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1200 Gäste Osnabrücker Mahlzeit: Töpfer ist neuer Grünkohlkönig


Osnabrück. Der ehemalige Bundesminister Klaus Töpfer ist am Freitagabend zum 59. Osnabrücker Grünkohlkönig gekürt worden. Der 73-Jährige übernahm unter dem Jubel von über 1200 Gästen der Osnabrücker Mahlzeit das Amt von Norbert Winkeljohann aus Osnabrück.

Töpfer wurde auf Vorschlag des Vorsitzenden des Verkehrsvereins, Hans-Jürgen Fip, in das höchste Grünkohl-Amt der Region gewählt. Töpfer ist ständig in Osnabrück: Die Familie seines Sohnes lebt hier, seine drei Enkel wurden in Osnabrück geboren.

Der Ex-Minister besaß bis Freitagabend 32 Preise, Orden, Ehrenbürgerschaften oder Doktorhüte. Die 33. Ehrung aber überstrahlt das alles: Töpfer ist der neue Osnabrücker Grünkohlkönig und Initiator eines Gipfeltreffens aller Kohl-Regenten Deutschlands in Osnabrück.

In der offiziellen Liste seiner Ehrungen fehlt allerdings ein Titel. Eine „Jugenderfahrung“ wie der ehemalige Umweltminister in seiner Antrittsrede schamhaft eingesteht: „Ich war einmal Grünkohl-KOL“ – Grünkohlkönig von Oldenburg. Da hallt ein Pfiff hallt durch die Halle. „Ich hätte jetzt auch gepfiffen,“ kontert Töpfer. Aber immerhin erreiche er jetzt die Steigerung als „Grünkohl-KOS“. Und da stelle sich die Frage, was die Steigerung von Grünkohl sei. Spontan falle ihm da Helmut Kohl ein, „aber das ist ja schon der Superlativ“.

Dass der 73-Jährige nach seinen öffentlichen Ämtern, die ihn bis nach Nairobi zu den Vereinten Nationen führten, nun als Osnabrücker Regent den Höhepunkt seiner Laufbahn erreicht, verdankt er Hans Jürgen Fip. Töpfer und der Vorsitzende des Verkehrsvereins Osnabrück kennen sich seit 1996, als Töpfer als CDU-Bundesvorstand den Oberbürgermeisterwahlkampf von Fips Kontrahenten Rainer Tenfelde unterstützte. Seither ist der Kontakt nicht abgerissen – vor allem, weil Töpfer Familie in Osnabrück hat. Sein Sohn lebt mit seiner Familie in der Friedensstadt und arbeitet bei der Bundesumweltstiftung. „Und die drei Enkelkinder haben alle als Geburtsort...“ – „Osnabrück!“ ruft eine einzelne Stimme aus der Masse der 1209 männlichen Zuhörer.

In einer „vielschichtigen Rede zwischen Philosophie und Realismus“, wie Fip danach sagen wird, schlägt Töpfer – zum Teil in Reimen – ei nen Bogen von der Schleckerpleite, über die Gier der Spekulanten, die Leistung der Grünkohl-Bauern zum Schachspiel mit dem König als zentrale Figur. Töpfer mahnt, sich wie beim Schach so auch im Leben mehr Zeit zu nehmen. Zu entschleunigen. Er greift die Spekulanten an, die an den Schulden Griechenlands verdienten und jetzt nach dem Staat rufen. Und er appelliert in Reimform an das soziale Gewissen der Gäste: „Keiner soll hungern oder frieren oder seine Würde verlieren.“ Deshalb lege er heute 1000 Euro auf den Tisch für einen guten Zweck, den der VVO-Vorsitzende bestimmen möge, wenn aus seinem Grünkohl-Volk die gleiche Summe zusammenkomme.

Die Reaktion ist verhalten. Ob es klappen wird, weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand. Ungewiss ist auch, ob eine weitere Anregung des neuen Regenten Widerhall findet: Wie wäre es, hebt Töpfer an, und nimmt den Ehrentisch der ehemaligen Grünkohlkönige in der Mitte des Saales in den Blick, „wenn es hier Osnabrück das erste Gipfeltreffen aller Grünkohlkönige Deutschlands stattfinden würde?“


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