Stippvisite bei Sabi, Tutume & Co. Wie geht es den früheren Osnabrücker Zoo-Elefanten?

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Bis vor einem Jahr waren die Afrikanischen Elefanten die Stars im Osnabrücker Zoo. Doch mit der Umstellung der Elefantenhaltung auf Asiatische Elefanten mussten die fünf Dickhäuter Sabi, Matibi, Tutume, Miry und Betty den Schölerberg verlassen. Die Neue Osnabrücker Zeitung fragte nach: Wie geht es den Elefanten in ihren neuen Heimatländern?

Als erste Elefanten gingen die früheren Film- und Zirkustiere Miry und Betty. Ihnen war es seit ihrer Ankunft am Schölerberg im Februar 2011 nicht gelungen, mit den anderen Elefanten zu einer Gruppe zusammenzuwachsen. Im Dezember 2012 sagten sie Arrivederci und zogen nach Fasano in Süditalien um. Die Hoffnung des Zoos: Im dortigen Safaripark Fasanolandia, der für Besucher nur mit dem Auto zu erkunden ist, könnten Miry und Betty ihren Lebensabend genießen.

Nach Ansicht von Zoodirektor Fabio Rausa erfüllt sich diese Hoffnung. „Miry und Betty geht es sehr gut in ihrem großen Gehege, es gibt keinerlei Probleme“, berichtet er unserer Zeitung. Die beiden Elefantenkühe hätten über einen Trockengraben hinweg kontrollierten Kontakt mit einem separat gehaltenen Bullen namens Java. Dieser gilt nach Einschätzung des Online-Elefantenlexikons Elewiki als „ sehr aggressiv “. Auch die Elefantenschutzvereinigung European Elephant Group (EEG), die sich zuletzt im September vor Ort ein Bild machte, sieht den Aufenthalt von Miry und Betty in Italien eher kritisch. Die beiden Kühe würden ihre Zeit mehr oder weniger beschäftigungslos auf einer weitgehend kahlen Anlage verbringen, sagt Sprecher Tobias Dornbusch. „Es gibt weder Futternetze noch Spielmöglichkeiten.“

Matibi bald Mutter?

Um die ehemaligen Osnabrücker Elefanten Sabi und Matibi scheint es da deutlich besser bestellt. Sie wurden Mitte Januar in den Zoo African Safari in Plaisance du Touch (Frankreich) umgesiedelt – zum großen Bedauern vieler heimischer Elefantenfreunde. Die wild geborene Sabi war 1987 im Alter von zwei Jahren in Simbabwe gefangen worden und verbrachte über 25 Jahre in Osnabrück – mehr Zeit als jeder andere Elefant. Wegen ihrer großen Bekanntheit gehörte die stoßzahnlose Kuh mit der Kerbe im Ohr zu den beliebtesten Gesichtern des Zoos: Noch heute ziert ihr Bild die Buden der Zoolotterie in Osnabrück. Matibi (14) wiederum war seit 2006 in Osnabrück eingestellt und soll nun in dem Tierpark nahe Toulouse für Nachwuchs sorgen. „Sabi und Matibi geht es gut“, berichtet Zootierärztin Sylvie Clavel. Sie seien mittlerweile jeden Tag mit einem der beiden Bullen Pembe und Akili auf der Anlage unterwegs. Dabei sei es bereits zu Paarungen gekommen. Ob sie erfolgreich waren, müssten Untersuchungen zeigen. Sylvie Clavel ist aber zuversichtlich: „Wir hoffen, dass Matibi sich bald fortpflanzen wird.“ EEG-Sprecher Dornbusch bedauert hingegen, dass Sabi und Matibi in Plaisance du Touch erst seit Anfang September auch draußen gehalten werden könnten. „Sie standen fast den ganzen Sommer lang im Elefantenhaus, weil die neue Außenanlage nicht rechtzeitig fertig wurde.“

Samenspender Tutume

Monatelange Isolation musste anfangs auch Matibis Halbbruder Tutume überstehen, der Osnabrück Anfang Mai verließ und die weiteste Reise machte: Nach einem Zwischenstopp im Serengetipark Hodenhagen flog er im Juni nach Nordamerika. Sein neues Zuhause ist der Zoo von Granby bei Montreal im Osten Kanadas. „Tutume ist glücklich in Granby“, titelte kürzlich die örtliche Zeitung La Presse und zeigt auf ihrer Internetseite ein Video von Tutume im Stall. Nach 90-tägiger Quarantäne habe der Elefant sein neues Zuhause inzwischen erobert. Dem Publikum soll er jedoch erst ab dem 26. Dezember vorgestellt werden, kündigte der Zoo auf seiner Facebook-Seite an. Bis dahin berüsselt sich Tutume mit seiner Mitbewohnerin Sarah – vorläufig noch durch Gitter getrennt. Die 30 Jahre alte Elefantenkuh lebte sieben Monate lang allein in Granby, nachdem ihre Gefährtin Toutoune an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben war. „Wir werden Sarah und Tutume Schritt für Schritt miteinander bekannt machen“, teilt Tierpfleger-Chef Karl Fournier mit.

Revierleiter Michel Jutras zeige sich darüber erstaunt, wie leicht sich der 14-jährige Bulle aus Osnabrück in Kanada eingewöhnt hat, schreibt La Presse. „Ich liebe diesen Kerl. Es ist ein Vergnügen, mit ihm zu arbeiten. Er ist sehr intelligent.“ Im Zoo von Granby, einer Kleinstadt in der französischsprachigen Provinz Quebec, sind vor allem seine Gene gefragt. Weil Elefantenkuh Sarah jedoch zu alt zum Decken ist, soll Tutume als Samenspender für die Zucht von Afrikanischen Elefanten auf dem gesamten Kontinent fungieren. Für die European Elephant Group ist das nicht nachvollziehbar. Es gebe dort weit und breit keine zuchtfähigen Elefantenkühe, sagt Biologe Dornbusch. Mit Tutume, dessen Eltern Wildfänge gewesen seien, gehe ein „genetisch extrem wertvolles Tier mit hohem Zuchtpotenzial“ für Europa verloren.


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