Kulturverwaltung will sparen Debatte um Teilschließung der Osnabrücker Museen

Viel Platz, um die Architektur zu bestaunen: Blick in die Kunsthalle. Foto: Michael GründelViel Platz, um die Architektur zu bestaunen: Blick in die Kunsthalle. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Kontroverse um die städtischen Museen dominierte die Sitzung des Kulturausschusses am Mittwoch. Die entscheidende Frage dabei: Ist die Verkürzung der Öffnungszeiten das angemessene Mittel, mit dem der Fachbereich Kultur seinen Beitrag zur Konsolidierung des Haushaltes leisten kann?

Dirk Koentopp (SPD) wiegelte ab. Er schlug vor, über den Tagesordnungspunkt 5.1. nicht in der öffentlichen Sitzung des Kulturausschusses zu beraten, sondern in den Fraktionen – hinter verschlossenen Türen also. Denn die Vorlage der Kulturverwaltung enthielt Sprengstoff: Unter dem Punkt „Konsolidierungsmaßnahmen“ schlägt die Verwaltung „mangels Alternativen“ vor, einen „Großteil der für 2014 geplanten Sonderausstellungen im Kulturgeschichtlichen Museum/ Felix-Nussbaum-Haus “ zu streichen und außerdem durch die Reduzierung der Öffnungszeiten die Personalkosten zu senken. Die Kulturszene protestiert.

Durch die geplante Teilschließung „unserer Ausstellungshäuser“ würde sich die Stadt „zur Provinz stilisieren“, schreibt der Vorsitzende der Vordemberge-Gildewart-Initiative, Siegfried Hoffmann, in einem offenen Brief an Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Ähnlich argumentierte Maria-Theresia Sliwka (FDP) im Kulturausschuss: Sie sieht in der Teilschließung „den schleichenden Anfang vom Ende“ und befürchtet, der Imageschaden sei „weitaus größer als die Einsparungen“. Wie hoch die ausfallen, darüber konnte die Kulturverwaltung in der Tat nur sehr vage Angaben machen: Für 2014 hofft sie auf Einsparungen in Höhe von 17000 Euro, für 2015 von 49000 Euro.

Flammend protestierte schließlich Brigitte Neumann (CDU) gegen die Schließungspläne: „Wir müssen Konsolidierungsvorschläge machen“, räumte sie ein. Aber dem stehe „die Weiterentwicklung der Museen entgegen“, sagte sie. Gleichzeitig zweifelte sie die Aussagekraft der Ermittlung an: 41000 Jugendliche hätten die Museen besucht – „wann waren die da? Wann sind Touristengruppen da? Wann sind die Besucherzahlen besonders hoch?“ Vier Vormittage geschlossene Museumstüren – „da sind wir fast tot, zumindest todkrank“. Neumanns Fazit: „Da muss mehr Geld rein.“

Auch Ausschussvorsitzender Sebastian Bracke (Bündnis 90/Die Grünen) nannte das Ansinnen, Sonderausstellungen abzusagen, „absurd“. Er mahnte an, „nicht die Substanz kaputt zu machen“, und nannte den Vorschlag der Verwaltung „nicht so gelungen“.

Schließlich bezog auch die SPD Stellung. „Kein Mensch geht ins Museum, weil es offen ist“, sagte Ulrich Sommer, „sondern weil es spannend ist.“ Man müsse also die Attraktivität der Museen erhöhen – aber womöglich auch „aus Selbstschutz Maßnahmen ergreifen, die uns nicht gefallen“.

Immerhin produzierte der Ausschuss noch konstruktive Vorschläge, um die Teilschließung zu verhindern: Heiko Schlatermund brachte einen 50-Cent-Aufschlag zur Finanzierung langer Öffnungszeiten ins Gespräch; Irene Thiel (CDU) setzt aufs Ehrenamt. Lösung gab es an diesem Abend jedoch keine. Aber immerhin eine leidenschaftliche Diskussion im Kulturausschuss. Das ist nicht immer so.


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