Menschen 2014 Andreas Kühn kämpft gegen die Westumgehung

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Der Sprecher der Initiative Stopp Westumgehung will das Bewusstsein der Bürger ändern. Foto: Jörn MartensDer Sprecher der Initiative Stopp Westumgehung will das Bewusstsein der Bürger ändern. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Andreas Kühn will den Bau der „Westumgehung“ verhindern. Besser gesagt: Er will die Straße durch eine Bewusstseinsänderung überflüssig machen. „Man muss nicht mit dem Auto Brötchen holen“, sagt der Sprecher der Initiative Stopp Westumgehung.

Der 59-jährige Diplom-Psychologe und Unternehmensberater verhehlt nicht, dass die Menschen an der heutigen Westachse Sedanstraße - Gluckstraße - Mozartstraße schwer belastet sind. Er kann deren Argumente für den Bau der Weststraße „gut nachvollziehen“ und spricht sich auch für eine Entlastung dieser Straßen aus. Aber, und bei diesen Worten lehnt er sich vor: „Eine Straße zu bauen ist die einfachste Lösung, aber ganz sicher nicht die beste.“ Die Stadt greife damit auf überkommene Rezepte zurück, auf Ideen einer autogerechten Stadt. „Wir wollen nicht der Bequemlichkeit Vorschub leisten“, sagt er. Stattdessen brauche Osnabrück Mobilitätskonzepte, die die Nutzung des Autos überflüssig machten. Kühn macht es selbst vor. In der Stadt bewegt er sich fast ausschließlich mit dem Rad, dienstliche Termine außerhalb Osnabrücks erreicht er mit der Bahn. Und wenn‘s denn doch mal sein muss, kann er das Auto seiner Frau nutzen.

Andreas Kühn ist in Bremen aufgewachsen, die Zentralstelle zur Vergabe der Studienplätze (ZVS) schickte ihn nach Osnabrück. Er begann die Stadt zulieben, wurde hier sesshaft, zog 1999 mit seiner Familie an die Wilhelmstraße. Seit 2001 ist er im Vorstand der Initiative Stopp Westumgehung aktiv. Der Psychologe leitet die Deutschland-Filiale einer französischen Beratungsfirma. Sein Job ist es unter anderem, Führungskräfte in ganz Deutschland im Konfliktmanagement zu trainieren. Diese Erfahrungen und Kenntnisse könne er im Streit um die Westumgehung gut einsetzen, um eine sachliche, faire und von gegenseitigem Respekt geprägte Auseinandersetzung zu erreichen. Einen Konflikt scheut er nicht, denn: „Konflikte können sehr produktiv sein.“ Auch im Straßenstreit steckt nach seiner Ansicht viel Produktivität – wenn es nämlich gelänge, damit das Bewusstsein für eine andere Mobilität zu schärfen und Verhalten zu ändern. Siehe Brötchen-Fahrt.

Es wäre nach seiner Meinung auch schon viel gewonnen, wenn die Autofahrer auf der Gluckstraße und deren Verlängerung langsamer und rücksichtsvoller fahren würden. Wer dort, wie vorgeschrieben, mit Tempo 30 unterwegs sei, werde meist von eiligen Fahrern überholt. Mit einer Verkehrsberuhigung, die solche Raserei verhindere, wäre schon viel gewonnen.

Kühn spricht immer von der Westumgehung. Andere Bezeichnungen, vor allem die „Entlastungsstraße West“, empfindet er als „beschönigend“. Die Straße werde nicht entlasten, sondern belasten, da sie nach seiner Einschätzung „die Lastwagen von der Autobahn in die Stadt holt“. Bald würden aus den prognostizierten 16000 Fahrzeuge täglich 18000 werden. Kühns Befürchtung: „Irgendwann geht die Diskussion los, ob die Straße nicht vierspurig werden muss.“

In den Siebzigerjahren gab es solche Pläne schon mal. Damals, sagt Kühn, hätte die Straße gebaut werden können, weil die Stadt noch nicht so weit gewachsen war. Heute würde sie Wohngebiete berühren und ein Naherholungsgebiet beschädigen. „Ist der Rubbenbruchsee danach überhaupt noch ein Naherholungsgebiet?“ Eine rhetorische Frage. Die Antwort liegt für Kühn auf der Hand. Auch der Silvesterlauf würde durch die Westumgehung „kaputtgemacht“.

Kühn äußert Sorgen und Befürchtungen. In der Abwägung der Nach- und Vorteile der Straße, überwiegt für ihn das Negative. Er zieht einen Vergleich: Kein Arzt würde ein Medikament verabreichen, wenn die Nebenwirkungen schwerwiegender wären als der heilende Effekt. Warum sollte die Stadt also das Problem Gluckstraße lösen, um an anderer Stelle schlimmere schaffen? Für die Erschließung des Wissenschafts- und Wohnparks in der ehemaligen Kaserne werde die Westumgehung gar nicht benötigt, meint Kühn. Die Zufahrt werde über den bereits beschlossenen Nordabschnitt zwischen Natruper Straße und Sedanstraße ermöglicht.

Sorgen beschleichen ihn auch beim Thema Kosten. Die von der Stadt genannte Zahl von 9,9 Millionen Euro nennt er einen „Discountpreis“. Unrealistisch. Die Wahrheit werde wohl doppelt oder dreifach höher liegen, schätzt er. Also bei 20, 30 oder 40 Millionen Euro. So schlimm wie der Elbphilharmonie oder beim Flughafen Berlin-Brandenburg müsse es ja nicht kommen. Aber, na ja, wer wisse das schon?


Konzert: Die Gegner der Westumgehung bekommen musikalische Unterstützung. Am Donnerstag, 30. Januar, um 20 Uhr findet im Blue Note (Cinema-Arthouse) ein Benefizkonzert zugunsten der Bürgerinitiative zum Erhalt und zur Pflege des westlichen Naherholungsgebietes Osnabrücks (BEPO) statt. Mitwirkende sind Tommy Schneller, Toscho Todorovic, Ombre di Luci, Christopher Wasmuth und Allan Ware. Karten gibt es im Vorverkauf für 20 Euro im Cinema-Arthouse. Weitere Informationen unter www.facebook.com/StoppWestumgehung.

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