Neues Wohngebiet entsteht Osnabrück: Abbruch der Kaserne in Atter beginnt

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Osnabrück. Auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne an der Landwehrstraße in Atter rollen jetzt die Abrissbagger an. In den kommenden Monaten machen sie einen Großteil der 70 Gebäude dem Erdboden gleich. Dann entsteht aus dem 2008 aufgegebenen Hauptquartier der britischen Streitkräfte ein abwechslungsreiches Wohngebiet mit vielen Bäumen und Wiesen.

Mit einer Fläche von 37 Hektar ist die vormals zweitgrößte Kaserne im Stadtgebiet kaum kleiner als der Vatikan. Platz genug jedenfalls für die „Grüne Mitte Eversheide“ , wie das Konversionsprojekt im Nordosten Osnabrücks von den Siegern eines Planungswettbewerbs getauft wurde. Vorgesehen sind demnach im größten städtischen Baugebiet seit Jahrzehnten Geschossbauten ebenso wie Doppelhäuser und frei stehende Einfamilienhäuser – in der Summe zwischen 400 und 650 Wohneinheiten. Herzstück der Siedlung wird ein lang gezogener, rechteckiger Park.

„Wir sehen hier ein großes Potenzial für die Stadtentwicklung“, sagte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert zum offiziellen Start des Rückbaus am Montag. Das Wohngebiet, das sich naturnah zwischen Gut Leye und Rubbenbruchsee einfügt, soll einmal 1200 Bürgern eine Bleibe geben. Ein willkommener Zuwachs eingedenk des vom Stadtoberhaupt formulierten Ziels, die Einwohnerzahl Osnabrücks (aktuell 157.000) bis zum Jahr 2020 auf 165.000 zu steigern. Griesert: „Hier wächst die Stadt, ohne größer zu werden.“

Den in fünf Abschnitte gegliederten Abbruch erledigt die Firma Moß aus Lingen. Sie hat einige Erfahrung mit dem Rückbau von Kasernen in Osnabrück: Schon bei der Scharnhorstkaserne und der Winkelhausenkaserne setzte die Stadt in Teilen auf die Dienste des Spezialisten aus dem Emsland. Auf dem ehemaligen Militärgelände an der Landwehrstraße würden sich in den kommenden Wochen mehr als 130.000 Tonnen Abbruchmaterial oder umgerechnet 5200 Lkw-Ladungen ansammeln, rechnete Bauleiter Stefan Feldmann vor. Zwei Drittel davon sei Bauschutt, der zu 95 Prozent wiederverwertet werde – beispielsweise zum Unterfüttern von Straßen oder großen Hochbauten.

Grundstücke unter 100.000 Euro

Bis zum Herbst sollen alle Baracken und Hallen, die als nicht erhaltenswert eingestuft wurden, verschwunden und die überwiegend zubetonierten Flächen abgeräumt sein. Mit einem rechtskräftigen Bebauungsplan wird Anfang 2015 gerechnet, danach soll die Vermarktung beginnen. Doch schon jetzt gebe es „jede Menge Interessenten“ für die entstehenden Grundstücke, sagte Marcel Haselof, Projektleiter der Energieservice Osnabrück GmbH (Esos). Die 100-prozentige Stadtwerke-Tochter ist gemeinsam mit der Stadt Osnabrück Eigentümerin des Kasernengeländes und auch mit der Erschließung beauftragt. Die „Grüne Mitte Eversheide“ soll besonders für junge Familien mit einem schmalen Geldbeutel attraktiv sein. Wie Haselof unserer Zeitung auf Nachfrage sagte, werde ein Kaufpreis von „maximal 200 Euro“ für den voll erschlossenen Quadratmeter angestrebt. Bei üblichen Parzellengrößen zwischen 400 und 500 Quadratmeter würde ein Grundstück, das sich zur Bebauung mit einem Einfamilienhaus eignet, folglich etwa 80.000 bis 100.000 Euro kosten.

Diese Kalkulation sei allerdings auch vom Verlauf des Rückbaus abhängig, erklärte Haselof. Die unvorhergesehene Beseitigung von Altlasten beispielsweise könnte am Ende zu höheren Kaufpreisen führen. Schon jetzt sei klar, dass Benzin- und Dieseltanks im Erdreich schlummerten, deren Dichtigkeit erst noch geprüft werden muss. Auch rund um den Schießstand seien Schwermetallrückstände im Boden zu erwarten.


Im Stadtgebiet von Osnabrück gibt es insgesamt sechs Kasernenareale mit einer Gesamtfläche von etwa 160 Hektar. Einige Standorte waren ehemalige Wehrmachtskasernen und wurden von den britischen Streitkräften nach Ende des Zweiten Weltkrieges übernommen. Während die Kaserne am Limberg (ehemals Mercer-Imphal-Barracks) im Stadtteil Dodesheide und die Kaserne an der Landwehrstraße (ehemals Quebec Barracks) im Stadtteil Atter sich eher am Stadtrand befinden, liegen die Standorte der Winkelhausenkaserne (ehemals Roberts Barracks) und die Von-Stein- (ehemals Woolwich Barracks), Metzer- (ehemals Prestatyn Barracks) und Scharnhorst Kaserne (ehemals Belfast Barracks) am Nordhang des Westerbergs zentrumsnah.

Es soll das größte Baugebiet seit Jahrzehnten werden: Auf dem Kasernengelände an der Landwehrstraße will die Stadt Osnabrück jungen Familien mit schmalem Geldbeutel die Chance eröffnen, ihren Traum vom eigenen Häuschen zu verwirklichen.

Im Stadtteil Atter lag das Hauptquartier der britischen Streitkräfte. Mit 37 Hektar war die Kaserne an der Landwehrstraße (ehemals Quebec-Barracks) nach Angaben der Stadt der zweitgrößte Kasernenstandort der britischen Streitkräfte in Osnabrück. Die Kaserne wurde im April 1941 als „Lager Eversburg“ errichtet, diente allerdings überwiegend zur Unterbringung serbischer Kriegsgefangener. Am 6. Dezember 1944 gab es während eines schweren Bombenangriffs zahlreiche Opfer unter den Gefangenen, zu deren Gedenken heute noch ein Denkmal auf dem Eversburger Friedhof steht. Die meisten Überlebenden blieben in Osnabrück und gründeten die heutige Serbisch-Orthodoxe Kirchengemeinde in Eversburg. Die Kaserne an der Landwehrstraße wurde am 25. September 2008 übergeben. Osnabrücker Sportvereine nutzen gegenwärtig die Sporthalle sowie einen Kunstrasenplatz. Sie sollen erhalten und in das neue Wohngebiet eingebunden werden, ebenso die mehrgeschossigen Unterkünfte jüngeren Datums. Stehen bleiben wird auf jeden Fall auch die denkmalgeschützte Baracke 35, ein Wachgebäude am Eingang Landwehrstraße.

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