Über Umlage finanzieren Initiativen wollen ÖPNV-Flatrate für Osnabrück

Umsteigen bitte: Die ÖPNV-Flatrate soll mehr Autofahrer motivieren, den Bus zu benutzen. Klaus LindemannUmsteigen bitte: Die ÖPNV-Flatrate soll mehr Autofahrer motivieren, den Bus zu benutzen. Klaus Lindemann

Osnabrück. Einmal zahlen, und dann freie Fahrt für das ganze Jahr: Die Osnabrücker Sozialkonferenz (OSK) und die Osnabrücker Klimaallianz (OK) setzen sich für eine ÖPNV-Flatrate ein, die sich am Semesterticket für Studenten orientiert. Die Finanzierung soll über eine Umlage aufgebracht werden, in die alle Bürger einzahlen, Erwerbslose und Hartz-IV-Empfänger ausgenommen.

Eberhard Heise von der Osnabrücker Klimaallianz und Manfred Flore von der Osnabrücker Sozialkonferenz stützen sich auf Erfahrungen aus 20 französischen Städten wie Aubagne, aus dem belgischen Hasselt, der estnischen Hauptstadt Tallinn und den brandenburgischen Kleinstädten Templin und Lübben. Die beiden Initiativen fordern den Rat auf, im Zusammenhang mit dem neuen Nahverkehrsplan eine Machbarkeitsstudie zur ÖPNV-Flatrate auf den Weg zu bringen.

„Soziale und ökologische Themen gehören zusammen“, sagt Eberhard Heise von der Klimaallianz. Als Modellstadt im Programm „Masterplan 100% Klimaschutz“ habe sich Osnabrück zur mutigen CO2-Reduktion verpflichtet. Gerade bei der Mobilität funktioniere das nur mit einem weitsichtigen ÖPNV-Konzept.

Manfred Flore von der OSK weist darauf hin, dass Mobilität viel mit Einkommen und Vermögen zu tun habe. Das Einkommen entscheide aber zugleich, ob jemand an einer lauten oder leisen Straße wohne. Mobilität müsse als soziales Grundrecht verstanden werden, für das alle gemeinsam zu sorgen hätten. „Die ÖPNV-Flatrate kann ein wichtiger Schritt sein hin zu einer solidarischeren Stadt“, vermerkt Flore.

Erfahrungen aus anderen Städten sollten in die von ihnen geforderte Machbarkeitsstudie einfließen, fordern die Sprecher von OK und OSK. In allen Städten mit Flatrate für den öffentlichen Personennahverkehr sei es zu einer erheblichen Steigerung des Anteils für Busse und Bahnen gekommen, heißt es in der gemeinsamen Presseerklärung – bei gleichzeitigem Rückgang des Pkw-Verkehrs, wenn ÖPNV-Angebote und Mobilitätskonzepte angepasst würden.

So hätten Straßen und Parkplätze in etlichen Städten zurückgebaut werden können, schreiben Heise und Flore. Die Konsequenz daraus seien „grünere, ruhigere, deutlich mehr frequentierte Innenstädte, auch im Interesse des innerstädtischen Einzelhandels, und mehr Spielraum für Stadtplanung“.

Für die ÖPNV-Flatrate gebe es ein zunehmendes, bundesweites und europäisches Interesse, beteuern die beiden Initiativen. Das gelte vor allem für die ersten Großstädte, die – gemeinsam mit den jeweiligen Landesregierungen – Pilotprojekte auf den Weg bringen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN