. Das bedeutet, dass ein Auto anstatt von Benzin, vom deutlich umweltfreundlicheren Strom betrieben wird. Die ersten Kraftfahrzeuge und Busse schlängeln sich bereits durch den Straßenverkehr. In Osnabrück pendelt zum Beispiel ein E-Bus zwischen dem Marienhospital und dem Neumarkt. Damit sich die E-Mobilität durchsetzen kann, muss noch an der Infrastruktur der Ladesäulen gearbeitet werden. Denn zurzeit ist es in vielen Gebieten noch schwierig, eine Ladestation zu finden.

Nationale

Klimaschutzinitiative

Gegründet wurde die Initiative vom Bundesumweltministerium. So sollen Programme gefördert werden, die zur Senkung der Emissionen in Deutschland einsetzen. Außerdem werden Projekte unterstützt, die zur effizienteren Nutzung von Energien und Ressourcen beitragen. Die nationale Klimaschutzinitiative ist ein Mittel der Bundesregierung zum Erreichen der Klimaschutzziele und zum Gelingen der Energiewende.

Offshore-Windparks

Offshore ist englisch und bedeutet „küstenfern“. In den sogenannten Offshore-Windparks wird also weit entfernt vom Festland Windenergie produziert. Vorteile dieser Art, Strom zu produzieren, sind, dass man relativ stetige Windbedingungen hat und dass die Winde sehr stark sind. So ist es möglich, in den integrierten Windkraftanlagen eine hohe Auslastung zu erzielen. Die Windparks sind deshalb ein wichtiger Bestandteil im Konzept der Bundesregierung, in Deutschland auf regenerative Energien umzustellen.

Politik

Der größte Meilenstein der letzten Jahre für die Energiewende war die Erklärung zum Atomausstieg im Jahr 2011. Auslöser dafür war die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima. Nach Bekanntwerden der verheerenden Auswirkungen wurden Stimmen nach einem Atomausstieg immer lauter. Das stellte aber auch große Herausforderungen an die Politik. Denn momentan ist das Netz der erneuerbaren Energien nicht weit genug ausgebaut, um die Versorgung der deutschen Bevölkerung zu sichern. Bis 2022 sollen in Deutschland alle noch betriebenen Meiler vom Netz genommen und hauptsächlich durch „grüne“ Energie ersetzt werden.

Quotenmodell

Das Quotenmodell soll die Energiewende vorantreiben. Um die Ziele zur Umstellung auf regenerativen Energien zu erreichen, bestimmt das Quotenmodell genaue Zwischenziele, die von den Netzbetreibern eingehalten werden müssen. In anderen Ländern, wie Schweden wurde dieses Modell bereits mit guten Erfolgen eingeführt. Das Quotenmodell ist ein Gegenmodell zum Erneuerbare-Energien-Gesetz. Seit vielen Monaten wird in Deutschland über ein Quotenmodell diskutiert. Eine endgültige Entscheidung steht allerdings noch aus.

Reaktorkatastrophe

Zu kleineren Zwischenfällen kommt es immer wieder in Atomkraftwerken. Aber was passiert, wenn die Probleme nicht schnell genug unter Kontrolle gebracht werden können, konnte man in Fukushima vor einigen Monaten sehen. Störungen in
der Kühlung der Brennstäbe, die durch einen Tsunami ausgelöst wurden, führten zu einer Reaktorkatastrophe. Das bedeutet, dass radioaktive Strahlung besonders die Umgebung um das Kraftwerk herum „verstrahlt“ und mindestens über Jahrzehnte kein normales Leben in diesem Gebiet zulässt. Radioaktive Strahlung kann schwerwiegende Folgen haben, wie beispielsweise das gehäufte Auftreten von Krebs.

Solaranlage

Mit einer Solaranlage wird die Strahlung der Sonne in nutzbare Wärme umgewandelt. Dadurch kann in Haushalten Wasser zum Duschen oder Baden erwärmt werden. In Zentraleuropa können mit diesen Anlagen – je nach Region – sogar 50 bis 60 Prozent des Energiebedarfs zur Erwärmung von Trinkwasser gedeckt werden. Sonnenkollektoren, die beispielsweise auf Hausdächern angebracht sind, sammeln die im Sonnenlicht enthaltene Energie.

Treibhausgase

Treibhausgase wie CO2 sind mitverantwortlich dafür, dass der Klimawandel immer schneller voranschreitet. Denn sie richten in der Ozonschicht Schäden an, die dazu führen, dass die Erde nicht mehr ausreichend geschützt ist. Allerdings sind nicht alle Treibhausgase schädlich. Denn die natürlich entstandenen Gase sind sogar notwendig, um die Temperatur der Erdoberfläche zu heben, die sonst bei etwa -15 °Grad Celsius liegen würde. Erst durch die künstlich produzierten Treibhausgase durch Verbrennung fossiler Energieträger (z. B. Kohle) entsteht der Treibhauseffekt und führt zur globalen Erwärmung.

Umlage

Mit der EEG-Umlage soll die Energiewende mitfinanziert werden. Die Kosten der Umlage werden durch die Strompreise auf den Endverbraucher verteilt. Wer also Strom zu Hause verbraucht, zahlt automatisch die EEG-Umlage. Der Umlagebetrag wird jedes Jahr neu ermittelt von den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern. In den letzten Jahren stieg der Anteil der Umlage immer mehr an, weil vermehrt Strom aus erneuerbaren Energien genutzt wird.

Vorreiterländer

Als Vorreiterländer können die Staaten bezeichnet werden, die sich im Zuge der Energiewende in der Politik selbst ehrgeizige Ziele setzen. Auch Deutschland zählt sich dazu. Zusammen mit zehn anderen Vorreiterländern, unter anderem China, Dänemark, Frankreich und Großbritannien, gründete Deutschland den „Club der Energiewende-Staaten“. Gemeinsames Ziel soll es sein, die Energiewende weltweit voranzutreiben.

Windkraft

Die meisten Windkraftparks liegen im Norden und Nordosten Deutschlands. Dort sind die Voraussetzungen für eine effiziente Stromgewinnung aus Windkraft am besten. Der ehemalige Bundesumweltminister bezeichnete die Windkraft sogar als Rückgrat der Energiewende. Sie liefere den größten Anteil der erneuerbaren Energien und sei dabei vergleichsweise kostengünstig zu erzeugen.

Ziel

Momentan werden rund 16 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien bezogen. Bis 2050 sollen, wie im Quotenmodell festgeschrieben,
80 Prozent der Energieversorgung aus erneuerbaren Energiequellen bezogen werden, zum Beispiel aus Wind- oder Solarenergie. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, muss vor allem in neue Technologien investiert werden, damit die erzeugten Energien auch gespeichert werden und in dafür ausreichenden Netzen transportiert werden können.


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