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Neue Psychologie-Studie Väter stärken ihre Söhne

Kinder müssen sich verstanden fühlen, um ihre Selbstkompetenz zu steigern. Foto: ImagoKinder müssen sich verstanden fühlen, um ihre Selbstkompetenz zu steigern. Foto: Imago

Osnabrück. Väter wurden in der psychologischen Wissenschaft lange Zeit vernachlässigt. Das neue Forschungsprojekt Cenof will das ändern und den Einfluss von Männern auf ihre Kinder erheben. Auch der Osnabrücker Psychologe Julius Kuhl nimmt daran teil. Schon jetzt zeigen seine früheren Studien, dass Väter vor allem für die Selbstkompetenz ihrer Söhne verantwortlich sind.

Jahrzehntelang bestimmte die klassische Rollenverteilung das familiäre Bild. Während der Vater täglich zur Arbeit ging, kümmerte sich die Mutter um Heim und Herd, um Kind und Kegel. Die Frau war verantwortlich für die Erziehung des Nachwuchses, weshalb vor allem ihre Beziehung zu den Kindern in der psychologischen Forschung untersucht wurde.

Männer fristeten hingegen ein stiefmütterliches Dasein, wenn es um die Erhebung des Bezugs zu den eigenen Kindern ging. „Dabei spielen sie besonders in der Vater-Sohn-Beziehung eine wichtige Rolle“, erzählt Julius Kuhl , der sich im niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung der Universität Osnabrück mit der Selbstkompetenz von Heranwachsenden befasst.

Bereits frühe Studien des Osnabrücker Wissenschaftlers zeigten, dass nicht nur die reine Begabung eines Kindes ausreicht, um im Leben Erfolg zu haben. Vielmehr sei die Stärkung der Selbstkompetenz von besonderer Bedeutung, um Talente zu wecken. „Bei Kindern müssen Bezugspersonen die Ermutigung von außen bringen“, erklärt der Psychologe. „Denn diese Verbindung im Gehirn ist nicht von Geburt an vorhanden. Oder haben Sie schon einmal einen Säugling erlebt, der sich selbst motivieren kann?“

Vor allem die Beziehungsqualität von Eltern und Kind spiele eine Rolle. Denn nur wer sich emotional verstanden fühlt und einer anderen Person vertraut, öffnet sich. Dies sei ein wichtiger Aspekt, um die eigene Leistungsfähigkeit und Selbstmotivation zu steigern.

Schon jetzt offenbaren Kuhls Studien interessante Erkenntnisse zu den Beziehungen zwischen Müttern und Vätern und ihren Kindern. Es stellte sich heraus, dass eine Korrelation zwischen der persönlichen Bindung und dem Intelligenzquotienten (IQ) und der Leistungsfähigkeit herrscht. Zudem zeigte sich, dass eine ausgeprägte Mutter-Tochter- und Vater-Sohn-Beziehung für die betroffenen Kinder von Vorteil ist. „Mütter, die ihre Töchter unterstützen und Väter, die für ihre Söhne greifbar sind, haben eine positive Wirkung“, erklärt Kuhl. Umgekehrt sei dies zwischen Müttern und Söhnen weniger der Fall und könne sogar zu negativen Ausschlägen führen.

Julius Kuhl spekuliert, dass klassische psychologische Vorstellungen, beispielsweise Theorien nach Sigmund Freud, Erklärungen liefern könnten. Hier heißt es, dass besonders Identifikation und Rollenbilder für die persönliche Entwicklung wichtig seien. Kinder könnten sich eben besser in das eigene Geschlecht einfühlen.

Genauere Erklärung dafür könnte das Projekt Central European Network on Fatherhood (Cenof) liefern. Sechs Forscher aus Österreich, Deutschland und der Schweiz planen ab diesem Sommer unter der Leitung von Liselotte Ahnert (Universität Wien), die Rolle des Vaters wissenschaftlich aufzuarbeiten. Der Osnabrücker Julius Kuhl wird im Rahmen der dreijährigen Studie untersuchen, wie die Selbstkompetenz von Kindern durch die Beziehung zum Vater beeinflusst wird, und erhofft sich vielseitige Ergebnisse aus den verschiedenen Bereichen. Im Sommer werden die ersten Untersuchungen im Umkreis von Wien starten. Rund 3700 Väter und deren Kinder werden an der Studie teilnehmen. Dabei werden nicht nur Vater-Kind-Situationen beobachtet und Fragebögen von den Eltern ausgefüllt. Auch eine Smartphone-App soll das Zeitmanagement der Väter untersuchen.


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