Textilausstellung in Osnabrück Projekt: Gebrauchte Kleidung wird neue Mode

Von Stefanie Hiekmann


Osnabrück. Aus einem alten Hemd wird eine schmucke Küchenschürze, aus einem entsorgten Herrensakko ein hübscher Damenrock und aus einer zu engen Jeans ein modischer Damenblazer. „Upcycling“ heißt der Prozess, bei dem aus alten, ausrangierten Dingen, neue Blickfänge gebastelt werden. In einem Kooperationsprojekt zwischen der gemeinnützigen GmbH Möwe und der Universität Osnabrück sind alte Textilien neu verwertet und aufgepeppt worden. Ergebnisse sind in einer Ausstellung im Forum am Dom zu sehen, die jetzt eröffnet wurde.

Schon seit drei Jahren läuft das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Qualifizierungsprojekt zur Aufarbeitung, Behandlung und Wiederverwendung von Altmaterialien in der Möwe. Das ist die deutsche Beschreibung für das zurzeit trendige Wort „Upcycling“. Ehemalige Langzeitarbeitslose werden in der Möwe an unterschiedliche Techniken der Aufarbeitung von Stoffen und Materialien herangeführt, die sie in ihrem Arbeitsalltag nach Haushaltsauflösungen und Entrümpelungen immer wieder anwenden und ausfeilen können.

So weit die Idee des Projektes, das im Zuge seiner Laufzeit immer noch weiter entwickelt wurde. „Wir haben immer ganz besonders viel Material im Bereich Kleidung, Knöpfe und Bücher“, sagt Thomas Schulke, Betriebsleiter der Möwe. Warum also nicht einen besonderen Zweig für das Upcycling und ressourcenschonende Aufarbeiten von alten Textilien einrichten? Die Idee gab den Anstoß zu einer Kooperation mit dem Fachbereich Textiles Gestalten an der Universität Osnabrück. Lehrbeauftragte haben eigene Stunden für das Qualifizierungsprojekt angeboten, in denen ehemalige Langzeitarbeitslose zusammen mit Studierenden alte, ausrangierte Kleidung zu neuen Unikaten verwandeln.

„Der Fundus der Möwe ist für uns wie eine Schatzkiste“, sagt Bärbel Schmidt, die Professorin des Studiengangs Textiles Gestalten. Allerhand verschiedene Stoffarten und Materialien standen ihren Studierenden und den Mitarbeitern der Möwe zur Verfügung, um sich nach Herzenslust, kreative, neue Schnitte dafür zu überlegen. „Das war eine ganz tolle und besondere Zusammenarbeit für beide Seiten“, betont Schmidt. Und das Gute: „Wir konnten das Projekt in den ersten drei Jahren so weit aufbauen, dass es nachhaltig ist und jetzt weiterlaufen wird“, sagt Thomas Schulke.

Sowohl die Zusammenarbeit mit der Universität werde fortgesetzt, wie auch die mit der Stadt. So haben die Mitarbeiter der Möwe beispielsweise auch alte Materialien für Workshops für den Ferienspaß aufarbeitet. Das Qualifizierungsprojekt hat sich vernetzt und das solle es nach Wunsch von Thomas Schulke auch gern weiterhin tun. Die Ausstellung der aufgearbeiteten Textilien ist noch bis zum 14. Februar im Forum am Dom zu sehen. Die Kleidungsstücke mit eigenem „Möwe-Label“ können auch erworben werden. Eine Abschlussveranstaltung zum Qualifizierungsprojekt findet bereits am Mittwoch, 22. Januar, zwischen 15 und 17.30 Uhr im Forum am Dom statt.