Im Einsatz für den Senegal Hilfe für Afrika mit deutscher Gründlichkeit

Von Thomas Wübker


Osnabrück. Dass der Sport Menschen verschiedener Nationalitäten und Kulturen verbindet, ist für Helmut Buschmeyer kein frommer Kalenderspruch. Der ehemalige Kreisvorsitzende des Niedersächsischen Fußball-Verbands (NFV) Kreis Osnabrück-Land ist beinahe im wörtlichen Sinne Vorreiter einer außergewöhnlichen Hilfe, die Menschen im Senegal erfahren. Am 30. Januar reist der rüstige Rentner wieder in das westafrikanische Land. Er hat zwar wieder einige Hilfsgüter und Geld im Gepäck. Ihm fehlen aber noch 2000 Euro, um ein Krankenhaus zu unterstützen.

Auf einem Sportplatz in Ueffeln begann Helmut Buschmeyers Engagement für den Senegal. Bei einer Abschiedsfeier für zwei Afrikaner, die im benachbarten Aufnahmelager gelebt hatten und wieder zurück geschickt wurden, lernte Buschmeyer Abbasse So kennen. Der Senegalese lebt und arbeitet seit 25 Jahren in Dortmund. Als der erfuhr, dass der NFV seit 1976 die Osnabrücker Werkstätten und seit 1998 eine Suppenküche und ein Kinderheim in Königsberg (heute Kaliningrad in Russland) unterstützt, fragte er frei heraus, ob der Verband nicht auch in Afrika aktiv werden wolle.

Buschmeyer ist ein Mann der Tat. Er schickte ein Rundschreiben an die Vereine im Osnabrücker Landkreis. „Innerhalb von zwei Wochen hatte ich 30 Garnituren gut erhaltener Trikots“, erzählt er. Die Leibchen wurden im Sommer 2007 verladen und in den Senegal geschickt. Davon hörte der Botschafter Senegals in Berlin. Er lud Buschmeyer in die Bundeshauptstadt ein und dazu, seine Arbeit in seinem Land vorzustellen. Buschmeyer nahm den Botschafter beim Wort. „Afrika hat mich als Kind schon gereizt“, sagt er.

Im März 2008 besuchte Buschmeyer zum ersten Mal den Senegal. Er beschreibt den Staat als friedliches Land, in dem es keine Konflikte, aber auch keine Reichtümer gebe. „Was mich fasziniert hat, war die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen“, berichtet er. Buschmeyer berichtet aber auch von Millionen schweren Brunnenprojekten, die buchstäblich versandet sind. Die Hilfe des NFV werde dagegen mit deutscher Gründlichkeit dokumentiert, so der 72-Jährige. Wenn ein Stromaggregat für ein Krankenhaus in den Senegal geschafft wird, dann wird auch ein junger Mann engagiert, der sich für 20 Euro im Monat um das Gerät kümmert, gibt Buschmeyer als Beispiel an. „Ich will da nicht als reicher Onkel auftreten.“ Dass „seine“ Projekte versanden, das werde es nicht geben, sagt er bestimmt.

Mittlerweile ist Geld in fünfstelliger Höhe in die senegalesische Region Kaolack geflossen. Die Mittel hat Buschmeyer bei der Bild-Zeitung oder der Beckenbauer-Stiftung akquiriert. Außerdem wurde der Spendenpott durch den Verkauf der Chronik „40 Jahre NFV Osnabrücker-Land“ weiter gefüllt. Dazu sind noch einige Sachspenden wie zum Beispiel Rollstühle oder Rollatoren verschifft worden.

Am wichtigsten ist Buschmeyer jedoch der persönliche Kontakt. Er erzählt von einer jungen Frau, Mitte Zwanzig, die im Rollstuhl saß und den Kopf hängen ließ. Sie wusste zunächst nichts mit dem weißhaarigen Fußball-Mann anzufangen. Der fragte sie, was sie mit ihrer Zukunft anfangen wolle. Sie antwortete, sie wolle was mit Haaren machen. Buschmeyer hakte in Osnabrück bei der Handwerkskammer nach und erhielt einen Koffer mit Frisör-Utensilien. Wenn er demnächst in Kaolack ist, kann er sich nun im Frisörsalon „Helmut“ die Haare von der jungen Frau schneiden lassen.

Bei seiner vierten Reise in den Senegal begleitet ihn seine Frau Annemarie. Sie darf sich auf eine besondere Ehre freuen. Ein Mutter-Kind-Haus in Kaolack erhält ihren Namen. „Das war der Wunsch unserer afrikanischen Freunde“, fügt Buschmeyer in aller Bescheidenheit an.

Wer mehr Informationen über die Projekte des NFV im Senegal erfahren oder helfen möchte, kann Helmut Buschmeyer unter der Nummer 05403/2616 anrufen.


Die frühere französische Kolonie Senegal hat knapp 13 Millionen Einwohner. In der Hauptstadt Dakar leben rund 2,5 Millionen Menschen. Die der Küste vorgelagerte Insel Gorée (heute Weltkulturerbe) war der Hauptumschlagsplatz im Sklavenhandel. Der Norden des Landes gehört zur Sahelzone, der Süden ist tropisch. Das Kap Verde ist der westliche Punkt Afrikas. Die Region Kaolack, in der sich Helmut Buschmeyer engagiert, liegt im Südwesten des Landes und grenzt an den schmalen Staat Gambia. Die Fußball-Nationalmannschaft Senegals erreichte bei der WM 2002 das Viertelfinale. Für Brasilien ist das Team nicht qualifiziert.

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