Kabarett in der Lagerhalle „Anstaltsanwalt“ Max Uthoff in Osnabrück

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Bissig: Max Uthoff in der Lagerhalle.Foto: Elvira PartonBissig: Max Uthoff in der Lagerhalle.Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Mit einer bitterbösen Bestandsaufnahme bundesdeutscher Befindlichkeiten und politischer Zustände gastierte der Münchner Kabarettist und „Anstaltsanwalt“ Max Uthoff im ausverkauften Saal der Lagerhalle.

Der Mann weiß, was er seinem Publikum schuldig ist. „Ich Sie, Sie mich – wir brauchen uns.“ Mit der Lizenz zur „satirischen Bedürfnisbefriedigung“ hat der adrette Anzugträger Max Uthoff seiner NSA-ausspionierten Zuhörerschaft „im 51. Bundesstaat der USA“ manch aufbauende Mitteilung zu machen. „Oben bleiben“ ist denn auch der Titel von Uthoffs aktualisiertem zweiten Soloprogramm, mit dem der 46-jährige Münchner Kabarettist („Neues aus der Anstalt“) in Osnabrück gastierte.

„Der Mensch sehnt sich nach Wahrnehmung“ war dabei nur eine von Uthoffs verkündeten Prämissen des Abends. Dazu zählte er den gesellschaftlichen Drang, jede Banalität auf Facebook zu kommentieren, Meinungen über Inhalte zu stellen und ob der übermäßigen bundesdeutschen Angst vor Veränderung immer wieder für „Mutti“ Merkel zu votieren. Mit seiner eigenen Angst vor den anstehenden TV-Jahresrückblicken samt Verstorbenen-Liste („Sepp Blatter schon wieder nicht dabei“) hielt Uthoff auch nicht hinterm Berg. Den Namen „Eiserne Lady“ für die verstorbene Margaret Thatcher übertrug er dabei schon mal irrtümlich auf Renate Künast.

Neben weiteren satirischen Giftpfeilen gegen Kanzleramtsminister Pofalla („Der Mann, der sich selber für beendet erklärt hat“), Horst Seehofer, die allzu naturwissenschaftlich ausgerichtete PISA-Studie oder der dubiosen Rolle des Thüringer Verfassungsschutzes bei der Aufklärung der NSU-Morde, begegnete Max Uthoff dem Konsumterror und dem Kapitalismus mit philosophischer Stärke: „Ich denke, also bin ich hier falsch.“

Seine Forderung nach größerer Entspannung begründete er mit der einleuchtenden Aussage „Der Mensch denkt nicht gut, wenn er erregt ist“. Zwischendurch verabschiedete der standhafte Entertainer auf verdunkelter Bühne die „verstorbene Institution“ FDP, widmete der Kanzlerin die Ode „Für Angela“ oder demonstrierte die These „Nobody is perfect“ als sächselnder Heilsverkünder Jesus. Daneben outete er sich in seiner zweistündigen Gesellschafts-Wahrnehmung als „Bio-Freak“ und Feminist, der sich wunderte, dass bei der Abstimmung über die Einführung einer Frauenquote auch Männer wahlberechtigt waren.

Wenn Uthoff ab 2014 mit Claus von Wagner die Satiresendung „Neues aus der Anstalt“ präsentiert, kann sich das Publikum auf weitere gesellschaftspolitische Wahrnehmungen gefasst machen.


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