Warnung 2011 ignoriert? Tote Edelkrebse: NABU greift Landkreis Osnabrück an

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Die Europäischen Edelkrebse in der Nette sind vermutlich fast alle der Krebspest zum Opfer gefallen. Überträger sind nordamerikanische Krebse. Foto: Landkreis OsnabrückDie Europäischen Edelkrebse in der Nette sind vermutlich fast alle der Krebspest zum Opfer gefallen. Überträger sind nordamerikanische Krebse. Foto: Landkreis Osnabrück

Osnabrück. Der Naturschutzbund (NABU) Osnabrück macht den Landkreis für das massenhafte Edelkrebssterben in der Nette verantwortlich. Der Vorwurf: Der Landkreis habe Warnungen der Naturschützer ignoriert und am Bau einer umstrittenen Umflut festgehalten. Diese soll nun für den Tod der Tiere verantwortlich sein. Der Landkreis wehrt sich.

Wenn etwas besonders Schlimmes passiert, sollen eigens gegründete Arbeitsgruppen Ursachenforschung betreiben. So auch im Fall der verendeten Edelkrebse . Die Population in der Nette zwischen Belm-Vehrte und Osnabrück ist in diesem Sommer vermutlich fast vollständig der Krebspest zum Opfer gefallen. Sie zählte zu einem der letzten Vorkommen dieser Wildform in Niedersachsen. Unter Federführung des Landkreises Osnabrück hat sich deshalb eine Arbeitsgruppe aus Anglern, Fischern und Krebsspezialisten zusammengefunden.

Andreas Peters, 1. Vorsitzender des NABU Osnabrück, ist gespannt auf deren Ergebnisse. Für ihn liegt jedoch auf der Hand, dass die 2011 gebaute Umflut im Bereich Knollmeyers Mühle die „wohl wahrscheinlichste Ursache für die Katastrophe“ ist. Der NABU hatte im Jahr des Umflutbaus vor möglichen schwerwiegenden Folgen für die Edelkrebse gewarnt. In einer Stellungnahme an die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises wies der NABU darauf hin, dass die Tiere vor allem durch die Krebspest bedroht seien. Als Überträger der Krebspest gelte unter anderem der nordamerikanischen Kamberkrebs, der bereits in einem Bereich unterhalb von Knollmeyers Mühle nachgewiesen worden war. „Der NABU sieht hier eine fahrlässige Störung einer geschützten Art“, heißt es in dem Schreiben von 2011.

Für den Landkreis ist die Sachlage nicht so eindeutig wie für den NABU. Pressesprecher Burkhard Riepenhoff sagt, dass von der Einmündung des Niederrielager Baches bis unterhalb Knollmeyers Mühle seit jeher eine Verbindung bestanden habe. Diese sei 2011 nur erweitert worden, um den Fischen die Wanderung zu erleichtern. „Die invasiven Krebsarten konnten auch vor Umsetzung diesen Weg in die Nette nutzen. Dass sie sich gerade in der jüngsten Zeit tatsächlich verbreitet haben, kann also verschiedene Gründe haben, die sich nicht mehr klären lassen“, sagte Riepenhoff. NABU-Mann Peters bezeichnet diese Aussage als „interessant“. Er frage sich, warum die Edelkrebse zuvor 150 Jahre dort überlebt hätten.

Krebsexperte Wolfgang Rötker unterstützt den Landkreis. Auch er geht davon aus, dass sich die Einschleppung des Erregers in die Nette nicht zweifelsfrei klären lässt. Er berichtet von einem im Sommer gefangenen nordamerikanischen Signalkrebs Höhe „Nackte Mühle“. Woher das Tier stammt, ist unklar. Aber auch diese Art überträgt die Krebspest. Deshalb „liegt die Vermutung nahe, dass hier die Ursache für das verheerende Desaster liegt“, sagt Rötker.

Angler und Naturschützer hoffen darauf, noch lebende Edelkrebse zu finden. Diese sollen in einem unbelasteten Gewässer zwischenlagern. Bis der alte Bereich der Tiere wieder pestfrei ist, werden Jahre vergehen.


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