Zwei Anträge im Landkreis Befriedung: Wie hält man Jäger vom Grundstück fern?


Osnabrück. Was nur tun, wenn man die Jagd auf und das Töten von Tieren ablehnt? Und man die bewaffneten grün-orange gekleideten Waidmänner nicht auf dem eigenen Grund und Boden dulden will? Seit Anfang Dezember 2013 können Besitzer ihr Grundstück befrieden lassen - oder es zumindest versuchen. Beim Landkreis Osnabrück liegen bislang ein Antrag aus Hagen und ein Antrag aus Berge vor, ein Antrag aus Menslage ist angekündigt. Dem Kreis Steinfurt liegen drei Anträge vor. Bei der Stadt Osnabrück sind noch keine Befriedungs-Anträge eingegangen.

Grundstücke, die kein Eigenjagdbezirk sind, werden einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk zugeordnet. Die Besitzer gehören damit - oft ohne es zu wissen und manchmal auch, obwohl sie es nicht wollen - der Jagdgenossenschaft des Bezirkes an. Hier wird gejagt - egal, ob es dem Eigentümer passt oder nicht.

Und nicht jedem passt das. Einer der Gegner dieser Praxis ist zum Beispiel der Baden-Württemberger Günter Herrmann , der lange vergeblich versucht hat aus der Jagdgenossenschaft auszutreten. Nachdem im Dezember 2006 das Bundesverfassungsgericht noch davon ausgegangen war, dass diese Zwangsmitgliedschaften nicht verfassungswidrig sei, urteilte dann der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte 2012 im Verfahren „Herrmann gegen Deutschland“ anders: Wer Jagd aus ethischen Gründen ablehne, dürfe nicht einfach zur Duldung gezwungen werden. Günter Herrmann bekam damit zumindest teilweise recht. Und die Bundesrepublik die Auflage, das Jagdrecht entsprechend zu ändern.

Seit dem 6. Dezember ist das neue Gesetz in Kraft. Allerdings: Wer sein Grundstück „befrieden“ lassen will, muss dazu nach Paragraphen 6a bei der unteren Jagdbehörde seine Gewissensgründe glaubhaft machen.

Die Begeisterung der Jäger über das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hielt sich naturgemäß zunächst in Grenzen. Das hat sich nun geändert: Die Umsetzung des Urteils in Deutsches Recht sei „weitestgehend gelungen“, betont der Deutsche Jagdverband (DJV) immer wieder in seinen Stellungnahmen . Denn selbst, wenn die Gewissensgründe glaubhaft sind, kann ein Antrag abgelehnt werden: Zum Beispiel, wenn die Gefahr von Wildschäden auf den umliegenden Grundstücken zu groß ist, oder wenn die Bejagung des Bezirkes übermäßig erschwert würde.

Wer den Versuch einer Befriedung trotzdem wagen will: Im Osnabrücker Land ist der Antrag schriftlich beim Landkreis zu stellen. Neben persönlichen Angaben einschließlich der ethischen Gründe gehören auch Grundbuchauszüge der Eigentumsflächen, Übersichtskarte und Liegenschaftskarte der Flächen sowie eine Liste der angrenzenden Grundstückseigentümer dazu.

Und was kostet die Befriedung? Beim Landkreis wird an der Gebührenfrage noch gearbeitet. Nach dem aktuellen Stand, so die Auskunft der Pressestelle, dürften auf den Antragsteller zwischen 1000 und 2000 Euro zukommen. Offen ist auch noch, wie lange das Verfahren dauert: Der Landkreis geht von „einigen Monaten“ aus. Für die Flächen in der Stadt Osnabrück ist die Stadtverwaltung der Ansprechpartner.

Zu teuer? Der Kreis Steinfurt ist optimistisch, dass es günstiger geht: „Die Erklärung von Grundflächen zu befriedeten Bezirken ist in NRW gebührenpflichtig und richtet sich nach der Allgemeinen Verwaltungsgebührenordnung NRW. Der Gebührenrahmen beträgt derzeit 30 bis 115 Euro“, so die Auskunft der Kreisverwaltung.

Ist das Grundstück befriedet, darf dort nicht mehr gejagt werden. Es gehört zwar noch zum Jagdbezirk, der Eigentümer ist aber nicht mehr Mitglied der Jagdgenossenschaft. Damit hat er keinen Anspruch auf Ersatz von Wildschäden mehr. Das gilt auch für Pächter solcher Flächen. Zudem muss der Eigentümer eines befriedeten Grundstückes möglicherweise auch Teile der durch Wildschäden entstandenen Kosten im gemeinschaftlichen Jagdbezirk übernehmen.

Vermutlich werden sich die Gerichte noch intensiv mit der Befriedung, ihren Folgen und der Verteilung der Kosten und Gebühren beschäftigen. Möglicherweise hilft nur das, wenn man die Jagd auf und das Töten von Tieren ablehnt.


In der Stadt Osnabrück sind neben fünf Eigenjagden 22 Jagdbezirke/Jagdgenossenschaften verzeichnet und - gemessen an der Zahl der Jagdscheine - 609 Jäger aktiv. Im Landkreis sind es insgesamt 245 Jagdgenossenschaften/Jagdbezirke sowie 189 Eigenjagden. Es gibt im Kreis 4.503 Jagdberechtigte.

Zwangsmitglieder in Jagdgenossenschaften können versuchen, ihr Grundstück „befrieden“ zu lassen. Die Alternative: Wenn man schon Jagdgenosse sein muss, könnte man auch in der Jagdgenossenschaft aktiv werden.und die Dinge im Jagdbezirk mitgestalten.

Im von der unteren Jagdbehörde geführten Jagdkataster werden alle Flächen aufgelistet, die bejagt werden dürfen. Ob man zu einer Jagdgenossenschaft gehört - und falls ja, zu welcher - weiß deshalb meist die untere Jagdbehörde.

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