Kiez AG unterstützt Alando Ungewöhnliche Koalitionen beim Güterbahnhof

Von Thomas Wübker

Viel Ärger um das Gebäude der Zion GmbH am alten Güterbahnhof. Archivfoto Jörn MartensViel Ärger um das Gebäude der Zion GmbH am alten Güterbahnhof. Archivfoto Jörn Martens

Osnabrück. Ungewöhnliche Koalitionen zeichnen sich bei der zukünftigen Nutzung des ehemaligen Güterbahnhofs ab: Die Kultur Initiative eigenständiges Zentrum am Güterbahnhof (Kiez AG) unterstützt Alando-Chef Frederick Heede, der das Areal um den Ringlokschuppen gekauft hat. Grüne und FDP sind sich darin einig, die am 21. Juni ablaufende Frist für das Vorkaufsrecht der Stadt zu verlängern, um einem privaten Investor nicht die Entscheidungsfreiheit über das Gelände zu ermöglichen.

Am Freitagabend trafen sich Vertreter aus Politik und Verwaltung mit Mitgliedern der Kiez AG in einem Hinterzimmer der Kneipe „Grüner Jäger“, um über das heiß diskutierte Thema Güterbahnhof zu reden. Der Sprecher der Kiez AG, Daniel Hopkins, führte aus, welche Vorteile ein Engagement von Frederick Heede als Investor hätte. Der Steuerzahler, sprich: die Stadt, müsste nicht zwei Millionen Euro an die Zion GmbH zahlen, die das Areal momentan besitzt. Deren Geschäftsführer Ralf Gervelmeyer hatte die Diskussion um den Güterbahnhof in einem os1.tv-Interview mit homophoben Äußerungen angeheizt. Die zwei Millionen Euro wären fällig, wenn die Stadt ihr Vorkaufsrecht nutzt.

Hopkins sagte weiter, Heede wolle den Ringlokschuppen für eine freie kulturelle Nutzung zur Verfügung stellen. Er sagte, in dem 6000 Quadratmeter großen und denkmalgeschützten Gebäude wäre Platz für Clubs, Cafés, Theater oder Kinderspielplätze. Der Alando-Chef braucht die Fläche vor dem Ringlokschuppen, um dort Parkplätze für sein geplantes Hotel am ehemaligen Pottgrabenbad zu bauen. Dies wurde ihm von der Stadt vorgeschrieben. Heede hat in Aussicht gestellt, auf eine hohe Miete für Kreativwirtschaftler zu verzichten, falls sie sich dort tatkräftig einbringen würden. Daniel Hopkins empfahl den Ratsmitgliedern, die Stadt solle auf ihr Vorkaufsrecht verzichten und Heede als Investor zu akzeptieren. Die frei gewordenen finanziellen Mittel könnten für die Rettung der Petersburg eingesetzt werden, wo sich eine freie Kulturszene etabliert hat. Der Mietvertrag des Vereins ist gültig bis 2018. Mehrere Teilnehmer der Gesprächsrunde im „Grünen Jäger“ berichteten davon, dass die Zion GmbH der Petersburg buchstäblich Steine in den Weg legen würde und den Zugang zu dem Gebäude erschwere oder der Strom abgestellt wird.

Stadtbaurat und Oberbürgermeisterkandidat Wolfgang Griesert sagte, er habe mit Gervelmeyer gesprochen und dieser sei bereit für Verhandlungen. Falls der Rat beschließe, Geld in die Kreativ- und Kulturwirtschaft zu investieren, könnte die Petersburg gekauft werden. Falls zudem Heede das Areal übernimmt, könnte am ehemaligen Güterbahnhof ein interessantes, innenstadtnahes Gebiet für Gastronomie, Kultur, Dienstleistungen und Gewerbe geschaffen werden.

FDP-Ratsherr Thomas Thiele sagte, die Stadt müsse neu überlegen, was mit dem Gelände geschehe. Er sei nach den Vorfällen mit der Zion GmbH „bangebüx“ geworden. Sein Gegenüber von den Grünen, Volker Bajus, sagte wie Thiele, die Stadt habe geschlafen, was den Güterbahnhof angehe. Beide Politiker waren sich einig, dass ein privater Investor nicht für Planungssicherheit garantieren könne. Dies könne nur die Stadt.


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