Manila und Jakob Bartnik starten Programm Osnabrücker Stadtgalerie wird „eingenordet“

Sie will die Stadtgalerie neu erlebbar machen: Kunsthallen-Chefin Julia Draganovic. Foto: Sven JürgensenSie will die Stadtgalerie neu erlebbar machen: Kunsthallen-Chefin Julia Draganovic. Foto: Sven Jürgensen

Osnabrück. Julia Draganovic räumt die Osnabrücker Stadtgalerie um. Die Künstler Manila und Jakob Bartnik gestalten das Jahresprogramm 2014.

Kunst kann ziemlich aufgeräumt sein. Dafür stehen jedenfalls - auf den ersten Blick - die Osnabrücker Künstler Manila und Jakob Bartnik , die das Jahresprogramm 2014 im Stadtgalerie-Café gestalten. Julia Draganovic, als Leiterin der Kunsthalle auch für die Stadtgalerie verantwortlich, hat das Künstlerpaar für die Stadtgalerie engagiert. Sie sollen dort ein Ausstellungsprogramm verwirklichen, das die gewohnten Zuordnungen von Künstler, Werk und Kurator neu befragt. „ Für ein Jahr geben wir das Steuer ab“, sagt Draganovic, auch im Hinblick auf ihre Kuratorenkollegin Christel Schulte von der Kunsthalle.

Die Besucher der ersten Eröffnung am Freitag, 28. Februar 2014, um 18 Uhr werden jedenfalls ein ganz anderes Stadtgalerie-Café vorfinden. „Bitte halten Sie die Stadtgalerie eingenordet“, wird auf Aufstellern zu lesen sein. Das Künstlerpaar Manila und Jakob Bartnik wird Tische und Stühle strikt ausgerichtet haben, Teller, Tassen, Löffeln und Gabeln ohnehin. Exponate soll es auch geben - allerdings nur vier. Und die werden das Konzept der „Einnordung“ unterstützen. Ein Foto zeigt Zoo-Paviane, die tagelang in Richtung Norden schauten, eine vier Meter lange Kompassnadel, die Richtung Norden und damit Richtung Kunsthalle zeigt, ein großes „N“ für Norden, das in der Kunsthalle gezeigt werden wird, und schließlich ein Video. Der Film zeigt Manila Bartnik auf dem Weg durch eine Landschaft. Was hat sie dabei in der Hand? Einen Kompass natürlich.

„Einnordung“, als erste von fünf Ausstellungen in diesem Jahr geplant, handelt also von der Frage nach einer neuen Richtung, die die kleine Stadtgalerie einschlagen soll. Wer trifft dabei kuratorische Entscheidungen? Wer hat das Sagen? Julia Draganovic will keine Werke zeigen, sondern genau solche Prozesse aufzeigen. Sie übt sich damit in Institutionenkritik, wie Kunstexperten sagen. Manila und Jakob Bartnik nehmen dafür das Ruder in die Hand. „Frau Draganovic weiß nicht, was sich alles abspielen wird“, verspricht Jakob Bartnik für das Jahresprogramm 2014 schon einmal spannende Abwechslung - Konflikte inbegriffen. Mit Konflikten rechnet auch Manila Bartnik, nicht zuletzt deshalb, weil die Stadtgalerie immer ein umkämpfter Ausstellungsort war. Aber wird die Stadtgalerie an der Großen Gildewart deshalb auch schon als interessanter Ort wahrgenommen? Auch um diese Frage soll es im neuen Jahr gehen.

Auf „Einnordnung“ folgen nach den Angaben des Künstlerpaares noch „Entdeckung“, „Einladung“, Ausschreibung“ und „Begleitung“, so die Titel der einzelnen Ausstellungsprojekte, die erst nach und nach gefüllt werden sollen. „Wir wollen die Osnabrücker Künstler mit einbeziehen“, sagen Manila und Jakob Bartnik. Allerdings werde es dabei nicht um die klassische Werkpräsentation oder den Proporz von Hängefläche gehen. „Es geht vor allem um den Perspektivenwechsel“, sagt Julia Draganovic und plädiert für einen „erweiterten Kunst- und Werkbegriff“. Die Bartniks wollen jedenfalls unter dem Titel „Entdeckung“ Objekte eines Produzenten zeigen, der sich nicht für einen Künstler hält. Die Exponate sollen jedoch genau unter dem Begriff der Kunst diskutiert werden. „Das Ergebnis des Experiments wird am Jahresende zu beurteilen sein“, sagt Christel Schulte. Der Titel des Jahresprogramms macht immerhin schon einmal Hoffnung. Er lautet, in hübscher Anspielung auf die früher „DoKi“ genannte Kunsthalle Dominikanerkirche: „Okidoki“. Mehr Affirmation geht kaum.

Stadtgalerie Osnabrück: „Einnordnung“. Eröffnung: Freitag, 28. Februar 2014, 18 Uhr. Laufzeit: 2. März bis 13. April. Di.,-So., 9-18.30 Uhr.


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