Keine unbeschwerten Klassenfotos Internet: Bilder fordern die Sorgfaltspflicht der Schulen

Ein Teil der Klasse bleibt anonym.Dieses Foto wurde mit freundlicher Unterstützung der Osnabrücker Domschule extra für diesen Beitrag aufgenommen und entsprechend grafisch bearbeitet. Foto: Jörn Martens/Grafik: Sascha NabrotzkyEin Teil der Klasse bleibt anonym.Dieses Foto wurde mit freundlicher Unterstützung der Osnabrücker Domschule extra für diesen Beitrag aufgenommen und entsprechend grafisch bearbeitet. Foto: Jörn Martens/Grafik: Sascha Nabrotzky

Osnabrück. Fotos sind zu einem heiklen Thema geworden. Vor allem dann, wenn es um Schülerbilder geht, die auf der Internetseite, in Jahresheften oder in der örtlichen Zeitung veröffentlicht werden sollen. Für jedes Kind muss einzeln geprüft werden: Sind die Eltern einverstanden oder nicht? Wie gehen Osnabrücker Schulen mit diesem mittlerweile sehr sensiblen Thema um?

„Das hat ganz stark mit dem Internet zu tun“, sagt Georg Jansen-Wätjen, Rektor der Elisabethschule, zu der Frage, ob ein Kind auf einem Foto zu sehen sein darf oder nicht. Eine Veränderung im Zeitgeist, die wohl eng mit Ängsten, Sorgen und Kontrollverlust verknüpft ist. „Durch das Netz bewegt man sich aus dem übersichtlichen Feld hinaus“, so Jansen-Wätjen. Wenn die Schule früher ein Jahresheft herausgegeben hat oder die Lokalzeitung für den Vorlesewettbewerb vorbeikam, war das kein Problem. Da wurden Fotos gemacht, die wurden gedruckt und landeten am nächsten Tag im Briefkasten der Leser. Aber nicht in der Welt. Genau das ist heute anders.

Was Eltern und Lehrern Angst macht: Bilder, die einmal im Internet sind, können kinderleicht für andere Zwecke verwendet oder auch missbraucht werden. „Das wird als Kontrollverlust empfunden“, sagt Schulleiter Jansen-Wätjen. Früher habe man wenigstens psychologisch das Gefühl gehabt, dass die Bilddaten und Informationen in der Region blieben. Doch im Internet hat der Zaun der Region keine Bedeutung mehr.

Trotz aller Ängste dürfe man nicht vergessen: „Bilder sind für die Schule von enormer Bedeutung“, betont Jansen-Wätjen. Das „bunte Schulleben“ müsse und solle nach außen getragen werden. Schon für die Außenpräsentation der Schule und auch für die Schüler selbst. „Für Kinder ist es toll, sich in der Zeitung oder auf der Homepage wiederzuentdecken“, betont auch Thorsten Steinbrinker, Schulleiter der Grundschule in der Dodesheide.

Genauso wie an den meisten anderen Osnabrücker Schulen wurde auch hier auf das sensible Fotothema reagiert. Schon seit mehreren Jahren füllen Eltern bei der Schulanmeldung ihrer Kinder gleich ein Formular aus, in dem sie sich entweder bereit erklären, dass ihr Kind auf Bildern zu sehen ist, oder nicht. „Ich sage den Eltern zu, dass kein Bild des Kindes in Kombination mit seinem vollen Namen veröffentlicht wird“, sagt Steinbrinker. Es solle nicht die Möglichkeit bestehen, dass Kinder auf der Straße von Dritten mit ihrem Namen angesprochen werden. „Die Schule hat auch eine Schutzpflicht“, so der Schulleiter. Die große Mehrheit der Eltern sei vor diesem Hintergrund mit einer anonymen Fotoveröffentlichung ihrer Kinder einverstanden. Doch etwa 15 Prozent entscheiden sich nach Steinbrinkers Angaben dagegen. „Die Kinder können dann oft nicht verstehen, wenn wir ihr Gesicht auf Klassenfotos verwischen“, sagt Steinbrinker. Bei Pressebesuchen ist es für diese Kinder nichts anderes: Während ihre Mitschüler für ein Zeitungsfoto abgelichtet werden, stehen sie außen vor und fragen warum. Vor allem für sehr junge Kinder ist dies eine schwierige Situation. Aber die Entscheidung liegt eben individuell bei den Erziehungsberechtigten.

Thorsten Steinbrinker betont, dass es für die Schule in diesem Kontext wichtig ist, zweierlei im Blick zu behalten: den Schutz für die Kinder, aber auch die Möglichkeiten der Identitätsfindung, die eben auch über Fotos stattfindet.

Auch an weiterführenden Schulen wie beispielsweise der Angelaschule wird gleich bei der Anmeldung flächendeckend abgefragt, ob Kinder auf Bildern zu sehen sein dürfen. „Wir haben dazu einen eigenen Absatz formuliert, in dem wir das Thema durchaus werbend erklären“, sagt Karl Große Kracht, Schulleiter des Gymnasiums. Werbend deshalb, weil Schüler sich in aller Regel freuen, wenn sie sich wiederfinden. „Wir passen durchaus darauf auf, dass niemand so abgebildet wird, wie es schaden könnte“, so Große Kracht. Die Einverständniserklärung betrifft die Verwendung von Schulbildern für das Jahresheft „Angela Aktuell“ oder die schuleigene Internetseite. Kündigen sich Zeitung oder Fernsehen an, wird erneut abgefragt. „Das Thema ist seit etwa drei Jahren virulent“, sagt Große Kracht. Jedoch könne er mindestens für seine Schule sagen, dass es kein Problemthema sei. „Eher ein Thema, das Sensibilität erfordert.“

So sieht es auch Markus Gerling, Schulleiter der Möser-Realschule: „Wir müssen da als Schule vorbildhaft sein.“ Auch hier wird Eltern zugesichert, dass ihre Kinder nicht in Kombination mit ihrem vollen Namen abgebildet werden. „Fotos beleben das Geschäft, wir versuchen aber, möglichst wenige Spuren zu hinterlassen.“


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