Neue Anlage gleicht Tempelruine Ab Ostern 2014 gibt’s wieder Tiger im Zoo Osnabrück


Osnabrück. Eine Million Euro für die Katz: Um dem akut vom Aussterben bedrohten Sumatra-Tiger das Leben in Osnabrück so schön wie möglich zu machen, baut der Zoo mit großem Aufwand ein einmaliges Gehege im Stil eines asiatischen Tempelgartens. Mitte April sollen hier zwei der höchst selten gewordenen Raubkatzen einziehen. Ihr Revier teilen sich die Tiger später mit Schleichkatzen und Affen aus ihrer natürlichen Heimat.

Knapp fünf Monate nach der Grundsteinlegung steht das Grundgerüst der Tigeranlage. Ins Auge fallen schon jetzt die von großen quadratischen Öffnungen durchsetzten Außenmauern, in die über 50 Fenster und Gitter eingesetzt werden, sowie eine riesige Treppe. Sie führt die Besucher auf einen 19 Meter langen und fünf Meter hoch gelegenen Aussichtssteg. Von dort bietet sich ein erhabener Blick über die gesamte Anlage.

„Wir liegen mit dem Bau gut im Zeitplan. Momentan gehen wir davon aus, dass das Gehege für die Tiger bereits zu Ostern eröffnet werden kann“, sagt Zoopräsident Reinhard Sliwka . Der abgetrennte Teilbereich für die Siamangs und Binturongs werde voraussichtlich an Pfingsten (8./9. Juni) folgen.

Anlage aus einem Guss

Die Tigeranlage fügt sich nahtlos in die fernöstlich angehauchte Zooumgebung ein, die seit der Neugestaltung des alten Affenfelsens vor gut zwei Jahren immer mehr den kambodschanischen Tempelbauten von Angkor Wat gleicht. Und die stetig weiter wächst: Denn bis 2016 sollen auch das Menschenaffen-Haus – Heimat von Orang-Utan Buschi – sowie die Elefantenanlage im Asia-Look erscheinen. „Hier entsteht eine komplett neue Erlebniswelt“, erklärt Zoo-Geschäftsführer Andreas Busemann. Ist diese fertig, soll eine Nordamerika-Landschaft folgen. Besucher hätten dann die Möglichkeit, am Schölerberg binnen weniger Minuten quer durch die Kontinente zu spazieren – „von Afrika über Amerika nach Asien“. Mit dieser Neuordnung ziehe der Zoo die Konsequenzen aus einer Umfrage, in der sich Besucher über eine schwierige Orientierung beklagt hatten. Außerdem mache der Tierpark sich von modischen Zwängen frei, was die Architektur der Anlagen betrifft, „denn Erlebniswelten kommen nicht aus der Mode“. Spätestens 2018, so Busemann, sei „alles in Themenwelten überführt“.

Für das Erscheinungsbild dieser Kulissen ist im Zoo Osnabrück der Künstler Detlef Gehrs aus Engter zuständig. Grundidee seiner Entwürfe: Die Natur erobert sich die von Menschen bebaute Welt nach und nach zurück. „Für die Tigeranlage habe ich mir eine verfallene, von Tieren bewohnte Tempelruine vorgestellt“, sagt Gehrs. „Tiger schleichen zwischen Mauerresten umher, und Siamangs hangeln sich von Ast zu Ast.“ Bis zu 14 Handwerker sind zurzeit damit beschäftigt, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Mit viel Fantasie und Geschick verwandeln sie kalten Stahl und nackten Beton in ein aufregendes Gemäuer, das selbst brandneu schon uralt aussieht.

Beitrag zum Artenschutz

Hinter fünfeinhalb Meter hohen Mauern und 36 Millimeter dicken Panzerglasscheiben – einzeln über 500 Kilogramm schwer – wird sich dann in wenigen Monaten ein zweijähriges Sumatra-Tigerweibchen aus Warschau samt Partner tummeln. „Der passende Kater wird noch gesucht“, sagt Zoodirektor Michael Böer. Das Tigermännchen soll entweder ebenfalls aus Polen (Breslau) oder England kommen. Gelingt dem Zoo Osnabrück mit diesem Raubkatzen-Paar die Nachzucht, wäre das ein wertvoller Beitrag zum Artenschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Denn von Sumatra-Tigern gebe es in freier Wildbahn vermutlich keine 400 Exemplare mehr, so Böer. „Es kann passieren, dass sie in 20 bis 30 Jahren aus ihrem natürlichen Lebensraum völlig verschwunden sind.“


In die neue Tigeranlage ziehen Sumatra-Tiger, Siamangs und Binturongs ein. Der Sumatra-Tiger ist die kleinste und zugleich seltenste Unterart des Tigers. In seinem natürlichen Lebensraum gibt es nach Expertenschätzungen nur noch 400 Individuen. Die Fellfarbe ist intensiv orange mit kontrastreicher Streifenzeichnung. Der für Tiger typische Backenbart ist bei dieser Unterart besonders stark ausgeprägt, sogar bis hin zu einer kleinen Mähne. Der Sumatra-Tiger hat außerdem Schwimmhäute zwischen den Zehen und ist ein sehr guter Schwimmer. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Säugetieren, aber auch aus Wasservögeln, Reptilien und Fischen. Nach einer Tragzeit von 98 bis 100 Tagen bringt das Weibchen zwei bis drei Junge mit einem Gewicht von etwa 1000 Gramm zur Welt. Der Sumatra-Tiger weicht genetisch von allen heute noch lebenden Unterarten auf dem Festland ab (Sibirischer Tiger, Bengal-Tiger, Südchinesischer Tiger, Indochinesischer Tiger und Malaiischer Tiger). Untersuchungen legen nahe, dass er nach der letzten Eiszeit auf der Insel Sumatra von den anderen Tigerpopulationen isoliert wurde. Der Binturong ist die größte Schleichkatze der Welt und stammt aus Südostasien, wo er in tropischen Regenwäldern lebt. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Früchten, aber auch Insekten, Vögel oder Fische stehen auf dem Speiseplan. Der Binturong hat raues, langes und meist dunkelgrau gefärbtes Fell und sein Kopf ist geprägt durch lange, weiße Tasthaare sowie lange Ohrbüschel. Außerdem verfügt er neben einem einzigartigen Greifschwanz auch über kräftige Beine, was ihn zu einem guten Kletterer macht. Die Tragzeit von Binturongweibchen beträgt 88 bis 98 Tage. Der Binturong kann eine Körpergröße von bis zu 96 Zentimetern erreichen und ein Gewicht bis 20 Kilogramm. Er gilt als gefährdet, da sein Lebensraum durch den Menschen zerstört wird. Der Siamang ist eine Menschenaffenart aus der Familie der Gibbons. Er stammt aus dem südasiatischen Raum und ist ein tagaktiver Baumbewohner. Nahrungsquelle sind hauptsächlich Blätter und Früchte, gelegentlich aber auch Vogeleier und Kleintiere. Der Siamang hat tiefschwarzes Fell und als einzige Gibbonart einen großen Kehlsack. Die beiden Geschlechter unterscheiden sich, anders als bei anderen Gibbonarten, nicht in der Fellfarbe. Nach sieben- bis achtmonatiger Tragzeit bringt das Weibchen ein einzelnes Jungtier zur Welt, das knapp zwei Jahre gesäugt wird. Mit sechs bis sieben Jahren ist der Siamang geschlechtsreif. Der Siamang ist stark gefährdet, da durch Waldrodung sein Lebensraum verloren geht.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN