Menschen 2014 Daniel Bugiel: Kämpfer für Bau der West-Straße

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Gert WestdörpGert Westdörp

Osnabrück.Es liegt noch viel Arbeit vor Daniel Bugiel, bis am 25. Mai die Osnabrücker über den Bau der West-Straße entscheiden. Der Theologe kämpft für die Entlastungsstraße und will möglichst viele Wähler beim Verstand packen – mit Zahlen und Fakten.

Bugiel lässt das Fenster im Wohnzimmer auf Kipp stehen. So untermalt das Verkehrsrauschen der Gluckstraße auch unser Gespräch. Nicht penetrant um diese Zeit, vormittags um 11 Uhr. Aber vernehmbar. Als Bugiel und seine Frau vor fünf Jahren das Haus an der Ecke Gluckstraße/Sedanstraße kauften, wussten sie, was sie taten. „Aber in diesem Ausmaß haben wir es nicht erwartet“, sagt der katholische Theologe. Binnen 24 Stunden rollen im Schnitt 10000 Fahrzeuge vor seiner Haustür vorbei über die „heimliche Westumgehung“ Am Natruper Holz, Gluckstraße, Händelstraße, Mozartstraße.

Bugiel ist Sprecher von Pro-West, dem „Forum für Stadtentwicklung und angemessene Verkehrsplanung in der Weststadt e.V.“. Außerdem hat er im vergangenen Jahr mit etwa 40 Mitstreitern AVIO ins Leben gerufen, das „Aktionsbündnis Verkehrsentlastung Innenstadt Osnabrück“. In beiden Initiativen kämpft Bugiel darum, die Diskussion über die Entlastungsstraße West (wie die Befürworter sagen) oder Westumgehung (so der Sprachgebrauch der Gegner) zu versachlichen. „Straßenbau ist mit Emotionen verbunden“, sagt Bugiel. Ein grünes Feld sehe halt freundlicher aus als grauer Asphalt. Deshalb treibt ihn die Sorge an, dass viele Osnabrücker aus dem Gefühl heraus ihr Urteil über die West-Straße fällen, ohne sich auf die Fakten einzulassen.

Manche kaufen ihm das nicht ab. Er kennt das. Als Anwohner der Gluckstraße würde er vom Bau der Straße profitieren, und deshalb unterstellemn viele zunächst egoistische Ziele. Bugiel verhehlt das nicht. Natürlich habe er sich in das Thema eingearbeitet, weil er und seine Familie direkt betroffen sind. Aber, so sagt er über das Brummen eines Lkw-Motors hinweg: Wer sich etwas intensiver mit den Fakten beschäftige, werde die Notwendigkeit dieser Straße erkennen.

„Viele sehen darin nur ein Westerberg-Problem“, fährt Bugiel fort. „Genau das ist es nicht.“ Er verweist auf den Masterplan Mobilität, der der Entlastungsstraße West eine wesentliche Funktion in der gesamtstädtischen Verkehrsführung zuschreibt. „Alles ist vernetzt“, sagt er. Wenn der Neumarkt auf zwei Spuren reduziert werde, verlagerten sich Verkehrsströme auf den Wall. Der wiederum würde durch eine West-Tagente um 10 bis 15 Prozent entlastet. Die Lotter Straße würde einem Gutachten zufolge 20 Prozent weniger Verkehr haben.

Zu den Fakten, die nicht in die öffentliche Wahrnehmung dringen, gehört nach seiner Ansicht auch, dass der Nordteil einer künftigen West-Straße auf Beschluss des Rates auf jeden Fall gebaut wird. Sie wird auf einer Länge von 625 Metern die Natruper Straße mit der Sedanstraße verbinden. Geplant ist sie, wie die West-Straße, als 6,50 Meter breite Stadtstraße mit einem einseitigen Rad- und Gehweg, beidseitig von Bäumen und einem drei Meter hohen Lärmschutz gesäumt. Dieser Nordabschnitt kostet allein 3,24 Millionen Euro und dient nach offizieller Lesart zur Erschließung des Wissenschaftsparks und des Campus‘. Das heißt: In der Bürgerbefragung steht nur der zweite, 1,8 Kilometer lange Abschnitt zum Preis von 6,6, Millionen Euro zur Entscheidung. Bugiel: „Und dann muss man noch wissen, dass die Hälfte dieser Straße über die heutige Trasse am Klinikum führen soll.“

Zu den Fakten gehöre auch, dass die Entlastungsstraße zusätzlichen Verkehr anziehen werde. Bugiel referiert flüssig weiter, die Zahlen hat er parat: Dem Gutachten zufolge wird die Entlastungsstraße täglich von bis zu 16000 Fahrzeugen befahren. „Die Straße bringt Nachteile, keine Frage.“ Und dass sich die Betroffenen dagegen wehren, sei verständlich und ihr Engagement „absolut ehrenwert“. Am Ende aber müsse abgewogen werden.

Bugiel hat für sich abgewogen: „Es gibt kein auf Fakten gestütztes Gegenargument.“ Der Appell der Straßen-Gegner, neue Mobilitätskonzepte zu propagieren oder auf einen Mentalitätswechsel zu setzen, löse das Verkehrsproblem nicht – das akute und künftige. Denn wenn die ehemalige Kaserne mit Wohnungen bebaut ist, werden dort 600 bis 700 Menschen leben, die vermutlich auch Auto fahren wollen.

Bugiel ist in Bremen aufgewachsen und „sozialdemokratisch sozialisiert“, wie er sagt. Politisch ordnet sich „eher links“ ein. Von den Grünen allerdings hält er Abstand. Deren Argumentation gegen die West-Straße empfindet er als zu emotional und „undifferenziert“. Es sei schlicht falsch zu behaupten, das sei eine Straße, „die keiner braucht“.


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