Vorgeschmack auf den Joballtag Informatik-Messe an der Hochschule in Osnabrück

Autonomes Fahren:  Der Mini-Computer steuert durch den Parcours. Robert Berger, Stefan Burgstaler und Björn Volkmann (v. links) beobachten die Bewegungen. Foto: Gert WestdörpAutonomes Fahren: Der Mini-Computer steuert durch den Parcours. Robert Berger, Stefan Burgstaler und Björn Volkmann (v. links) beobachten die Bewegungen. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Seit Beginn des Wintersemesters haben 42 Studierende der Hochschule Osnabrück an ihren Projekten getüftelt, sich in Arbeitsgruppen aufgeteilt und sich mit den Schwierigkeiten auseinandergesetzt, die ihnen im späteren Berufsalltag wohl häufiger begegnen werden.

Bei der Informatik -Messe der Hochschule stellten die Fünftsemester der Studiengänge „Medieninformatik“ und „Technische Informatik“ nun ihre Ergebnisse vor.Die Messe hat Tradition in der Hochschule. Bereits seit mehreren Jahren wird sie jedes Semester veranstaltet. Die Projektthemen, denen sich die Studenten über Monate hinweg widmen sollen, werden von den Professoren und Dozenten der beiden Studiengänge vorgeschlagen. Mit welchem konkreten Projekt sich die Studenten auseinandersetzen, entscheiden diese selber. Aus einem Pool von elf Themenvorschlägen blieben in diesem Wintersemester schließlich sechs Projekte übrig, auf die sich die 42 Bachelorstudenten verteilten. Rund 200 Arbeitsstunden haben sie seit Oktober jeweils hineingesteckt; zwei Tage in jeder Woche standen dabei ganz im Zeichen der einzelnen Projekte.

Die Mühe hat sich für die Studenten gelohnt, findet Informatik-Professor Frank Thiesing. Nicht nur wegen der zehn Credit-Points, die sie für das Modul erhalten. Vielmehr bekommen die Studenten durch die Projektarbeit einen guten ersten Eindruck davon, was sie nach ihrem Studium in ihrem beruflichen Alltag erwartet. Praxiserfahrung heißt dabei das Zauberwort. Ein Projekt planen, die Aufgaben verteilen und schließlich zu brauchbaren Ergebnissen kommen – und das alles auch noch unter Zeitdruck: „Es soll die Studenten in einem relativ geschützten Rahmen darauf vorbereiten, was sie später wohl täglich machen müssen“, so Thiesing, der die Messe organisiert hat.

Firmen profitieren

Doch die Projekte haben nicht nur den Zweck, den Studenten unter Wettkampfbedingungen praktische Erfahrung zu vermitteln. Die Ergebnisse sollen nämlich auch überzeugen und einen wissenschaftlichen Mehrwert liefern. Von diesem könnten dann auch Firmen profitieren wie zum Beispiel Hellmann. Ein Projekt wurde nämlich in engem Kontakt mit dem Logistikunternehmen durchgeführt. Dabei ging es um die automatische Vermessung von Paketstücken, die für Hellmann eine große Relevanz besitzt.

Der Grund: Es existiert zwar eine Reihe von Systemen, mit denen das Volumen von Packstücken bestimmt werden kann. „Diese kosten aber allesamt viel Geld“, berichtet Peter Schenk, IT-Director bei Hellmann. Sieben Studenten, die sich für dieses Projekt entschieden haben, sollten nun überprüfen, ob die Microsoft Kinect – eigentlich eine Hardware zur Steuerung der Xbox 360 – dazu fähig ist, Paketstücke mittels Infrarotkamera zu vermessen. Dies würde nämlich eine erhebliche Kostenersparnis bedeuten. Während andere Sensoren zur Vermessung rund 5000 Euro kosten, würde sich der Preis bei einem Kinect-gestützten System wohl nur auf 120 bis 150 Euro pro Sensor belaufen.

Mit dem nun präsentierten Ergebnis könne sich Hellmann zufrieden zeigen, so Schenk. „Wir können diese Technologie zwar noch nicht in unsere Produktion übernehmen. Aber ein Anfang ist dadurch gemacht worden“, sagt er. Hellmann werde das Thema weiterverfolgen und dafür auch mit der Hochschule kooperieren.

Doch dies war nicht das einzige Projekt, das vorgestellt wurde. Ein Auto, das selbstständig und vor allem sicher fährt, ohne dass eine Person lenken, bremsen oder Gas geben muss – das ist sicherlich noch Zukunftsmusik. Aber der Möglichkeit, dies im Kleinen zu realisieren, hat sich ebenfalls eine Gruppe gewidmet. Die Idee: Der Mini-Computer „Raspberry Pi“ wird auf das Fahrgestell eines einfachen Raupenfahrzeugs montiert und steuert mittels einer Kamera und einer Bildbearbeitungssoftware eigenständig durch einen Parcours.

Besser als erwartet

Das Ergebnis könnte sich durchaus sehen lassen, meint die achtköpfige Projektgruppe. „Es lief besser, als wir erwartet haben. Klar haben wir noch Luft nach oben, aber eigentlich hat alles super geklappt“, berichtet Robert Berger. Die monatelange Projektarbeit sei eine spannende Erfahrung gewesen, meint auch sein Kommilitone Stefan Burgstaler. In diesem Zeitraum sei die Gruppe auch mit diversen Problemen konfrontiert worden, die man nicht unbedingt vorhergesehen habe. „Allein schon die Koordination untereinander. Mit so vielen Leuten zusammenzuarbeiten war schwieriger als gedacht“, so Burgstaler.

Ein weiteres Projekt könnte zur Verbesserung der Pflege von körperlich und/oder geistig eingeschränkten Personen beitragen oder gar deren Selbstständigkeit erhalten. Mittels eines berührungslosen Sensor-Systems soll die Aktivität von Patienten überwacht werden. Die Bewegungen dieser Personen sollen aufgezeichnet und kontinuierlich ausgewertet werden. Erste Tests seien vielversprechend ausgefallen. „Die Sturzerkennung funktioniert. Das ist wichtig, vor allem im Bereich der Pflege. So kann auf kritische Situationen schnell reagiert werden“, betont Projektsprecher Dominik Schöneich.


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