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Erzieher-Gehalt als Knackpunkt Vom Wert der Kinderbetreuung: Tageseltern im Kreis Gütersloh verdienen besser als die in der Region Osnabrück

Von Cornelia Achenbach

<em>Wer flexible Arbeitszeiten hat,</em> braucht auch eine flexible Kinderbetreuung. Tagesmütter können hier weiterhelfen. Foto: ImagoWer flexible Arbeitszeiten hat, braucht auch eine flexible Kinderbetreuung. Tagesmütter können hier weiterhelfen. Foto: Imago

Osnabrück. Kita-Plätze sind knapp, daher werden Tageseltern dringend gesucht. Doch die arbeiten häufig am Existenzminimum, sodass die Gewerkschaft Verdi vor Kurzem einen Tarifvertrag für Tageseltern gefordert hat. Stadt und Landkreis Osnabrück haben die Stundenvergütung in diesem Jahr angehoben – dass sich aber noch mehr machen lässt, zeigt der Kreis Gütersloh.

In einer Pressemitteilung hat der Kreis Gütersloh mitgeteilt, die durchschnittliche Stundenvergütung pro Kind um rund zehn Prozent von 4,20 Euro auf 4,60 Euro zu erhöhen. Wenn ein Kind krank ist, soll es für die Tageseltern bis zu fünf bezahlte Tage geben, dazu bis zu fünf Wochen bezahlten Urlaub. Für eine Übernachtung bei den Tageseltern gibt es einen Zuschlag von 50 Prozent, für Betreuung in den frühen Morgen- und späten Abendstunden 30 Prozent mehr. Im Kreis Steinfurt gibt es immerhin 4,50 Euro pro Stunde und drei Wochen Urlaub.

Und hier?

Es tut sich etwas. Im Landkreis Osnabrück erhalten Tageseltern, die keinen Qualifizierungskurs abgeschlossen haben, 3 Euro pro Stunde. Nach Abschluss des Kurses gibt es 3,50 Euro.

Wer den Kurs absolviert hat und länger als drei Jahre als Tagesmutter oder -vater arbeitet, verdient 4 Euro. Morgen- und Abendstunden werden nicht zusätzlich vergütet, allein für eine Übernachtung gibt es unabhängig von der Qualifikation 1 Euro mehr.

Von Urlaubstagen ist nicht die Rede – Tageseltern arbeiten selbstständig, Urlaub fällt aber ins Vokabular der Festanstellung. Dafür gibt es Ausfalltage: An 36 Tagen im Jahr, an denen die Betreuung aus welchen Gründen auch immer ausfällt, wird das Tagespflegegeld weitergezahlt.

Betreuungsquote erfüllt

Die 4 Euro für Qualifizierte verbucht der Landkreis bereits als Erfolg: „Wir sind damit eigentlich schon ganz glücklich – man muss ja auch sehen, wo wir herkommen“, sagt Mareike Surberg vom Fachdienst Jugend des Landkreises Osnabrück. Bis 2011 erhielten Tageseltern nämlich nur 3 Euro. Ab 2011 wurde auf 3,50 Euro erhöht. Seit dem 1. Januar 2013 gibt es 4 Euro.

Dass es nicht mehr ist, begründet Landkreis-Sprecher Burkhard Riepenhoff damit, dass die Stundensätze eine politische Entscheidung seien, die die Verwaltung nur umsetze.

Momentan arbeiten etwa 700 Tageseltern im Landkreis Osnabrück. Die bundesweit bis 2013 angestrebte Betreuungsquote von 35 Prozent der unter Dreijährigen hat der Landkreis knapp erreicht.

In der Stadt Osnabrück sieht es ähnlich aus: Bis vor Kurzem gab es 3 Euro pro Stunde und Kind, seit Januar sind es 4 Euro. Für Übernachtungen gibt es 30 Prozent mehr. Zudem wird das Tagespflegegeld für insgesamt 42 Tage pro Jahr fortgezahlt – ob in dieser Zeit die Betreuung ausfällt, weil das Kind krank ist, oder die Tageseltern Urlaub nehmen, wird nicht unterschieden.

Die Betreuungsquote von 35 Prozent hat die Stadt Osnabrück längst erfüllt. „Momentan liegen wir bei rund 44 Prozent und wollen bis Ende 2013 eine Quote von 51 Prozent erreicht haben“, sagt Helmut Tolsdorf von der Stadt. Der ehemalige Oberbürgermeister Boris Pistorius habe das Thema stets gepuscht. Dennoch: „Auch das wird nicht reichen“, sagt der Fachdienstleiter Kinder.

Auf Gütersloher Niveau werde man so bald nicht kommen. Ein Knackpunkt in der Diskussion sei das Gehalt der Erzieher in Kindertagesstätten. Kitas seien schließlich richtige Bildungseinrichtungen, so Helmut Tolsdorf. Doch das Gehaltsniveau der Erzieher ist bekanntermaßen niedrig – sollen da Tageseltern womöglich eines Tages ein höheres Einkommen erwirtschaften als Erzieher in sozialversicherungspflichtigen Stellen?