Nationalsozialisten ermordeten Max und Bertha Katz Stolperstein in Osnabrück: Zugfahrt in den Tod

Von Jann Weber

Kommenderiestraße 11: Hier lebten Max und Bertha Katz. Nationalsozialisten ermordeten das jüdische Ehepaar im Konzentrationslager Stutthof. Fotos: Michael GründelKommenderiestraße 11: Hier lebten Max und Bertha Katz. Nationalsozialisten ermordeten das jüdische Ehepaar im Konzentrationslager Stutthof. Fotos: Michael Gründel

Osnabrück. Nichts erinnert hier mehr an das Haus, in dem Max und Bertha Katz auf engstem Raum mit weiteren Juden leben mussten, bis sie verschleppt wurden – von der Kommenderiestraße 11 aus. Die Nationalsozialisten hatten ihnen seit 1933 ein Recht nach dem anderen genommen, das Zuhause, das Eigentum und 1944 schließlich das Leben. Die Gewalt hatte mit Parolen begonnen. Am Ende warteten die Massenmörder in Konzentrationslagern auf ihre Opfer.

Max Katz war Kaufmann. Mit seiner Frau Bertha lebte er in den 1930er-Jahren an der Wielandstraße 9; sie zogen für einige Zeit nach Arolsen. Nach ihrer Rückkehr zogen sie im August 1938 in die Kommenderiestraße. Im selben Jahr bereiteten die Nationalsozialisten Zwangsumsiedlungen vor. 1939 setzten sie ihr „Gesetz über die Mietverhältnisse der Juden“ um. Sie hoben Mietverträge mit Juden auf, um sie in wenigen sogenannten Judenhäusern zusammenzupferchen. Die Adressen der jüdischen Familien verschwanden.

Die Juden mussten ihre Radios und Wertgegenstände abgeben, für sie galten nun Ausgangssperren, und von 1941 an mussten sie gelbe Sterne tragen. Eine Privatsphäre gab es für sie nicht mehr. Es war die Vorstufe der Deportationen.

Im Dezember 1941 wurden mehr als 30 Juden in die Turnhalle der Pottgrabenschule getrieben – unter ihnen Max und Bertha Katz. Dann mussten sie in einen Zug steigen, der später als Bielefelder Transport bekannt wurde. Unterwegs Richtung Osten mussten immer mehr Juden einsteigen. Die Temperaturen sanken, und der Hunger nahm zu.

Max und Bertha Katz mussten in Riga aussteigen. Wie es ihnen dort erging, ist nicht überliefert. Im Oktober 1944 verschleppten Nationalsozialisten sie weiter in das Konzentrationslager Stutthof in der Nähe von Danzig und ermordeten sie dort.

Adolf Hitler hatte seine Gewaltfantasien und damit einen Albtraum für Millionen wahrgemacht. Schon in seinem Buch „Mein Kampf“ (1925/26) entwarf er seine Vorstellungen einer „jüdische Weltverschwörung“. Die Nationalsozialisten steigerten sich in einen Rassenwahn hinein, der geradezu zum Regierungsprogramm wurde und dem während des Zweiten Weltkriegs sechs Millionen europäische Juden zum Opfer fielen.


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Messingplatten in Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich europaweit mehrere Hundert Kommunen angeschlossen haben. Pate der Stolpersteine für Max und Bertha Katz ist die Institution Osnabrücker Heimatabend um Kalla Wefel. Gemeinsam mit Gunter Demnig haben sie die Schüler Artur Bulanovic, Fabian Maihöfer,Leon Mecklenburg, David Morkel und Daniel Peisler vom Berufsschulzentrum am Westerberg verlegt. Das Friedensbüro nimmt gern Hinweise zu weiteren Opfern des NS-Regimes entgegen. Die Telefonnummer lautet 0541/323-2287.

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