Der Komponist und die Liebe Concert Remarquable zu Tschaikowsky

Von Jan Kampmeier

Der russische Komponist Pjotr Iljitsch Tschaikowsky auf einer Fotografie. Foto: dpaDer russische Komponist Pjotr Iljitsch Tschaikowsky auf einer Fotografie. Foto: dpa

Osnabrück. Ein neues Concert Remarquable von Annette Krsitina Banse und Hans Christian Schmidt Banse widmete sich dem Komponieren von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky und seiner Beziehung zur Gönnerin Nadjeschda von Meck.

Osnabrück. Pjotr Iljitsch Tschaikowsky ist immer für eigenartige Geschichten gut. Wie man eine Liebesbeziehung führen kann, ohne dem Partner je zu begegnen, und wie man ein Musikstück kastrieren kann – dass konnte man im Concert Remarquable erfahren.

Über Tschaikowskys Klavierwerke rümpft man gerne die Nase, in manchen Klaviermusik-Führern taucht nicht einmal sein Name auf. Der Grund: zu salonhaft!

Das gilt für seine vielen Miniaturen, die große Sonate in G-Dur hingegen ist ein Donnerstück – und als „unförmiges Riesenbaby“ ebenfalls ein wenig verschrien.

Resolut soll der erste Satz klingen, instruiert Tschaikowsky seine Interpreten, und was haben Tastenlöwen dabei nicht auf ihre Instrumente eingedroschen!

Die zierliche Tatiana Prushinskaya , Pianistin beim Concert Remarquable im Steigenberger Hotel Remarque, tut das nicht. Sie spielt äußerst beherrscht und kontrolliert, die Tempi sind sehr gemäßigt. Ein Fortissimo erreicht sie überhaupt nie, obwohl Tschaikowsky das ständig verlangt – und nicht selten sogar noch eine Stufe mehr.

Tatiana Prushinskaya tut dem Stück damit im Grunde mehr Gewalt an als mit einem rabiateren Zugriff, denn so kastriert sie es regelrecht. Ganz wunderbar gestaltet sie zwar lyrische Abschnitte, doch die Sonate braucht einfach beide Pole.

Wunderbar sind auch die (angeblich salonhaften) Miniaturen, die sie im ersten Teil des Konzerts einstreut. Bald perlt der Anschlag brillant, bald sehr sanft und wohl dosiert, die Stimmen fließen organisch und der braune Bechstein klingt toll.

Annette Kristina Banse und ihr Mann Hans Christian Schmidt-Banse rollen unterdessen die Beziehung zwischen Tschaikowsky und seiner Gönnerin Nadjeschda von Meck auf.

Und weil das Kind ja einen Namen braucht, muss dafür der Begriff „Liebe“ herhalten, obwohl sich die beiden nie begegnet sind – wahrhaftig eine Fernbeziehung.

Es ist nicht einmal auszuschließen, dass Piotr Iljitsch Tschaikowsky hauptsächlich am Geld der Frau von Meck interessiert war, welches denn auch reichlich in seine Taschen floss. Ein „Volltreffer in der Glücksspirale“ (Annette Kristina Banse). Immerhin: 1204 Briefe haben sich die beiden geschrieben, ein reicher Schatz!

Nadjeschda von Meck bemüht das Wort Liebe allerdings auch selbst. Annette Kristina Banse kommentiert es mit den Worten: „Ganz frei von Östrogenen sind Nadjeschdas Gefühle doch nicht.“


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