Stadt: Gewerbegebiet hat Vorrang „Lebensquelle“ darf keine Kita im Güterbahnhof bauen


Osnabrück. Um den Osnabrücker Güterbahnhof ist es zwar ruhiger geworden, aber die wichtigen Entscheidungen über die Zukunft der Industriebrache stehen noch bevor: Darf die evangelische Freikirche „Lebensquelle“ auf dem Gelände eine Kirche für 3000 Menschen bauen? Lässt sich die Stadt auf nichtgewerbliche Nutzungen ein? Und was wird aus dem Ringlokschoppen? Bis zum Sommer wollen die Stadtplaner konkrete Vorschläge machen. Entscheiden muss dann der Rat.

Abgeblitzt ist die Freikirche mit ihrem Antrag, eine Kindertagesstätte in der früheren Güterabfertigung einzurichten. Eine solche Einrichtung sei mit den städtebaulichen Zielen nicht vereinbar, beschied die Bauverwaltung mit ausdrücklicher Zustimmung des Rates. Eine Kita sei in einem Gewerbegebiet nicht genehmigungsfähig, erklärte Stadtbaurat Frank Otte dazu auf Anfrage.

Dabei hatte die evangelische Freikirche „Lebensquelle“ noch weitere Nutzungen vorgeschlagen, bei deren Erwähnung die Politiker aus dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt nur die Augen verdrehten: Ein Pflegeheim, ein Ärztehaus und eine Privatschule, ein Zentrum für Freizeit und Fitness und „optional“ sogar ein Hotel.

Der „Lebensquelle“ gehört seit dem Herbst 2012 ein drei Hektar großes Grundstück mit der ehemaligen Güterabfertigung und der Abfertigungshalle, die sie zu Osnabrücks größter Kirche umbauen will. Auch dieses Vorhaben ist vielen Ratsmitgliedern suspekt, zumal eine Kirche alles andere als ein gewerblicher Bau ist. Hinter den Kulissen wächst aber offenbar die Bereitschaft, eine Halle für Gottesdienste zuzulassen – allerdings mit deutlich weniger als den angekündigten 3000 Plätzen.

Auf ein Gewerbegebiet hatte sich die Stadt schon festgelegt, als der Güterbahnhof noch der DB-Tochter Aurelis gehörte. Seitdem hat das 21 Hektar große Areal zweimal den Eigentümer gewechselt. Der Mann, der jetzt den Ton angibt, war sogar durch einen Tipp städtischer Stellen auf das Gelände aufmerksam gemacht worden: Ralf Gervelmeyer, Geschäftsführer der Zion GmbH, hatte im vergangenen Jahr mit schwulenfeindlichen Äußerungen den Unmut vieler Politiker zugezogen.

Die Verhandlungen zwischen dem Eigentümer und der Bauverwaltung sind jedoch weitergegangen, auch am Montag stand wieder ein Gespräch an. Das sei konstruktiv verlaufen, erklärte Gervelmeyer gegenüber unserer Zeitung.

Nach Auskunft von Stadtbaurat Otte müssen noch verschiedene Untersuchungen zu Ende gebracht werden, bevor der Bebauungsplan konkret gefasst werden kann. Dabei geht es auch um die Frage, wie das neue Gewerbegebiet an das Straßennetz angeschlossen werden soll und wo der Schienenstrang für die sogenannte Münsterkurve verlaufen kann.

Noch offen ist die Frage, was aus dem Ringlokschuppen werden soll, für den sich die Stadt das Vorkaufsrecht gesichert hat. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hat angekündigt, dass der denkmalgeschützte Bau auf jeden Fall vermarktet werden solle. Dabei schwebt ihm ein Investorenwettbewerb vor.

Auch der Kulturverein Petersburg, der im südlichen Teil des Güterbahnhofs ein buntes Zentrum eingerichtet hat, hofft auf einen sicheren Status durch den neuen Bebauungsplan.


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