Unverkrampft und sarkastisch „Hannas Reise“ von Julia von Heinz

Von Reinhard Westendorf

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Osnabrück. Einen derart unverkrampften und sarkastisch-frechen Spielfilm im Schatten des Holocaust gab es selten, noch dazu in deutschisraelischer Ko-Produktion

Für die ehrgeizige BWL-Studentin (sehr überzeugend: Karoline Schuch in ihrer erste Kinohauptrolle) ist die deutsch-jüdische Vergangenheit längst abgearbeitet und bewältigt. Mama Uta ( Suzanne von Borsody ), zu der sie kaum noch Kontakt hat, befasst sich hingegen als Mitarbeiterin von „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ professionell damit.

Und so möchte die karrierebeflissene Tochter bei ihr eine Praktika-Bescheinigung erschleichen, da ihr bei einer lukrativen Job-Bewerbung noch der Nachweis von sozialer Kompetenz fehlt. Als die Mutter dies verweigert, reist Hanna widerwillig von Berlin nach Tel Aviv, um dort in einem Behindertenheim ihren „Friedensdienst“ zu absolvieren.

„Was mit Juden kommt immer gut, mit behinderten Juden gleich doppelt“, spricht sie den Eigennutz ihres Engagements ganz unverhohlen aus. Wenn sie so ehrlich wären wie der renitente Rotschopf, sind letztlich auch Hannas friedensbewegte WG-Mitbewohner Carsten und Maja vornehmlich wegen ihrer Karrieren in Israel.

Trotz anfänglicher Aufmüpfigkeiten und Frotzeleien freundet sich Hanna mit dem etwa gleichaltrigen israelischen Mitarbeiter Itay ( Doron Amit) an. Obwohl sie in Berlin einen festen Freund hat, kann sie sich Itays Charme nicht entziehen. Durch ihn und den Umgang mit deutschstämmigen Juden aus dem integrierten Altenheim erfährt Hanna, dass man auch als junger Mensch „nicht bei null anfangen kann“ und die Vergangenheit – sowohl im gesellschaftlichen wie im privaten Bereich – immer gegenwärtig ist.

„Es bleibt kompliziert“, beschreibt Itay am Ende nicht nur treffend die Beziehung zwischen ihm und Hanna, sondern auch allgemein das deutsch-israelische Verhältnis. Umso unkomplizierter und frischer präsentiert sich hingegen die wagemutige Inszenierung von Regisseurin und Co-Autorin Julia von Heinz (frei nach Motiven aus Theresa Bäuerleins Roman „Das war der gute Teil des Tages“).

Einen derart unverkrampften und sarkastisch-frechen Spielfilm im Schatten des Holocaust gab es selten, noch dazu in deutschisraelischer Ko-Produktion.

Hannas Reise. D/ Israel 2013, R: Julia von Heinz. D: Karoline Schuch, Doron Amit, Lore Richter, Max Mauff; 100 Min., ohne Altersbeschränkung. Cinema-Arthouse.


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