Schüler stehen hinter ihnen Osnabrücker Lehrer nach Stundenerhöhung verärgert

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Ihr Einsatz hat sich nicht gelohnt: Die Schüler haben für ihre Lehrer und gegen die Stundenerhöhung demonstriert. Gebracht hat es nichts. Foto: Egmont SeilerIhr Einsatz hat sich nicht gelohnt: Die Schüler haben für ihre Lehrer und gegen die Stundenerhöhung demonstriert. Gebracht hat es nichts. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Jetzt ist es offiziell: In einer offenen Abstimmung hat der niedersächsische Landtag am Freitag dafür gestimmt, dass die Pflichtstundenzahl für Gymnasiallehrer erhöht und die Wiederherstellung der Altersermäßigung ausgesetzt werden – entgegen aller vorherigen Versprechungen. Die Lehrer fühlen sich hintergangen, die Schüler stehen hinter ihnen.

„Das ist eine Unverschämtheit, ein Wort- und Vertrauensbruch“, ärgert sich Hartwig Ahrens, Personalratsvorsitzender des Osnabrücker Ratsgymnasiums und Sprecher des Plenums der Personalräte der Niedersächsischen Gymnasien und Kooperativen Gesamtschulen für den Bereich Weser-Ems (PPNG). Der Zusammenschluss ist ein Zeichen für den Unmut, der niedersachsenweit für Ärger bei den Gymnasiallehrern sorgt. „Die Landesregierung hat es geschafft, dass sich alle Lehrer solidarisieren. Das passiert eigentlich nur, wenn die Stimmung richtig aufgebracht ist“, sagt Ahrens.

Die Lehrer, die an Gymnasien unterrichten, sollen statt der bisherigen 23,5 Unterrichtsstunden wöchentlich eine Schulstunde mehr geben. Doch für eine Schulstunde fällt laut Ahrens etwa eine Zeitstunde Vorbereitung an.

„Die Lehrer sind über zehn Jahre in Vorleistung gegangen und haben ihren Teil erfüllt. Was soll ein Politiklehrer seinen Schülern erzählen? Das ist ein Paradebeispiel dafür, wie Demokratie unterlaufen wird. Man muss zu seinen Abmachungen stehen“, so Ahrens.

Die derzeitige Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) spricht laut Ahrens davon, dass die Lehrer nicht mehr arbeiten sollen, sondern die Arbeit umverteilen sollen. „Aber wie, sagt sie nicht.“ Schließlich kommen zum regulären Unterricht, der Vor- und Nachbereitung noch AGs, Projekte und Schulfahrten. Letztere werden jetzt erst mal ausgesetzt. Die PPNG hat eine Erklärung abgegeben, in der es heißt, dass „ab dem Schuljahr 2014/15 so lange keine Klassen- und Studienfahrten mehr durchgeführt werden, bis die Landesregierung diese Maßnahmen zurücknimmt.“ Und Ahrens fügt hinzu: „Es wird weitere Aktionen geben.“

In Osnabrück hatten Schüler bereits am vergangenen Freitag gegen die Forderung Heiligenstadts demonstriert. Es ist zu vermuten, dass nicht nur im Lehrerzimmer des Ratsgymnasiums schlechte Stimmung herrscht. „Die Gymnasiallehrer fühlen sich ungerecht behandelt. Das haben wir nicht verdient“, sagt Ahrens. Die Schüler stehen hinter ihren Lehrern. „Wir sehen das als nicht richtig und können das nicht nachvollziehen“, sagt Katharina Betker, Sprecherin der Schülervertretung des Osnabrücker Ratsgymnasiums. Die Schüler befürchten, dass die Qualität des Unterrichts unter der Erhöhung der Pflichtstunden leidet. Aber: „Schule ist nicht nur Unterricht“, betont Betker. Gerade Gymnasiasten verbringen immer mehr Zeit in der Schule. „Der Alltag lebt vom Engagement von Lehrern und Schülern, das nebenbei stattfindet“ – dazu gehören AGs, Fahrten, Projekte. Die müssten auf Dauer eingestellt werden, um den Unterricht weiterhin auf dem qualitativ hochwertigen Niveau zu halten und die Gymnasiasten entsprechend aufs Abitur vorzubereiten, wie Betker befürchtet.


Warum die Lehrer so verärgert sind: 1998 wurden von der damaligen Kultusministerin Renate Jürgens-Pieper (SPD) Arbeitszeitkonten eingeführt. Ab dem Schuljahr 2000/01 sollten die Lehrer neun Jahre lang jede Woche zwei Unterrichtsstunden mehr geben, da Lehrermangel herrschte. Ab dem Schuljahr 2012/13 sollte die Rückerstattung beginnen, der Abbau bis 2022 stattfinden. Dabei sei ihnen von Jürgens-Piepers versichert worden, dass es bis dahin keine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung geben solle. Das Vorhaben der Landesregierung, die Pflichtstunden zu erhöhen und die Altersermäßigung auszusetzen, sei nötig, um die schulpolitischen Vorhaben umsetzen zu können, die im Wahlkampf in Aussicht gestellt wurden. Laut Philologenverband aber seien die Steuereinnahmen unerwartet hoch ausgefallen.

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