Hilfe bei Geldproblemen Osnabrück: Viel zu tun für die Schuldnerberatung

Gemeinsam gegen Geldsorgen: Schuldnerberater Ralf Krons vom SKM berät überschuldete Menschen.Foto: Gert WestdörpGemeinsam gegen Geldsorgen: Schuldnerberater Ralf Krons vom SKM berät überschuldete Menschen.Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Manchmal schlägt das Leben härter zu als man selbst. Peter Wolbers (Name geändert) geriet vor mehr als zwanzig Jahren aus der Bahn, griff zur Flasche, prügelte auf andere ein und verlor seinen Job. Was am Ende blieb, war ein großer Schuldenberg und der immergrüne Vorsatz für jedes neue Jahr: Schulden abbauen. Mittlerweile hat er es geschafft. Ein Besuch in der Schuldnerberatung des SKM.

Immer dann, wenn er Geld braucht, schaut Peter Wolbers beim katholischen Verein für Soziale Dienste (SKM) in Osnabrück vorbei. Ohne schlechtes Gewissen, denn das Geld, das er hier abhebt, ist seins. Die Schuldnerberatung führt seit Jahren das Konto des 68-Jährigen, der vor mehr als zwanzig Jahren mit 28000 DM Schulden nach Osnabrück kam. „Ich habe mich mit Hilfe rausgegraben“, sagt Wolbers. Ist er stolz? „Nein“, sagt er. „Zumindest nicht auf die Vergangenheit.“

Denn die war hart. „Silvester 1990 habe ich einen Schlag gekriegt“, erzählt Wolbers. Damals lebte er mit seiner Mutter zusammen in Dortmund, „der Stadt der Brauereien und Banken.“ Als Chemiefacharbeiter hatte er eine gute Stelle und plante gerade den nächsten Urlaub, als seine Mutter einfach umkippte. „Ihre Mutter ist verstorben“, informierte ihn die Klinik am Neujahrsmorgen – keine Nachricht, eine Katastrophe. „Ich habe mir einen ¾ Liter geholt und noch einen und noch einen, bin durch die Straßen gelaufen, mir war alles egal“, erzählt er. Er begann zu trinken, geriet an die „verkehrten Freunde“, verlor seine Arbeit und mit ihr das Geld. Wolbers holte sich bei der Bank einen Dispokredit. „10000 DM, kein Problem“, erinnert er sich. Am Ende saß er nicht nur auf Schulden, sondern auch auf der Straße.

Mehr als 1000 neue Fälle

Es gibt viele Wege, die Menschen in die Überschuldung führen. Arbeitslosigkeit und Alkoholabhängigkeit sind nur zwei. „Der Hauptgrund ist immer noch Trennung oder Scheidung“, sagt Schuldnerberater Ralf Krons beim SKM. Auch heute sei häufig ein Dispokredit, der nicht zurückgezahlt werden kann, Grund für Schulden. Am häufigsten betroffen sei die Gruppe der 30-50-Jährigen, sie machen etwa 65 Prozent der Beratungsfälle aus. Im Jahr 2013 hat der SKM nach eigenen Angaben insgesamt 1070 Neufälle im Landkreis Osnabrück registriert, mehr als im Vorjahr. Dazu gesellten sich alte Fälle, deren Betreuung nicht mit dem Kalenderjahr endet – Menschen wie Peter Wolbers.

Bevor ihn sein Weg zu Ralf Krons in die Schuldnerberatung führte, musste Wolbers einige Hürden nehmen. „Ich wollte meinem Leben ein Ende setzen“, erzählt er. Die Tabletten hatte er schon besorgt, als ihn die Diakonie in Dortmund aufgabelte. Er machte eine Entziehungskur, das Trinken hörte auf, die Geldsorgen aber blieben. „Peter, Du musst raus aus Dortmund“, sagte ihm eine Schwester in der Klinik. So kam er vor 22 Jahren nach Osnabrück, besuchte Selbsthilfegruppen beim SKM und lernte dort seine „Lady“ kennen, mit der er noch heute zusammenlebt.

Als der Gerichtsvollzieher bei ihm vor der Tür stand, war klar: Jetzt muss etwas passieren. „Ich hatte wahnsinnige Angst vor der Polizei“, erzählt er. „Und ich hatte nichts zum Kuckuck kleben.“ Alles, was er besaß, passte in eine Sporttasche. Wolbers suchte Hilfe und besprach damals mit Ralf Krons all die Dinge, die furchtbar klingen: Pfändung, Zwangsvollstreckung, Haftbefehl. Er legte Karten und Konten offen: Gemeinsam starteten sie den Lauf gegen die Schulden und stellten eine Liste der Gläubiger zusammen. „Je früher Klienten kommen, desto besser“, sagt Krons, der als „Mittler zwischen den Welten“ zunächst eine außergerichtliche Einigung anstrebt. „Insolvenz ist nicht die beste Lösung. Wir schauen, was der Klient realistisch leisten kann“, sagt der 50-jährige Sozialarbeiter und Finanzexperte.

„Schwer war das schon“

Für Peter Wolbers ging der Plan auf. Er brachte ein, was er konnte, arbeitete als Drucker, stapelte Pakete, stellte am Ende im Lager Sendungen zusammen und verzichtete auf allen Luxus. „Schwer war das schon. Ich hätte mir gern eine Bratwurst gekauft“, erinnert er sich. Wenn die Kollegen sich am Wochenende in der Stadt trafen, ließ er sich Ausreden einfallen. Seit mehreren Jahren ist das vorbei, Wolbers ist schuldenfrei – nur sein Konto, das will er doch lieber in den Händen des SKM lassen. Schließlich kommt er nicht nur wegen des Geldes, sondern auch wegen der besonderen Verbindung. „Schuldenfrei zu sein, das war ein Fest damals“, erinnert er sich. „Das vergisst man nicht.“ Seiner „Lady“ konnte er zum ersten Mal Blumen kaufen – und sich selbst eine Bratwurst.


Angebote des SKM: Belm/Bad Essen: Am Kirchplatz 1, Telefon: 05406/8821-33 Bersenbrück: Bürgermeister-Kreke-Straße 3, Telefon: 05439/9423-22 GMHütte: Kolpingstr. 1, Telefon: 05401/33905-40 Melle: Kohlbrink 8, Telefon: 0541/33144-35 Osnabrück/Wallenhorst: Alte Poststraße 11, Telefon: 0541/33144-35/32 Angebote des Diakonischen Werks GMHütte: Brunnenstr. 6, Telefon: 05401/88089-50 Melle: Riemsloher Straße 5, Telefon: 05422/9400-62 Osnabrück: Lohstraße 65, Telefon: 0541/760287-11 Quakenbrück: Lötzener Str. 5a, Telefon: 05431/90 61 83 Bohmte, Bremerstr. 24, Telefon 05471/ 80 22 425. Fürstenau, St.-Georgstr.15, Telefon 05901/501 34 54. Bramsche, Kirchhoffstr. 6, Telefon 05461/1597 Sonstige Angebote: www.s-o-s-os-land.de , www.aita-os.de

1 Kommentar