Filmischer Sprachkurs im Gemeinschaftszentrum Lerchenstraße Osnabrück: Kinder lernen Englisch mit E.T.

Von Anne Spielmeyer

Phone home? Nach Hause telefonieren? Spielerisch lernen Ananda, Annabel, Emma, Stina und Marie-Roselle (von links) die englische Sprache bei Kursleiterin Annegret Zarojannis James. Foto: Klaus LindemannPhone home? Nach Hause telefonieren? Spielerisch lernen Ananda, Annabel, Emma, Stina und Marie-Roselle (von links) die englische Sprache bei Kursleiterin Annegret Zarojannis James. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Nach Hause telefonieren? Phone home? Brillieren kann E.T. weder in deutscher noch in englischer Sprache. Trotzdem entpuppt er sich als guter Lehrer. Gemeinsam mit dem Außerirdischen aus Spielbergs Science-Fiction-Film lernen Kinder im Gemeinschaftszentrum Lerchenstraße spielerisch Englisch. Fehler und Filme willkommen.

Die Telefone stehen nicht still. Sechs Kinder zwischen sechs und zehn Jahren sitzen um Babytelefone, Spielzeughandys und Smartphone-Attrappen im Kinoraum des Gemeinschaftszentrums an der Lerchenstraße. „Hello? I am Stina.“ Keine Kinderarbeit im Callcenter, sondern ein Englischkurs, der mit Filmszenen arbeitet. In der vergangenen Woche haben die Kinder im Grundschulalter erste Ausschnitte auf großer Leinwand aus dem amerikanischen Spielfilm E.T. gesehen, jetzt spielen sie die Szenen nach. Bevor der Beamer erneut angeworfen wird, lesen sie gemeinsam einen Dialog mit verteilten Rollen: „Don’t worry, E.T.“, heißt es an einer Stelle. Das kenne ich, sagt Marie-Roselle: „Don’t worry, be happy“. Schon plaudert die Gruppe über Reggae, über Adele und Michael Jackson. Jedes Wort wird zum Exkurs. Und genau das macht den Kurs aus, den Annegret Zarojannis James zum zweiten Mal anbietet.

Sherlock Holmes und Charles Dickens

„Die Kinder sollen Spaß haben. Natürlich versuchen wir, so viel Englisch zu sprechen wie möglich“, sagt sie, die selbst zweisprachig aufgewachsen ist. Aber niemand muss hier Vokabeln pauken oder den nächsten Grammatiktest bestehen. Manche Kinder hatten vorher nichts mit Englisch zu tun, andere lernen die Sprache in der Schule. „Die Kinder können sich hier trauen, drauf los zu sprechen und Fehler zu machen“, sagt sie. Die Filme geben Einblick in eine fremde Kultur, Bilder und Situationskomik machen das Verstehen leichter – und lustig. Als Nachhilfekurs sind die wöchentlichen Treffen von Oktober bis Dezember für 24 Euro nicht gedacht. Eher als kulturelle Inspiration.

Anhand von Klassikern wir Sherlock Holmes oder Charles Dickens „A Christmas Carol“ bewegt sich der Kurs mit maximal zehn Kindern durch Herbst und Winter. Annegret Zarojannis James liest einen Absatz aus dem Filmskript vor. „Hat jemand was verstanden?“, fragt sie. „Ja“, sagt Stina und nickt. Und was? „Englisch.“ Schon mal nicht schlecht. Genaueres weiß keiner, macht aber nichts. Schließlich finden sie – wenn sie genau hinschauen – immer Wörter, die ihnen bekannt vorkommen. „Smart“ zum Beispiel wie bei „Smartphone“, vergleichen sie. Die Übersetzung liefert die Muttersprachlerin: Schlaues Telefon. Auf die Lektüre folgt die Ungeduld. Können wir den Film sehen? „Pardon?“, fragt die Kursleiterin auf Englisch zurück. „E.T., please“ lautet die verkürzte Bitte der Kinder. Annegret versteht das. Damit der Film problemlos läuft, muss ein Kollege gerufen werden. Er bringt die Lautsprecher auf Vordermann und startet den Beamer. „Lebensretter“, sagt sie, als er wieder geht und „livesavior“. „Livesavior“ kommt das Echo der Kinder. „Das merke ich mir“, flüstert ein Mädchen. Man lernt ja schließlich fürs Leben...