Das Ende der studentischen Wohnungsnot Osnabrück: Vom Altenheim in die Studenten-WG

Von Jean-Charles Fays

Die Umzugskartons sind noch nicht alle ausgepackt: Erst zwei Monate nach Semesterbeginn zog Helen Overkamp aus dem Altenheim aus und fand mit zwei Mitbewohnerinnen eine eigene Bleibe. Foto: Michael GründelDie Umzugskartons sind noch nicht alle ausgepackt: Erst zwei Monate nach Semesterbeginn zog Helen Overkamp aus dem Altenheim aus und fand mit zwei Mitbewohnerinnen eine eigene Bleibe. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Wohnungsmarkt für Studenten entspannt sich zwei Monate nach Semesterbeginn. Das Studentenwerk vermeldet: Es gibt noch mehrere Angebote bei privaten Vermietern. Im Dezember sind auch die letzten Studenten aus dem Katharina-von-Bora-Haus ausgezogen.

Das Altenheim im Osnabrücker Stadtteil Sonnenhügel diente 13 Erstsemestern für die Übergangszeit als Notunterkunft. Die 19-jährige Helen Overkamp aus Iserlohn hat die zwei Monate dennoch genossen. Sie sagt: „Es war ein Glücksfall.“

Große Risse in den Tapeten im Treppenhaus zeugen davon, dass die Mieter in ihrer neuen Unterkunft offenbar öfters wechseln. Dennoch fühlt sich Helen Overkamp in ihrer neuen Bleibe in einem Mehrfamilienhaus am Schölerberg so wohl, dass sie sagt: „Ich bin vom Heim ins Zuhause gezogen.“ Das soll nicht heißen, dass sie sich im Katharina-von-Bora-Haus nicht wohl fühlte. Im Gegenteil: „Ich habe viele neue Freunde gewonnen, die ich sonst nicht kennengelernt hätte“, sagt die Psychologie-Studentin, doch für ein Zuhause-Gefühl habe ihr gefehlt, dass jemand in der Küche sitzt und fragt: „Und, wie war dein Tag?“. In ihrer neuen WG plaudert sie abends mit ihren beiden Mitbewohnerinnen stundenlang am Esstisch oder spielt im Wohnzimmer Monopoly.

Angesichts der Wohnungsnot im Oktober und mangelnder Perspektive, auf dem Wohnungsmarkt eine passende Studenten-WG zu finden, suchte sie sich selbst eine geeignete Mietwohnung, gründete eine WG und suchte ihre Mitbewohnerinnen selbst aus. „Es hatten sich 40 Interessenten auf mein Inserat bei WG-Gesucht im Internet gemeldet. Für Jule und Danae habe ich mich dann entschieden“, sagt sie. Es ist naheliegend, dass die angehende Psychologin dabei die richtige Menschenkenntnis besaß.

Zuvor hatte die Sauerländerin die andere Seite erlebt, stundenlang die Online-Inserate gesichtet, mehr als ein Dutzend Mal telefoniert mit den potenziellen Mitbewohnern telefoniert und ein halbes Dutzend Wohngemeinschaften besichtigt. Damals fragte sie sich noch: „Warum führen die eigentlich eine Liste? Können die sich die paar Namen von den Leuten nicht merken, die sich die Wohnung angucken?“ Nachdem sie selbst ihre Studenten-WG inseriert hat, weiß sie: „Man kann sie sich nicht merken. Ich musste selber eine Liste führen, nicht nur mit Namen, sondern auch Kategorien wie Alter, Studiengang und Sympathie, sonst verliert man den Überblick.“

Erst als sie ihre Mitbewohner gefunden hatte, fand sie auch die dafür passende 86-Quadratmeter-Wohnung mit drei einzelnen Zimmern, Gemeinschaftsküche und Wohnzimmer. Geändert hat sich gegenüber dem Altenheim auch hier nicht, dass im Wohnzimmer kein Fernseher zu finden ist. Dafür aber ein Geigenständer, ein Schaukelstuhl und eine gemütliche alte Couch.

Dennoch denkt sie auch ein bisschen wehmütig zurück: „Irgendwie war es auch cool. Von der Zeit im Altenheim werde ich bestimmt noch meinen Enkeln erzählen“, sagt die Iserlohnerin. Sie werde nie vergessen, wie sie eine Stunde mit einem etwas verwirrten Senior gesprochen habe, um ihm das Gefühl zu geben, gehört zu werden. Ein Student habe Klavier gespielt, woraufhin die Senioren begeistert klatschten. Und ein Senior habe eine Studentin für eine Pflegerin gehalten und zu ihr gesagt: „Okay, sie können dann in Urlaub gehen.“