Fragwürdige Mitgliederauswahl Rassismus-Vorwürfe gegen Osnabrücker Fitnessstudio

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Es wirbt offensiv und unablässig um neue Kunden, aber darf wirklich jeder im Fitnessstudio Benefit Mitglied werden? Wer augenscheinlich nicht ins Schema passt, wird abgewiesen – in der Regel mit fadenscheinigen Begründungen. Vor allem Ausländer haben es schwer, wie ein aktuelles Beispiel aus Osnabrück zeigt. Die Geschäftsführung des Clubs bestreitet das.

Das Angebot klingt verführerisch: Trainieren an allen Tagen des Jahres im laut Eigenwerbung „größten und erfolgreichsten Studio im Osnabrücker Raum“ – und das für nicht einmal 15 Euro im Monat. Anfang Dezember greifen Serkan Yasatemur (37) aus Wallenhorst und sein Cousin Yener (40) aus Georgsmarienhütte zu. Sie verabreden ein Probetraining im Benefit-Club an der Pagenstecherstraße, füllen ein Antragsformular aus und stählen mehrmals unbehelligt ihre Körper. Als die beiden sich gut eine Woche später im Studio erkundigen, wie es sich denn jetzt mit der Mitgliedschaft verhalte, dauert es nicht lange, bis den Männern zwei Briefe ins Haus flattern. Absender ist jeweils die Verwaltung der Benefit Fitness & Wellness KG in Oldenburg.

Beharrliches Schweigen

„Aufgrund der aktuellen Mitgliedersituation konnten wir Sie leider nicht berücksichtigen“, heißt es in den knappen Ablehnungsschreiben vom 12. Dezember 2013. Eine schwammige Erklärung, mit der sich die Cousins nicht zufrieden geben. Doch eine andere gibt es nicht. „Auf meine E-Mails bekomme ich keine Antwort, meine Anrufe werden ignoriert“, schildert Serkan Yasatemur seine vergeblichen Versuche, Kontakt zu den Verantwortlichen aufzunehmen und den „wahren Grund“ für die Ablehnung zu erfahren. Selbst auf ein Einschreiben vom 10. Januar habe die Geschäftsleitung bislang nicht reagiert. Das beharrliche Schweigen nährt den Verdacht der beiden türkischstämmigen Männer, die verweigerte Aufnahme habe mit ihrer Herkunft und ihrem Aussehen zu tun: dunkle Haare, dunkle Augen – dunkle Haut. Ein Typ, wie er im Benefit nicht oft anzutreffen sei. Doch dass es dort „auffällig wenig Ausländer“ gebe, sei den beiden Abgewiesenen erst im Nachhinein klar geworden.

„So aussortiert zu werden tut weh, das ist ein Schlag ins Gesicht“, sagt Serkan Yasatemur. Er, der selbst einen internationalen und multikulturellen Boxclub in Osnabrück führte, wirft dem Fitnessclub eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ vor. Sein Cousin Yener Yasatemur spricht sogar von „Rassentrennung“. Und auch in Kommentaren auf der Facebook-Seite von Benefit fällt das Wort „Rassismus“, wenn sich etwa ein russischer Interessent aus Hannover über eine wiederholte Zurückweisung beklagt, die im Wortlaut sehr der von den Yasatemurs ähnelt.

In der Tat bleibt offen, was das Benefit in seinen offenbar standardisierten Ablehnungsschreiben mit „aktueller Mitgliedersituation“ meint. Auch auf Nachfrage der Neuen Osnabrücker Zeitung wollte die Geschäftsleitung dies nicht näher erläutern. Mit Verweis auf „sensible Betriebsinterna“ blieb sie noch weitere Antworten schuldig – etwa auf Fragen nach Mitgliederzahlen, Aufnahmebedingungen und Ausländeranteil. Dafür reden andere.

Ex-Mitarbeiter packen aus

Die Auswahl von Kunden bei Benefit habe seit Anfang an Methode, und die sei von der Geschäftsführung vorgegeben, berichten uns übereinstimmend mehrere ehemalige Benefit-Angestellte. Es gebe einen Katalog von Kriterien, anhand derer die Interessenten „schon beim ersten Termin“ unauffällig vom zuständigen Personal geprüft würden. Gewollt seien „hübsche Frauen und Männer“, sagt ein Ex-Trainer. Benefit selbst nennt das in seinen Werbeanzeigen ein „angenehmes Publikum“. Wer also laut Insidern „extrem tätowiert oder gepierct“ sei oder nur ungepflegt wirke, habe keine Aussicht auf Aufnahme. Gleiches gelte für Bodybuilder und andere Muskelprotze. „Und wer ausländisch aussieht oder nur gebrochen Deutsch spricht, wird grundsätzlich abgelehnt.“

Mitarbeiter seien gehalten, die Mitgliedsanträge von Bewerbern, die durchs Raster fallen, besonders zu kennzeichnen – etwa mit einem „W“ für Warteliste. Das sei das verabredete Zeichen für die Verwaltung, dem Interessenten eine schriftliche Absage zu erteilen. „Selbstverständlich ohne Durchschlag ihres Formulars.“ Hake mal ein Kunde nach wie im Fall Yasatemur, schalte „das Büro“ auf stur. Nur um den Anschein zu wahren, heißt es weiter, würde der Fitnessclub gelegentlich solchen Bewerbern die Mitgliedschaft gewähren, „die nicht typisch deutsch aussehen“. Nach NOZ-Informationen liegt der Ausländeranteil bei Benefit in Osnabrück bei „fünf, maximal zehn Prozent“.

Wie die Recherchen unserer Zeitung weiter ergaben, kontrollieren die Geschäftsführer persönlich die Einhaltung ihrer Vorgaben. Bei ihren regelmäßigen Rundreisen durch die Studios mischten sie sich unter die Trainierenden, um missliebige Kunden aufzuspüren und im Zweifel nachträglich loszuwerden. Die Kündigung unter Vorwand würden sie dann dem verantwortlichen Trainer überlassen. „Das ist unangenehm – ich habe das nicht gern gemacht“, berichtet ein Insider. Doch die hohen Provisionen, die Benefit besonders für Vertragsabschlüsse zahle, hätten ihn und so manchen anderen Mitarbeiter „mit Dollarzeichen in den Augen“ dazu verleitet, die „klaren Anweisungen“ der Chefs nicht so genau zu nehmen und Mitglieder mit „unpassendem Profil“ aufzunehmen. Wen das Gewissen plage, der müsse sich eben einen anderen Job suchen, habe es geheißen.

„Diese Form der Mitgliederauswahl ist ungerecht, absolut diskriminierend und in gewisser Weise rassistisch“, fasst ein Ex-Angestellter zusammen. In Osnabrück sei Benefit diesbezüglich ein schwarzes Schaf. Von anderen Fitnessstudios in der Stadt sei ein solches Verhalten nicht bekannt, berichten mehrere Quellen gleichlautend.

Geschäftsführung widerspricht

Die Benefit-Chefetage streitet jeden Vorwurf der Diskriminierung ab. Schriftlich teilt Geschäftsführer Alexander Barkowski der Neuen OZ mit: „Bezüglich einer angeblich verweigerten Mitgliedschaft eines dunkelhäutigen Interessenten möchten wir nur anmerken, dass wir weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft einem Interessenten aufgrund seiner Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Geschlecht eine Aufnahme verweigert haben oder werden. Wir distanzieren uns in aller Deutlichkeit von jeglicher Form der Diskriminierung.“


Das Fitnessstudio Benefit an der Pagenstecherstraße in Osnabrück (Stadtteil Hafen) wurde am 31. Oktober 2009 eröffnet. Es ist eine von vier Niederlassungen der 2007 gegründeten Benefit Fitness & Wellness KG mit Sitz in Petersfehn. Weitere Studios befinden sich in Oldenburg und Hannover. Das Geschäftskonzept beruht auf einer Niedrigpreis-Strategie. Mit Monatsbeiträgen, die je nach Aktion zum Teil weit unter 20 Euro liegen, lockt Benefit in Osnabrück zahlreiche Interessenten an. Insider gehen deshalb heute von etwa 5000 zahlenden Kunden aus. Damit gehört Benefit zu den mitgliederstärksten Fitnessstudios in Osnabrück. Mit einer Trainingsfläche von 3000 Quadratmetern zählt es auch zu den größten.

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