Schulverpflegung Vision: Alle Osnabrücker Schüler sollen in der Schule essen

Mit der steigenden Zahl der Ganztagsschulen essen auch immer mehr Schüler in Osnabrück in der Schule. Zurzeit sind es täglich 2700 Jungen und Mädchen. Das Bild zeigt Schüler einer Ganztagsschule in Ostercappeln. Archiv-Foto: dpaMit der steigenden Zahl der Ganztagsschulen essen auch immer mehr Schüler in Osnabrück in der Schule. Zurzeit sind es täglich 2700 Jungen und Mädchen. Das Bild zeigt Schüler einer Ganztagsschule in Ostercappeln. Archiv-Foto: dpa

Osnabrück. Nie war die Bedeutung der Mittagsverpflegung in der Schule größer. Mit der steigenden Zahl der Ganztagsschulen essen auch immer mehr Schüler in der Schule. In Osnabrück nehmen mittlerweile täglich 2700 Schüler an der Mittagsverpflegung an städtischen Ganztagsschulen teil. Das entspricht ein Viertel der Schüler an den städtischen Ganztagsschulen und liegt nach Angaben der Stadt damit im bundesweiten Trend. Die Schuldezernentin Rita Maria Rzyski hat sogar die Vision, dass alle Schüler in der Schule essen.

Dafür hat die Stadt hat sich einiges einfallen lassen. Eine Ökotrophologin mit hauswirtschaftlichen Kenntnissen soll ab diesem Januar binnen zwei Jahren ein systematisches Qualitätsmanagement aufbauen, und ein Beirat aus dem bisherigen Arbeitskreis Mittagsverpflegung an Osnabrücker Schule wird diesen Prozess begleiten. Daran beteiligt sind neben Mitgliedern der Ratsfraktionen und der Verwaltung auch Vertreter der Hochschule, vom Gesundheitsdienst, von der Lebensmittelüberwachung, vom Stadtelternrat, von der Initiative Vegitag, von den Schulleitungen und Lehrern, von der Verbraucherzentrale Niedersachsen und von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung. Gemeinsam wollen sie herausfinden, wie sie Rzyskis Vision näher kommen können. Die Leiterin des städtischen Fachbereichs für Schule und Sport, Andrea Butke, ergänzt: „Wir wollen herausfinden, an welchen Stellschrauben wir noch drehen können. Was können wir verbessern? Vielleicht müssen wir es auch besser kommunizieren.“

In Osnabrück wird an 18 städtischen Schulstandorten Mittagsverpflegung angeboten. 14 davon werden von einem Caterer mit Speisen beliefert, an zwei Schulen werden tiefgekühlte Speisen geliefert und in den Küchen vor Ort mit frischen Zutaten angereichert. Von dieser sogenannten Mischküche hebt sich die Gesamtschule Schinkel ab, die die Speisen als einzige städtische Ganztagsschule in Osnabrück komplett in der Küche der Mensa frisch zubereitet. Daher wird diese Zubereitungsvariante auch „Frischküche“ genannt. In der Serie unserer Zeitung zur Schulverpflegung stellen wir Beispiele für diese drei Varianten vor. Zudem befragen wir eine Ökotrophologin, wie sie die Qualität der Mittagsverpflegung einschätzt und wo sie Potenzial sieht, das Mittagsessen noch schmackhafter und gesünder zu gestalten.

Die Essenspreise sind in der Stadt moderat. Schüler, die in Osnabrück wohnen, zahlen 2,20 Euro und Schüler aus dem Landkreis 2,75 Euro pro Mahlzeit, hilfsbedürftige Kinder, die aus dem Bildungs- und Teilhabepaket unterstützt werden, bezahlen 1 Euro. An fast allen Schulen geben städtische Mitarbeiter das Essen aus. Die Einnahmen aus den Verpflegungsgeldern decken in Osnabrück nicht die Kosten. 2012 standen Einnahmen von 740000 Euro Ausgaben von 801000 Euro gegenüber. 2013 rechnete die Stadt mit Einnahmen von 729000 Euro und Ausgaben von 789000 Euro, das tatsächliche Ergebnis für 2013 liegt der Stadt noch nicht vor. In diesem Jahr geht Osnabrück von Einnahmen von 770000 Euro und Ausgaben von 885000 Euro aus. In der Berechnung noch nicht enthalten sind die Kosten für das Personal, die Nutzungsentschädigung, Energie und Wasser. Der Differenzbetrag wird durch den städtischen Haushalt abgedeckt.

Anders stellt sich die Lage im Landkreis dar. In den Schulen in Trägerschaft des Landkreises variieren die Preise für ein Mittagessen von 2,90 Euro bis 3,50 Euro. Damit kann ein Mittagessen für Schüler dort um mehr als die Hälfte teurer sein als an Schulen in städtischer Trägerschaft. Das ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass der Landkreis keinen Zuschuss zum Essen bezahlt. Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff konstatiert, dass alle Betreiber der Mensen an den Gymnasien und an der Integrierten Gesamtschule Melle den Schülern „ein bezahlbares und gesundes Mittagessen anbieten können, ohne ein Verlustgeschäft zu machen“. Allerdings räumt Riepenhoff ein, dass die Betreiber keine Pacht oder Nebenkosten bezahlen müssen, dass der Landkreis die Ausstattung übernimmt und Reparaturen sowie nachträgliche Investitionen trägt. Zudem könnten die Betreiber über ein umfangreiches Snackangebot mögliche Defizite durch die Mittagsverpflegung kompensieren.

Die Osnabrücker Schuldezernentin Rzyski weist darauf hin, dass die Mittagsverpflegung auch künftig weiter an Bedeutung gewinnen wird. Sie betont, dass unter den 18 städtischen Schulstandorten, die eine Mittagsverpflegung anbieten, bislang nur sechs Grundschulen sind. Es gibt aber mehr als vier Mal so viele Grundschulen in der Stadt. Rzyski prophezeit, dass die Ganztagesbetreuung, die in den Kitas bereits angeboten wird, sich in den Grundschulen fortsetzen wird. „Der Ganztag in den Grundschulen wird dem Bedarf entsprechend ausgebaut.“ In diesem Sommer kommt mit der Grundschule Eversburg bereits die nächste Ganztagsgrundschule mit einer eigenen Mensa hinzu. Mit jeder neuen Ganztagsgrundschule und Mensa kommt die Schuldezernentin so ihrem Ziel näher, dass irgendwann alle Schüler mittags in der Schule essen können.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN