Interview mit Daniel Bugiel Osnabrück: Neues Bündnis wirbt für West-Straße

Von Jean-Charles Fays

Daniel Bugiel ist der Gründer der neuen Initiative Aktionsbündnis Verkehrsentlastung Innenstadt Osnabrück und fordert eine Westumgehung für die Stadt. Foto: Elvira PartonDaniel Bugiel ist der Gründer der neuen Initiative Aktionsbündnis Verkehrsentlastung Innenstadt Osnabrück und fordert eine Westumgehung für die Stadt. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Die neue Initiative Aktionsbündnis Verkehrsentlastung Innenstadt Osnabrück (AVIO) hat sich gegründet. Der 32-jährige Theologe Daniel Bugiel ist der Gründer des Bündnisses und erklärt im Interview mit Redakteur Jean-Charles Fays die Beweggründe.

Frage: Warum haben Sie AVIO gegründet?

Bugiel: Die Verkehrssituation in der Innenstadt und in den angrenzenden Wohnvierteln ist häufig unerträglich. Wir sprechen von Verkehrsbelastungen von 6000 bis 8000 Autos in Tempo-30-Zonen. Auf dem Wall gibt es einen übermäßigen Lkw- und Durchgangsverkehr, der in der Stadt einfach nichts zu suchen hat.

Frage: Welches konkrete Ziel verfolgen Sie?

Bugiel: Es gibt bereits ein sehr gutes Konzept, den sogenannten Masterplan Mobilität. Er nimmt offen und ehrlich alle Verkehrsarten in den Blick. Aus diesem Plan geht hervor, dass es absolut notwendig ist, einen äußeren Ringschluss um die Stadt zu realisieren, um die Innenstadt zu entlasten. Die Durchsetzung dieses Masterplans wollen wir unterstützen.

Frage: Warum kommt AVIO gerade jetzt, wo es die Verkehrsprobleme doch schon jahrelang gibt?

Bugiel: AVIO kommt gerade jetzt, weil die Politik beschlossen hat, zur Europawahl am 25. Mai die Osnabrücker Bürger über einen zentralen Bestandteil des Masterplans Mobilität abstimmen zu lassen: die Entlastungsstraße West beziehungsweise die Westumgehung. Unsere Angst ist einfach, dass nicht alle Fakten offen auf den Tisch gelegt werden. Ich befürchte, dass dieser zentrale Bestandteil der Entlastungsstraße West nicht objektiv dargestellt wird. Viele Bürger denken, das ist ein reines Westerberg-Problem, aber das ist es einfach nicht, sondern es ist ein zentraler Bestandteil einer Verkehrsentlastung für die Innenstadt.

Frage: Wie hoch ist die Entlastung durch die Westumgehung?

Bugiel: An der Lotter Straße läge die Entlastung bei zehn bis 15 Prozent. Am nordwestlichen Wallring hätten wir eine Entlastung von bis zu 6000 Fahrzeugen am Tag. Die Martinistraße, der Kirchenkamp mit dem neuen Baugebiet Mitte West und die Hansastraße würden ebenfalls eine deutliche Entlastung bekommen.

Frage: Wie würden die Leute davon profitieren, die nicht in diesen Gebieten wohnen und nur in der Innenstadt einkaufen gehen?

Bugiel: Die Leute würden einfach schneller in die Innenstadt gelangen, weil der Durchgangsverkehr, mit dem sie sich sonst die Straßen teilen müssten, wegfallen würde und nicht mehr über den Neumarkt fahren würde, sondern über die Entlastungsstraße umgeleitet würde.

Frage: Was würde passieren, wenn der Lückenschluss A 33 sowie die Westumgehung nicht zustande kommen würden und die vier Fahrspuren am Neumarkt wie geplant auf zwei Spuren reduziert würden?

Bugiel: Es gäbe ein absolutes Verkehrschaos in der Innenstadt. Das ist nicht nur meine Meinung, sondern das geht auch aus den Prognosezahlen deutlich hervor. Die Leute, die momentan ohnehin schon unter der Verkehrsbelastung in der Weststadt, im Schinkel und in der Innenstadt leiden, würden noch mehr leiden, weil der Verkehr künftig zunimmt.

Frage: Eine ihrer Forderung ist ein Lkw- und ein Durchfahrverbot für den Wall. Wie stellen Sie sich das vor?

Bugiel: Es ist sehr schwierig zu realisieren, weil es eine Bundesstraße ist, aber es gibt Beispiele wie in Hamburg-Altona, wo auch Bundesstraßen für den Lkw-Durchgangsverkehr reduziert oder gesperrt worden sind. Wir haben hier leider keine Ausweichalternative für Lkw, weil die Bundesstraße direkt durch die Innenstadt führt. Kein Mensch nimmt den Weg über die A1 und das Lotter Kreuz, sondern alle kürzen durch die Innenstadt ab, auch der Individualverkehr. Die Entlastungsstraße West würde zumindest einen Teil dieses Lkw-Verkehrs auf den äußeren Ring schieben. Das wären immerhin 850 Lkw am Tag.

Frage: Was antworten Sie Kritikern, die sagen: Die Kosten für die Westumgehung sind zu groß?

Bugiel: Was viele nicht wissen ist, dass das nördliche Teilstück der Entlastungsstraße West, von der Breiten Güntke bis zur Sedanstraße, definitiv gebaut werden wird. Darauf habe sich SPD und Grüne mit der Begründung, dass der Wissenschaftspark dieses Stück, quasi als infrastrukturelle Minimallösung zur Erschließung, notwendig mache, geeinigt. Das Problem daran ist Folgendes: Erstens ist durch die Abkoppelung dieses Teilstücks die Möglichkeit verloren gegangen, die ganze Straße mit Landesmitteln zu fördern. Finanzhilfen können nämlich nur für verkehrswichtige innerörtliche Straßen, nicht aber für Erschließungsstraßen gewährt werden. Die 3,5 Millionen Euro wird Osnabrück nun tragen müssen, egal wie die Bürgerbefragung am 25. Mai ausgeht . Entscheiden sich die Bürger für die Straße wäre immerhin noch das restliche Teilstück förderfähig. Von den ca 6,5, Millionen, die dafür geplant sind, könnten bis zu 75 Prozent über Landesmittel abgedeckt werden. Ein von den politischen Gegnern der Straße immer wieder angeführtes Argument, nämlich die hohen Kosten, wird hier doch etwas ad absurdum geführt, wenn man die 3,5 Millionen Euro in Kauf nimmt und auf die Möglichkeit von Landesmitteln verzichtet. Ich frage mich: Wie kann es politisch möglich sein, einen Wissenschaftspark und Wohnsiedlungen für rund 1000 Leute umzusetzen, aber die Erschließung von Süden her über schon jetzt völlig überlastete Tempo-30-Wohnstraßen billigend in Kauf zu nehmen?

Frage: Sie sind bereits Vorstandsmitglied in der Initiative Pro West. Warum bedarf es dieser weiteren Initiative?

Bugiel: Dieser weiteren Initiative bedarf es, weil wir als Pro West nur den Fokus auf dem Westerberg gehabt. Als ich mich in die Materie eingearbeitet habe, bin ich auf die Idee gekommen, dass es eine Sache ist, die ganz Osnabrück betrifft, wie ich bereits erläutert habe. Die Politik würde außerdem ja auch nicht alle Bürger dieser Stadt befragen, wenn es nicht auch die ganze Stadt betroffen wäre.

Frage: Wie viele Mitstreiter hat Ihre Initiative inzwischen?

Bugiel: Wir haben vor einer Woche mit zehn Mitgliedern begonnen. Nach einer Woche haben wir bereits 30 Mitglieder.