Nachmieter aus anderer Branche Osnabrücker Rats-Apotheke: Aus nach 412 Jahren

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Das Schild mit Äskulapschlange und Arzneikelch wird bald verschwinden: Die traditionsreiche Rats-Apotheke in der Krahnstraße schließt. Foto: Stefanie HiekmannDas Schild mit Äskulapschlange und Arzneikelch wird bald verschwinden: Die traditionsreiche Rats-Apotheke in der Krahnstraße schließt. Foto: Stefanie Hiekmann

Osnabrück. Die Rats-Apotheke in der Krahnstraße schließt ihre Türen. Am 7. Dezember hat die Traditionsapotheke ihren letzten Tag. Damit endet die Geschichte eines über 412 Jahre alten Unternehmens. Grund für die Schließung ist nach Angaben von Apothekenleiter Thilo Rammholdt der Weggang der Ärzte aus der nahen Umgebung.

„Die Schließung hat wirtschaftliche Gründe“, sagt Rammholdt, der mit seiner Frau auch die Rathaus-Apotheke in Georgsmarienhütte führt. Vor fünf Jahren hat das Ehepaar die Rats-Apotheke in der Osnabrücker Altstadt als Filialapotheke vom früheren Inhaber Andreas Fohs übernommen. Insbesondere sei die Schließung der Filiale jetzt durch den Weggang der Ärzte in der unmittelbaren Nähe bedingt, erklärt Thilo Rammholdt. „Das hat zu einem Einbruch im Bereich der verschreibungspflichtigen Medikamente geführt.“ Nicht nur die Allgemeinmedizinerin direkt über der Apotheke hat ihre Praxis verlassen, auch zwei Naturheilkunde-Mediziner aus der Krahnstraße sind weggezogen. „Das waren schon richtige Zugpferde“, sagt Rammholdt. Zudem sei die Lage durchaus problematisch: „Der Bereich zwischen Dielingerstraße und Rathaus, das haben Erhebungen gezeigt, ist im Bereich Shopping nicht mehr wirklich interessant“, so Rammholdt. Für eine Apotheke heißt das in erster Linie: Laufkundschaft, auf die sie in einer Innenstadtlage angewiesen ist, bleibt aus.

Ferner habe die Rats-Apotheke natürlich auch mit Problemen zu kämpfen, „die auch jede andere Apotheke hat“, sagt Rammholdt. Mit dem Preiskampf etwa, der in den vergangenen Jahren durch die Internetapotheken entstanden sei. Hinzu kämen starke Preiskämpfe innerhalb des Stadtgebiets. Es kursierten Rabatte, die dazu führten, dass einige Produkte nahezu zum Einkaufspreis plus Mehrwertsteuer abgegeben würden. Der Apotheker mache seine Marge in diesem Fall nur noch über Herstellerprozente. „Das ist schon sehr hart“, so der Pharmazeut.

Nach Informationen der niedersächsischen Apothekerkammer haben in den vergangenen vier Jahren allein in Niedersachsen 87 Apotheken geschlossen. Die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände (ABDA) berichtete Anfang des Jahres, dass netto sechs Apotheken pro Woche ihre Pforten schließen – pro Werktag also eine Apotheke. Auslöser ist jeweils ein Mix der genannten Gründe: Arztpraxen schließen und entziehen den Apotheken ihre Existenzgrundlage, hinzu kommen verschiedene Preiskampfmodelle, die die Gewinnspanne stark einschränken. Wie Anja Hugenberg, Pressesprecherin der niedersächsischen Apothekerkammer, erklärt, seien auch die durch die Bundesregierung aufgezwungenen Sparmaßnahmen ein großes Problem. „Die Zahl der Apotheken sinkt kontinuierlich, wir sind gerade auf einem Stand von vor 22 Jahren“, so Hugenberg.

Da wundert es auch nicht, dass Immobilieninhaberin Herlinde Fohs „trotz sehr starker Bemühungen“ keinen Nachfolger für den Apothekenstandort in der Krahnstraße gewinnen konnte. „Ich habe es über Bekannte, über eine Apothekenvermittlung und andere Wege versucht“, sagt Fohs. Es sei nichts zu machen gewesen, eine Apotheke werde es an diesem Standort wohl nicht wieder geben. „Ich habe aber einen Nachmieter“, sagt Fohs. Es sei definitiv keine Apotheke und auch kein Bekleidungsgeschäft. Mehr könne sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt geben. Nur: „Es ist etwas Gutes für die Altstadt. Ich hoffe, ich habe eine gute Wahl getroffen“, sagt die Unternehmerin.

1601 eröffnete die Rats-Apotheke am Marktplatz. Zwischendurch wurde sie in Löwen-Apotheke umbenannt, dann wieder zurück in Rats-Apotheke. Der ursprüngliche Standort war das heutige Remarque-Friedenszentrum-Gebäude am Marktplatz. Erst nach dem Krieg zog die Apotheke in das neu aufgebaute Gebäude in der Krahnstraße – wo nun nach über 412 Jahren ihre Geschichte zu Ende geht.


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