Das Exil als tödliche Falle 1945 ermordeten Nazis den Osnabrücker Juden Karl Stern


Osnabrück. Trügerische Sicherheit: Karl Stern hatte Deutschland bereits 1933 verlassen und war nach Paris gezogen. Jahrelang dürfte er sich dort sicher gefühlt haben. Doch dann kam der Krieg, und in den 1940er-Jahren verfolgten die Nationalsozialisten auch in Frankreich die Juden und verschleppten sie in Konzentrationslager. Den jungen Kaufmann aus Osnabrück ermordeten sie 1945 im Konzentrationslager Mauthausen. Er wurde nur 35 Jahre alt. Jetzt erinnert ein Stolperstein in der Großen Straße 44/55 an das Opfer des Rassenwahns.

Karl Stern war 1910 in Osnabrück auf die Welt gekommen. Er wurde Kaufmann – wie sein Vater Ludwig, der an der Großen Straße 51 gemeinsam mit den Brüdern Arthur und Gustav Blank das Kaufhaus „Max Blank & Co“ betrieb. Zu der Familie, die wenige Meter von ihrem Geschäft entfernt lebte, gehörten außerdem Karl Sterns Mutter Anni und seine jüngere Schwester Helga.

Wie Lisa Böhne vom Initiativkreis Stolpersteine herausfand, verließen die Kinder der Familie Stern Deutschland bereits, kurz nachdem Adolf Hitler die Macht übernommen hatte. Karl Stern zog 1933 im Alter von 23 Jahren nach Paris, seine Schwester ging nach London. Offenbar ahnten sie früh, dass der Hass der Nationalsozialisten ihnen gegenüber eskalieren würde. Sie gehörten damit zu den ersten Juden, die sich für die Emigration entschieden. Ihre Eltern blieben noch sechs Jahre in Osnabrück. Erst im März 1939, ein halbes Jahr vor Beginn des Zweiten Weltkriegs, zogen sie zu ihrer Tochter nach London.

In der Zwischenzeit hatten die Nationalsozialisten den Juden ein Recht nach dem anderen genommen und – auch in Osnabrück – ihre Synagoge in Brand gesteckt und abgerissen. Und es sollte noch schlimmer kommen. Während im Schatten des Krieges Juden zu Opfern von Massenmördern wurden, befanden sich Karl Sterns Schwester und Eltern in einem sicheren Exil – doch nicht er selbst.

Denn die Nationalsozialisten überfielen Frankreich und machten auch dort Jagd auf Juden. Eines ihrer Opfer wurde Karl Stern. Nach den Recherchen von Böhne wurde er in Drancy in einer alten Polizeikaserne interniert. Zwischen 1942 und 1944 verschleppten Nationalsozialisten von dort aus Juden nach Auschwitz und Sobibor in die dortigen Konzentrationslager.

Wann Karl Stern in einen der Züge steigen musste, ist nicht überliefert, jedoch, dass er nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Wie Böhne berichtet, wurde er möglicherweise mit dem Zug von Auschwitz in das Konzentrationslager im oberösterreichischen Mauthausen gebracht und gehörte zu den Gefangenen, die dort Tunnel für Munitionsfabriken bauen mussten. Böhne hält es nach ihren Recherchen auch für denkbar, dass Karl Stern 1945 zu Fuß in Mauthausen ankam, denn: Als im Januar des Jahres die sowjetische Armee näher kam, trieben Nationalsozialisten Zigtausende Gefangene des Konzentrationslagers Auschwitz auf Todesmärsche. Karl Stern kam am 22. April 1945 ums Leben – wenige Tage vor der Befreiung des Lagers. Er wurde im Alter von 35 Jahren Mordopfer der Nationalsozialisten.


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