Zur Arbeit in New York Osnabrückerin zeigt Fotografien im Museum Industriekultur

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Echte Typen: Mit einer Hasselblad-Kamera fotografierte die Osnabrückerin Kristin Petersmann Bauarbeiter in New York. Zu sehen sind 30 der Fotografien ab Sonntag im Museum Industriekultur. Foto: Gert WestdörpEchte Typen: Mit einer Hasselblad-Kamera fotografierte die Osnabrückerin Kristin Petersmann Bauarbeiter in New York. Zu sehen sind 30 der Fotografien ab Sonntag im Museum Industriekultur. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Baustellen gehören zum Stadtbild dazu. Doch Aufmerksamkeit erregen sie zumeist nur, wenn sie zu teuer sind oder zu Staus und Umleitungen führen. Eine Ausstellung im Museum Industriekultur ändert das ab Sonntag auf besondere Weise. Sie zeigt Porträts von Bauarbeitern in New York.

Was für Typen! Der eine lehnt in einem Türrahmen im Stadtteil Tribeca. Bis zum Handgelenk sind seine Arme tätowiert. Den Staubschutz auf seinen Helm geschoben, blinzelt er etwas müde in die Kamera. Ein rundlicher Kollege gönnt sich breitbeinig eine Zigarrenpause auf einem Mäuerchen in Williamsburg. Und dann ist da der Mann mit der Axt. Mit schwarzer Wollmütze, dunkler Sonnenbrille und üppigem Vollbart scheint er nicht gerade dazu einzuladen, angesprochen zu werden. Die Axt lässig an der Schulter, den Helm in der Hand, erholt er sich von seinem Job am Ground Zero.

Hier befindet sich eine der größten Baustellen der Welt, nachdem Terroristen am 11. September 2001 mit ihren Flugzeugen in die Twintowers gerast waren und etwa 3000 Menschen in den Tod gerissen hatten. „Es ist wichtig, diesen Prozess dort festzuhalten. Es ist eine einmalige Sache, die dort gebaut wird“, meint Kristin Petersmann kurz vor der Eröffnung ihrer ersten Ausstellung.

Die 22-jährige Osnabrückerin lebt der Liebe wegen seit 2011 in Big Apple. Neben ihrem Mathe-Studium hat sie dort Fotokurse belegt, eine ihrer Fotografien war in einer Galerie gezeigt worden. Bei einem Besuch in der Heimat hat die junge Fotografin mit dem Direktor des Museums Industriekultur, Rolf Spilker, über ihre ersten Erfahrungen mit einer Kamera gesprochen.

Das Museum verfügt über eine Sammlung historischer Fotoapparate. Darunter sind auch Modelle der nicht ganz so betagten Marke Hasselblad. Mit einer dieser schwedischen Mittelformatkameras war die erste Mondlandung im Juni 1969 fotografiert worden.

Mit einem ähnlichen Modell machte sich Kristin Petersmann im Jahr 2012 mehrere Monate lang auf Motivsuche in New York. Ihre Aufgabe: Bilder zum Thema Arbeit zu schießen, ganz so, wie es zum Industrie-Museum passt. In einem ersten Versuch hielt Petersmann Industriegebäude fest. So fotografierte sie die Kläranlage in Greenpoint, Brooklyn. Hinter den Faulbehältern zieht die berühmte Skyline mit dem Empire State Building den Blick auf sich.

„Manchmal hat man auch als erwachsener Mensch eine kindliche Freude“, beschreibt Rolf Spilker den Moment, als er die erste Sendung mit Fotos von Petersmann öffnete. Sie hatte die Papierbilder eingescannt.

Später widmete sie sich den Bauarbeitern. Sie tun alle: nichts. Die Vorschriften der Gewerkschaft verhinderten, dass Kristin Petersmann die Arbeiter auf dem Bau ablichten konnte. So näherte sie sich ihnen in der Pause. Jetzt sind 30 Bilder am Piesberg zu sehen. Und was empfindet Kristin Petersmann? „Es ist schwer, nach einer Hasselblad zur Digitalfotografie zurück zu kehren“, sagt sie. Damit es nicht bei digitalen Aufnahmen bleibt, will sie sich in Kürze für einen Kurs zur Nutzung von Dunkelkammern anmelden.

Die Ausstellung „...was man sieht“ öffnet am Sonntag, 26. Januar, um 11 Uhr im Haseschachtgebäude, Fürstenauer Weg 171. Zur Einführung wird Christoph Dahlhausen, University Melbourne, sprechen. Zur Ausstellung, die bis zum 16. März zu sehen sein wird, ist ein Katalog erschienen.


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