Französische Bulldogge gestohlen Osnabrücker Richter schickt Hundedieb ins Gefängnis

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Harmloser Familienhund: ein Hund der Rasse „Französische Bulldogge“. Foto: ImagoHarmloser Familienhund: ein Hund der Rasse „Französische Bulldogge“. Foto: Imago

Osnabrück. Das Wichtigste zuerst: Die Französische Bulldogge, die im März aus einem Auto im Kollegienwall-Parkhaus gestohlen wurde, ist wohlbehalten zu ihrem Herrchen zurückgekehrt... Den Dieb verurteilte das Amtsgericht jetzt wegen mehrfachen Diebstahls zu zehn Monaten Gefängnis.

Schnell wurde im Prozess gegen den 32-jährigen Osnabrücker klar, dass keine Hunde-Experten im Saal waren. „Nicht nur würde ich grundsätzlich keinen Hund klauen“, sagte der Vorsitzende Richter, „ich würde erst recht keine Französische Bulldogge klauen, weil das möglicherweise gefährlich werden würde.“ Niemand klärte den Juristen darüber auf, dass die französische Variante der Bulldogge mitnichten ein Kampfhund ist. Die kleinen Wuchtbrummen gelten als verschmuste Familienhunde, die dank totaler Überzüchtung eine viel zu kurze Nase haben und häufig sehr laut schnarchen.

Warum der Angeklagte den Bulldoggen-Welpen gestohlen hatte, wusste er selbst nicht genau. „Ich kann es nicht erklären, ich habe ihn einfach mitgenommen.“ Er sei damals durch das Parkhaus gestreift und habe auf die Toilette gehen wollen. Dann sah er einen BMW X1, der nicht abgeschlossen war. „Das habe ich am Knopf erkannt.“ Im Kofferraum befand sich eine Transportbox mit der fünf Monate alten Französischen Bulldogge und einem ausgewachsenen – aber ebenfalls harmlosen – Boston-Terrier. Den immerhin ließ der 32-Jährige zurück.

Was der Welpe nach seiner Entführung alles durchmachen musste, konnte nicht mehr genau nachvollzogen werden. Als Zeugen hatte das Gericht unter anderem den Bruder des Angeklagten geladen. Der 22-Jährige soll laut einem anonymen Hinweis mehr als eine Woche nach der Tat mit dem Hund im Stadtteil Schinkel Gassi gegangen sein. War am Ende er der Hundedieb? Der ältere Bruder bestritt das. „Ich bin es gewesen!“

Der Vorsitzende glaubte dem Angeklagten, befragte den Bruder aber trotzdem genau zu den Tatumständen. Der Dialog zwischen den beiden erreichte das Niveau einer guten Komödie: „Wie lange haben Sie den Hund im Schinkel gehabt?“ – „So drei Stunden.“ – „Was war das für ein Hund?“ – „So ein schwarzer.“ – „War der gefährlich oder ungefährlich?“ – „Ja, normal.“

Der Angeklagte band den Hund schließlich an einem öffentlichen Platz an, und die von einer Passantin alarmierte Feuerwehr brachte ihn ins Tierheim. Von dort aus schaffte es der Welpe dank seines implantierten Chips schnell wieder zurück zu seinem Herrchen.

Der Angeklagte wiederum stahl nur vier Tage nach dem Hundeklau aus einem offenbar ebenfalls unverschlossenen Golf eine E-Gitarre, ein Navigationssystem und Kleidung. Knapp zwei Wochen danach ließ er ein Autoradio aus einem Opel mitgehen. Wie in den ersten beiden Fällen stand auch dieser Wagen unverschlossen in einem Osnabrücker Parkhaus.

Die Motivation für seine Raubzüge brachte der Angeklagte auf eine knappe Formel: „Zu wenig Geld, zu viel Alkohol.“ Der 32-Jährige ist seit seinem 17. Lebensjahr suchtkrank. Die harten Drogen habe er inzwischen im Griff, den Alkohol hingegen nicht. Sein Vorstrafenregister ist lang, immer wieder hatte er mit Diebstählen seinen Drogenkonsum finanziert.

Das Gericht kam schließlich zu dem Ergebnis, dass es dem 32-Jährigen keine günstige Sozialprognose ausstellen könne. Deshalb lautete das Urteil: zehn Monate Freiheitsstrafe, keine Bewährung. „Wir sehen es so, dass Sie jetzt erst mal liefern müssen“, sagte der Vorsitzende. „Es geht darum, dass Sie Ihr Alkoholproblem nachhaltig in Angriff nehmen.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN