Raus aus der Unterwelt Neumarkt: Tunneldeckel wird im Mai gelüftet

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Im Sommer kann die Stadt schon mal testen, wie sich eine Sperrung des Neumarktes auf den Verkehr in der Stadt auswirken würde. Der Grund: Im Mai beginnt im Tagebau der Abriss des Neumarkttunnels. Für Autos bleibt dann oben nicht mehr viel Platz.

Der Rückbau der unterirdischen Brückenkonstruktion ist eine planerische und logistische Herausforderung, die sich in dieser Größenordnung selten stellt. Die Bauverwaltung tüftelt seit Monaten an einem Konzept, in das Franz Schürings, Leiter des Fachbereichs, aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht blicken lässt. Das Thema ist sensibel, denn der Individualverkehr wird auf dem Neumarkt über Monate stark behindert sein.

Auch eine Sperrung für die Dauer der Bauarbeiten ist nicht ausgeschlossen. Denn irgendwo müssen die Bagger ja stehen, die die einen Meter dicke Betondecke abknabbern werden, irgendwo müssen die Lastwagen fahren können, die 10000 Tonnen Betonschutt fortschaffen sollen. Und irgendwie sind Wege zu schaffen, um 5000 Kubikmeter Sand und Schotter in den Tunnel kippen zu können.

Unten im Tunnel

Die Abgänge hinunter in die klamme Unterwelt sind zurzeit durch Gitter gesichert. Auf den Treppen liegen Scherben, Burger-Packungen, Dosen, Flaschen. Papierfetzen kleben auf den Stufen. Einmal die Woche rücken die Saubermänner an und beseitigen den gröbsten Schmutz aus den Zugängen. Unten steht die feucht-kalte Luft. Es riecht – nicht vermodert, sondern nach frischem Beton. Das kommt von der 19 Meter langen Stahlbetonmauer, die zum Stützen der Straße und als künftige Abbruchkante eingezogen worden ist. Die Wände sind nackt, nur an einer Ecke erinnern ein paar Kacheln an das Café, das es hier einmal gab.

Zum Abriss gibt es keine Alternative, wie Lutz Vorreyer, Bauleiter Brückenbau und Abbrucharbeiten bei der Stadt, erklärt.

Tunnel eigentlich eine Brücke

Der 50 Jahre alte Neumarkt-Tunnel ist im technischen Sinne eine Brücke. Das Gesetz schreibt vor, dass Brücken im Dreijahresrhythmus zu kontrollieren und auf Standsicherheit zu prüfen sind. Der Tunnel hätte ständig unterhalten werden müssen. Ein Millionengrab. Und eines Tages wäre das Bauwerk ohnehin „abgängig“, sagt Vorreyer.

Zehn Kilometer Stromkabel und Hunderte Meter Gas- und Wasserleitungen durchziehen das unterirdische Bauwerk. Als die Telekom noch ihre Zentrale in der Hauptpost an der Wittekindstraße hatte, brauchte sie gewaltige Kommunikationsstränge, die fast alle den Tunnel queren. „Der Wahnsinn“, sagt Vorreyer. Diese Systeme müssen schonend abgebaut und verlegt werden, bevor die Abriss-Zange und der Pressluft-Specht den Beton zerbröseln.

Dabei ist noch ungewiss, wie weit der gewaltige Presslufthammer zum Einsatz kommen kann. Denn die Gebäude ringsum – darunter das denkmalgeschützte Landgericht – müssen vor Erschütterungen so gut es geht bewahrt werden.

Kosten? Keine Aussage.

Ab Mitte des Jahres werden die Straße, der Deckel und das obere Stück der Tunnelwanne abgetragen. „Übrig bleibt ein Boot“, erklärt Franz Schürings. „Und was macht ein Boot? Es schwimmt.“ Das Neumarkt-Tunnelboot schwimme auf dem Grundwasser auf, das hier etwa 50 bis 80 Zentimeter über der Tunnelsohle steht. Deshalb wird die Wanne nach unten perforiert und verfüllt –nicht mit irgendeinem Schotter, sondern mit 5000 Tonnen gutachterlich kontrolliertem Material. Es muss schließlich unten das Wasser aufnehmen und oben die Straße tragen können.

Über die Kosten des Rückbaus wagt Vorreyer keine Aussage. Die Ausschreibung sei noch nicht fertig –und schätzen will er nicht: „Viel zu kompliziert das alles.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN