Bei Kromschröder gab das Band den Takt vor 1930 kam das Fließband nach Osnabrück


Osnabrück. In jeder Zeile seines Reiseberichts liest man die Begeisterung, die Wilhelm Karmann für die Produktionsmethoden in den Vereinigten Staaten entwickelte: Türen, die nicht mehr an das Fahrzeug angepasst werden mussten, sondern einfach passten. Bandarbeit, die „höchste Produktivität“ ermöglichte und auch von ungelernten Arbeitern geleistet werden konnte. Und deutlich geringere Lohnstückkosten. Trotz dieser Euphorie dauerte es noch, bis auch bei Karmann in Osnabrück die Fließbänder den Arbeitstakt bestimmten.

Obwohl auch in Deutschland die Zeichen längst auf Wandel standen: Opel hatte bereits 1924 die Fließbandproduktion eingeführt. Ford dagegen begann erst 1925 – nach dem Ende der Importbeschränkungen – in Berlin damit, zunächst aus den USA gelieferte T-Modelle zusammenzusetzen.

Andere Marken, darunter Hanomag, Adler und Horch, folgten dem Beispiel von Opel und setzten ebenfalls auf das Fließband.

Und Karmann? Eine Broschüre aus dem Jahr 1938 zur Produktion des Adler „Autobahnwagen“- Cabriolet in Osnabrück spricht von „fließender Fertigung“. Auf jeder Arbeitsstation warteten bereits die Materialien und Einzelteile, um „von Spezialarbeitern eingebaut zu werden. Hier zeigt sich, was genaue Arbeit ist – denn am Fließband muss jeder Griff sitzen …“

Wer genau hinschaut, bekommt allerdings Zweifel, ob es bei Karmann in Osnabrück mit der Fließbandproduktion schon so rund lief. Es sieht eher aus, als würden die Fahrzeuge auf Rollwagen von Station zu Station geschoben. Nicht ohne Grund spricht Rolf Spilker, Leiter des Museums Industriekultur Osnabrück, lieber von „Fließproduktion“.

Das hat Gründe: Schließlich ist die Einrichtung einer Produktionsstätte für Autos schon wegen der Größe der Einzelteile ungleich komplexer als zum Beispiel für Gasuhren. Deren Hersteller Kromschröder hatte als erstes Unternehmen in Osnabrück ab 1930 mit der echten „Fließband-Produktion“ seiner Gasmesser begonnen. Die ebenfalls von Kromschröder selbst gefertigten Einzelteile wurden am laufenden Band moniert, das somit tatsächlich den Takt vorgab.

Bei Karmann begann die echte Fließbandproduktion erst nach dem Weltkrieg. 1949 startete der Osnabrücker Autohersteller dann auch die über so viele Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit mit Volkswagen.


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