Pläne für den Johannisfriedhof Ein stimmiger Ort für alle Osnabrücker zum Trauern

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Trauerarbeit zwischen Bäumen: So stellen sich Eva-Lotte Wieschenkämper, Mona Funke, Alena Riedel und Lena Thien (von links) den Ort für den Abschied vor. Foto: Marie-Luise BraunTrauerarbeit zwischen Bäumen: So stellen sich Eva-Lotte Wieschenkämper, Mona Funke, Alena Riedel und Lena Thien (von links) den Ort für den Abschied vor. Foto: Marie-Luise Braun

Osnabrück. Noch ist hier alles ruhig. So soll es auch bleiben. Ebenso dürfen Bäume, Sträucher und Grabplatten nicht entfernt oder versetzt werden. Und auch Erde wird nur wenig bewegt. Dennoch soll am Rand des Johannisfriedhofs etwas völlig Neues entstehen: Ein Ort zum Trauern. Konfessionsübergreifend, zeitgenössisch und trotzdem historisch gewachsen. Dafür haben Studierende der Hochschule Osnabrück Ideen entwickelt.

Acht Modelle und Plakate haben die angehenden Freiraumplaner jetzt in der Kapelle des alten Friedhofs vorgestellt. Dabei konnten manche von ihnen mit dem Thema zunächst nicht viel anfangen, wie Eva-Lotte Wieschenkämper erzählt. Geholfen hätten ihr und ihren Kommilitonen dabei das Seminar von Jürgen Milchert an der Hochschule und ein Vortrag: „Im Hospiz haben wir etwas über Trauerarbeit gehört“, erzählt die junge Frau zwischen alten Bäumen und Grabsteinen.

An der Idee zum Ort der Trauer wirkten einige mit. Zunächst hat das Hospiz Kontakt mit dem Service-Betrieb der Stadt aufgenommen. Die Hospiz-Mitarbeiter suchten nach einem Grundstück für einen solchen öffentlichen Ort – ein Platz zum Trauern ausschließlich für Gäste des Hospizes soll an anderer Stelle entstehen. So erläutert es Ursula Frühauf, Leiterin der Trauerbegleitung des Hospizes. Durch die Arbeit mit Trauernden weiß sie, wie sehr die Natur beim Verarbeiten von Gefühlen hilft.

Da der Johannisfriedhof in absehbarer Zeit entwidmet werden soll, sei die Wahl auf dieses Gelände gefallen, sagt Eva Güse, die Leiterin der Osnabrücker Friedhofsverwaltung. Es handelt sich dabei um etwa 5000 Quadratmeter östlich des Gräberfeldes für die Opfer des Ersten Weltkrieges. Der Ort zum Trauern sei nicht nur eine Herzensangelegenheit für sie und ihre Mitarbeiter. Es sei ihnen auch wichtig, eine dauerhafte Nutzung für den Friedhof zu finden. „Damit steht und fällt der Erhalt solch wunderbarer Flächen“, betont Eva Güse mit Blick auf ihre Kollegen von der Denkmalpflege.

1808 wurde der Johannisfriedhof angelegt, seit den 1980er Jahren steht er unter Denkmalschutz, Ende 1995 wurden hier die letzten Toten zu Grabe getragen. Im kommenden Jahr soll der Friedhof entwidmet werden. Nun soll hier ein neuer Ort für Trauerrituale, für Angebote des Hospizes und öffentliche Trauer-Veranstaltungen entstehen, erzählt Jürgen Milchert: „Das ist ein Ort für Emotionen aus 200 Jahren“, meint der Professor für Freiraumgestaltung an der Hochschule Osnabrück.

Mit all diesen Fragen haben sich Eva-Lotte Wieschenkämper, Mona Funke, Alena Riedel, Lena Thien befasst, als sich die Bachelor-Studentinnen an ihren Entwurf gemacht haben. Strenge Linien geben auf den ersten Blick die alte Einteilung dieses Friedhofteils wieder. Wege und Sitzplätze orientieren sich aber an den geschwungenen Linien einer stilisierten Mohnblume. Durch diese würden die Besucher sanft zum Schlendern angeleitet, meint Alena Riedel. Und Mohn soll hier auch wachsen, geht es nach dem Plan der jungen Studentinnen.

Ob das allerdings Wirklichkeit wird, zeigt sich Mitte Januar. Dann werden Mitarbeiter des Hospizes, des Service-Betriebs, der Denkmalpflege und der Hochschule das Konzept auswählen, nach dem der Ort der Trauer gestaltet werden soll. Dabei werden auch die Kosten eine Rolle spielen. Denn die Finanzierung des Vorhabens ist noch nicht ganz gesichert.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN