Studierendenrat Uni Osnabrück: Wahl interessiert nicht


Osnabrück. Kaum mehr als jeder zehnte Student hat in der vergangenen Woche sein Kreuzchen bei der Wahl zum Studierendenrat (StuRa) der Universität gemacht. „Erschreckend gering“, kommentierte der AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) die Wahlbeteiligung. Der StuRa entscheidet über das Semesterticket. Außerdem wählt er den AStA, dessen Mitglieder die Interessen der Studenten gegenüber der Uni vertreten sollen.

Amtliches Endergebnis am Freitagabend: Die Wahlbeteiligung bei der StuRa-Wahl lag in diesem Jahr bei 11,65 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit über zehn Jahren.

Woran liegt das geringe Interesse der Studenten?
Eine echte Antwort ist sowohl unter den Studenten selbst als auch bei Vertretern der Uni nicht leicht zu finden.

Ann-Kathrin Schönekeß kandidierte beispielsweise für die Liste „htw + friends“ und war am Mittwoch und Donnerstag der vergangenen Woche gleichzeitig Wahlvorstand des Wahllokals in der Mensa am Westerberg. Das Interesse an Hochschulpolitik sei insgesamt gering, stellte Schönekeß fest. Im vergangenen Jahr hatten sich nicht einmal genug Studenten als Kandidaten aufstellen lassen, um alle Listenplätze zu füllen. Schönekeß hat keine Erklärung für das Desinteresse ihrer Kommilitonen. „Viele wissen nicht, was der StuRa für uns bewirkt.“

Die Frage nach Argumenten für oder gegen eine Beteiligung zog beim Wahlvolk häufig flapsige Antworten nach sich: Die einen nannten „Gruppenzwang“ als Grund, andere wollten Freunde unterstützen. Nichtwähler haben die Wahl entweder nicht wahrgenommen, oder das Thema interessierte sie nicht.

Prof. Dr. Joachim Härtling, Vizepräsident der Universität, hält dieses Verhalten für „sehr bedauerlich“. Allerdings sei die Wahlbeteiligung bei Wahlen dieser Art ja grundsätzlich eher gering. Vielleicht habe das auch mit der geringen Studiendauer zu tun. Als Konsequenz kündigt Härtling lediglich an, das Thema bei einem Treffen mit den Studenten, das regelmäßig einmal im Monat stattfindet, ansprechen zu wollen. Das nächste Treffen dieser Art ist für März geplant.

Dass eine solche Wahl, an der letztlich 1412 von 12125 Studenten teilnehmen, nicht kostenlos ist, zeigen die rund 5000 Euro, die alleine für Wahlbenachrichtigungen und für die Briefwahl ausgegeben wurden und letztlich von allen Studenten bezahlt werden. Eine weitere Hürde könnte die Einführung von Wahlbezirken in diesem Jahr sein. Wahlleitung wie auch Studenten, die sich dazu auf Facebook äußern, kritisieren, dass es mit der Einführung der Campus-Card nun feste Bezirke gibt. Ein Physikstudent zum Beispiel darf jetzt nicht mehr am Schloss wählen, sondern nur noch am Westerberg. Früher konnten die Ausweise einfach gestempelt werden, um doppelte Stimmabgaben zu vermeiden. Das ist auf den Plastikkarten nicht mehr möglich. Daher wurden schon während der Wahl Forderungen nach einer computergestützten Lösung laut. Gültig ist die Wahl übrigens. Ein Quorum gibt es nicht. „Sonst sähe es auch schlecht aus“, stellt Wahlhelferin
Sara Ghayour Mobarhan fest.


In den Studierendenrat (StuRa) der Universität wählen die eingeschriebenen Studenten insgesamt 45 Vertreter. Der StuRa wählt dann den AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss), dessen Referenten die Belange der Studenten nach außen vertreten sollen. Bis 2012 hieß der StuRa Studierendenparlament (StuPa). Neben kulturellen und Service-Angeboten, wie der Rechtsberatung, ist die Hauptaufgabe des AStA und des StuRa die Verhandlung des Semestertickets. Für richtungsweisende Entscheidungen ist dagegen der Senat zuständig. Die beiden größten Fraktionen im Studierendenrat stellen die „Grüne Hochschulgruppe“ und „htw+friends“. Letztere besteht zu einem großen Teil aus Wirtschafts- und Jura-Studenten. 8 Vertreter entsenden die Jusos, 6 die Junge-Union-Hochschulgruppe.

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