„Butter bei die Fische“ Die Carlsburg im Herzen des Stadtteils Schinkel

Von Thomas Wübker


Osnabrück. Die großen Felsbrocken vor der Carlsburg sind seit Jahrzehnten das Wahrzeichen der Gaststätte. Sie könnten aber auch symbolisch für Jutta und Peter Witte stehen. Die Carlsburg betreibt das Ehepaar zwar erst seit 2005. Im Stadtteil Schinkel sind die Wittes aber fest verwurzelt.

1991 haben Jutta und Peter Witte zum ersten Mal gemeinsam ein Lokal eröffnet. Damals betrieben sie das Gasthaus „Zu den Linden“ an der Windthorststraße. Seit 2005 ist das Ehepaar in der Carlsburg. „Wir wollten im Schinkel bleiben“, sagt Jutta. Einige ihrer Stammgäste leben in dem Stadtteil. Sie selbst wohnen auch dort.

„Wir sind Schinkelaner“, sagt die 56-jährige Sabine resolut. Sie sitzt mit Rainer (56), Doris (53), Peter (53) und Norbert (55) in der gemütlichen Ecke direkt bei der Theke beisammen. Sabines Hund liegt vor dem Stammtisch. Frauchen und Herrchen trinken Pils, der Hund schlabbert Wasser. „Das kriegt der auch nicht überall“, betont Sabine, und sie muss gar nicht mehr sagen. Es ist klar. Ihr, ihren Tischnachbarn und ihrem Hund gefällt es in der Carlsburg.

„Zu uns kommt eher ein älteres Publikum“, erzählt die 57-jährige Jutta. „Unsere Generation halt“, ergänzt ihr zwei Jahre älterer Mann Peter. Mit ihren Gästen kommunizieren sie auf einer Ebene, sagen Jutta und Peter.

Viele Stammgäste sind mit dem Ehepaar von den Linden in die Carlsburg mitgezogen. Sie schätzen die Wirtsleute, aber auch die Umgebung. „Wir haben eine gutbürgerliche Gaststätte, hier ist es aber nicht so steif und förmlich“, sagt Peter. Mit den Gästen wird gescherzt, geflachst, aber es werden auch persönliche und familiäre Dinge besprochen. Peter berichtet, die Carlsburg habe ihren Namen vom Vater des Erbauers der Gaststätte erhalten. Der hieß Carl Bolte und hatte sich extra einen Haken für seinen Hut in die Kneipe montieren lassen. Seine Kopfbedeckung hing jeden Tag dort, erzählt Peter lachend.

In der Carlsburg treffen sich Biertrinker ebenso wie Doppelkopp-Spieler und Vereine. Zu seinen Gästen zählt Peter den Rheinländer-Karnevalsverein genauso wie den Bürgerverein Schinkel, den Plattdeutsch- und den Kegelklub. Die SPD kommt, genauso wie die CDU.

Die meisten Vereinsmitglieder und Stammgäste gehen in die Carlsburg, um sich in der Kneipe zu treffen und Dinge zu besprechen. Sie wollen aber auch lecker essen. „Bei uns gibt es Deftiges, das, was bei Omma auf den Tisch kam: Rouladen, dicke Bohnen, Sauerbraten“, sagt Peter. Der gelernte Koch liebt Butter. Das kommt aber bei ihm nicht nur ins Essen. Viele Gäste schätzen ihn, weil er „Butter bei die Fische tut“. „Ich sage, was ich denke, vor allem am späteren Abend“, sagt Peter über sich. Deswegen knufft ihm Jutta auch manchmal in die Seite.

Die Wahrheit oder derbe Späße können die meisten in der Carlsburg vertragen, sagt Peter aus der gemütlichen Ecke. „Wir wollen ja nicht unseren Kummer hier abladen“, meint er. „Schinkelaner haben keinen Kummer“, hält Sabine dagegen.

Schinkelaner haben aber gern ein frisch gezapftes Pils vor sich auf dem Tisch stehen. „Lecker“, schnalzt Peter mit der Zunge. Säufer, betont Sabine, seien sie keinesfalls. „Sein Bier alleine vor dem Fernseher zu trinken ist doch öde. In der Carlsburg finden wir unsere sozialen Kontakte“, sagt Peter. Er, Sabine und die anderen wissen es zu schätzen, dass die Gaststätte gepflegt und sauber ist.

Das sagen auch Rein (79), Monika (65), Hans-Peter (73) und Monika (69). Auch sie sind von den Linden mit zur Carlsburg gezogen. In dem alten Domizil haben sie noch gekegelt. Der Kegelklub existiert zwar noch. Da aber in der Carlsburg keine Kegelbahn installiert wurde, rollen keine Kugeln mehr. Woanders will das Quartett nicht kegeln. Ihren Wirtsleuten ist es treu geblieben.

„Hier ist es familiär“, sagen sie. In andere Gaststätten gehen sie nicht so gerne. „Wir sind zu faul zum Laufen“, scherzt Monika, die Ältere, die ihre Enkelin Jessica mitgebracht hat. Die 22-Jährige hat sonst andere Anlaufpunkte. Die Altstadt, den Grünen Jäger oder das Polly Esther’s sind die Orte, an denen sie sich mit ihren Freundinnen und Freunden trifft. „Da ist ein jüngeres Publikum“, erzählt sie. Aber auch da trifft sie immer jemanden, den sie kennt.

So ist das für Rein, Hans-Peter und die Monikas in der Carlsburg. „Solche Lokale wie dieses gibt es nicht mehr“, sagt Hans-Peter. Er berichtet, dass in seiner Wohngegend in der Nähe der Meller Straße etliche Kneipen dichtgemacht hätten.

Doch es ist nicht nur die familiäre Atmosphäre, das deftige Essen oder das gepflegte Pils, dass die Stammgäste immer wieder in die Carlsburg treibt. Monika, die Ältere, verrät ein Geheimnis: „Wenn die fremden Leute weg sind, schieben alle die Tische zur Seite. Dann tanzen die Wirtsleute – und wir tanzen mit.“


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