Kunst zum Ersten Weltkrieg BBK-Künstler zeigen „re:set“ in Kalkriese

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Bramsche. Vor 100 Jahren begann, ausgelöst durch das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand, der Erste Weltkrieg. Zahlreiche Veranstaltungen gedenken in diesem Jahr dieser grausamen Geschichtswendung, unter anderem eine Ausstellung mit Werken von zwölf Künstlern des Bundes Bildender Künstler Osnabrück (BBK) in Kalkriese. Verbunden mit dem Vortrag „Europäisch statt national“, wurde die Schau mit dem Titel „re:set – Erster Weltkrieg im Landkreis Osnabrück“ jetzt eröffnet.

Aus den unterschiedlichsten Perspektiven fokussieren die BBK-Künstler das Thema Krieg: Sie zeigen Bilder von Schlachtfeldern, visualisieren brutale Begleiterscheinungen wie Flucht, Hunger und Tod oder die Spätfolgen des Krieges. Eines haben die Künstler gemeinsam: Sie betrachten die tödlichen Schlachten des Ersten Weltkrieges aus der Distanz, weil sie ihn nicht erlebt haben. Sie sind nicht wie vor 100 Jahren diverse Künstler, verblendet von nationalem Gedankengut, begeistert in den Krieg gezogen.

„Auch den Krieg muss man als Naturereignis betrachten“, wird Otto Dix in einer Arbeit des Osnabrücker Künstlers Jens Raddatz zitiert. Der widersetzt sich Dix’ Statement mit der Abbildung eines Naturproduktes, dem er den Titel „Als Europas Selbstmord begann“ gab. In der Mitte des Ausstellungsraums des Besucherzentrums findet man darüber hinaus die hölzernen Skelette von Monika Hamann , die an die todbringende Realität des Krieges erinnern. In einer Ecke des Raumes mahnt Jelena Reinert. „Heimat als neue regionale Identität“ heißt ihre Installation, die sich mit Flucht und der Suche nach einem Ort zum Leben befasst. Lange bemalte Stoffbahnen zeigen Flüchtlingszüge, ein Koffer mit Utensilien wie Pässen, Ausweispapieren und Essgeräten verweist auf das Wichtigste, was dem Menschen auf der Flucht bleibt.

Tina Schick prangert Vergewaltigung als „billigste Kriegswaffe“ an, Kerstin Hehmann forscht mit einer Fotoarbeit in ihrer eigenen Familie nach Kriegsbeteiligungen, und Sylvia Lüdtke verarbeitet in dem Wandobjekt „Heile, heile Segen“ gehäkelte Maschinenpistolen, um ihren stillen Protest gegen den Krieg zu artikulieren.

Nach der Ausstellungseröffnung durch Joseph Rottmann, Geschäftsführer Museum und Park Kalkriese, und Kreisrat Matthias Selle schlug Paul-Joachim Kubosch eine Brücke zur Jetztzeit.

Der Leiter des Informationsbüros der Europäischen Union in München verwies darauf, dass eine solche Situation, wie sie vor 100 Jahren zum Ausbruch des Krieges geführt hatte, heute nicht mehr entstehen könne. „Wir haben aus der Vergangenheit gelernt“, sagte er und erinnerte sich an seinen Großvater, der in der „Garde des deutschen Kaisers“ gedient habe und als überzeugter Pazifist aus dem Krieg zurückgekehrt sei. Er verwies aber auch auf aktuelle nationalistische Strömungen in der Europäischen Union, die dieses demokratische Gebilde in Gefahr bringen könnten, und schloss seinen Vortrag mit einem Appell: „Gehen Sie zur Wahl und motivieren Sie auch andere, Ihre Stimme für die EU abzugeben“, sagte er, denn jeder Nichtwähler gebe EU-Zweiflern eine Chance.

Helmut Kemper vom Kulturbüro des Landkreises erklärte, dass die BBK-Ausstellung auch an anderen Orten gezeigt wird. Sie wandert im Mai in die Gedenkstätte Augustaschacht, danach ins Kreishaus Osnabrück und in die Alte Posthalterei in Melle. Außerdem sind weitere Vorträge zur 100-jährigen Wiederkehr des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges geplant.

Museum und Park Kalkriese: „re:set – Erster Weltkrieg im Landkreis Osnabrück“. Ausstellung des BBK mit Arbeiten von Mechthild Wendt, Sybille Hertel, Tina Schick, Sylvia Lüdtke, Monika Hamann, Jelena Reinert, Kerstin Hehmann, Alois Thomas, Günter Sponheuer, Jens Raddatz, Manfred Heinze und Franz Greife. Bis 16. März, Di.–So. 10–17 Uhr.


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