Remarque-Friedenspreis verliehen Osnabrück ehrt Einsatz für Konfliktlösung in Nahost


Osnabrück. Umdenken, um ein friedliches Miteinander zu erreichen. Dieses Anliegen verbindet die Träger des Osnabrücker Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises, Avi Primor und Abdallah Frangi, mit dem Sonderpreisträger, der Initiative Exit-Deutschland. Erstere fördern ein Umdenken unter ihren Landsleuten, um Frieden im Nahen Osten zu ermöglichen; Letztere, indem sie Menschen einen Weg aus der rechtsradikalen Szene in Deutschland eröffnen.

Diese Verbindungslinie wurde gestern noch einmal deutlich, als die Stadt Osnabrück im Friedenssaal des Rathauses ihre mit 25000 Euro dotierte wichtigste Auszeichnung an den israelischen Diplomaten und Publizisten Primor sowie den palästinensischen Politiker Frangi für deren „beharrliche Bemühungen“ um Verständigung im Nahostkonflikt ehrten. Mit den diesjährigen Preisträgern wolle die Stadt Osnabrück ein Signal „in die Welt setzen“, sagte der Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, „dass Frieden möglich ist, auch da, wo unversöhnliche Gegensätze den Menschen das Leben unerträglich schwer machen“.

In ihrer Laudatio erinnert die Journalistin Franziska Augstein daran, dass Primor (78) und Frangi (70) vieles gemeinsam hätten, obgleich beide „aus politisch einander feindlichen Richtungen kommen“. Dazu gehöre „allen Widrigkeiten zum Trotz“, die Hoffnung auf eine Zwei-Staaten-Lösung nicht aufzugeben. „Die Loyalität, die Frangi gegenüber seinem Volk empfindet, empfindet Primor gegenüber den Israelis“, sagte Augstein. Beide zeichne aus: „Dass sie die Leute, mit denen sie zu tun bekommen, nicht nach politischen Konzepten beurteilen, sondern nach ihrer je eigenen Haltung und nach ihrem Charakter.“ Das unterstrich dann auch Primor, der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, in seiner mit Humor gespickten Dankesrede: „Wir werden einander nie überzeugen. Jeder hat seine Sicht auf die Geschichte.“ Das sei jedoch nicht so wichtig, damit könne man friedlich nebeneinanderleben. Aber: „Ob wir einander verstehen, das ist das Wichtigste.“ Dazu passte es auch ganz gut, dass Primor Frangi, den früheren PLO-Vertreter in Deutschland, augenzwinkernd als „Mein lieber Kollege – und dennoch Freund“ ansprach.

Frangi, der heute Berater von Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas ist, sagte: Primor und er bekämen einen „Preis für einen Frieden, den es noch nicht gibt. Aber er wird kommen, davon bin ich überzeugt.“ Viel Applaus gab es, als ihm Primor mit den Worten zustimmte: „Wir befinden uns damit in guter Gesellschaft: US-Präsident Barack Obama hat auch einen Friedenspreis ohne Frieden.“ Frangi sieht derzeit vor allem bei den USA die Hauptverantwortung für eine Lösung des Nahost-Konflikts. Er betonte: „Tatenlosigkeit kann sich die Weltgemeinschaft nicht mehr leisten.“

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) stellte in seiner Laudatio auf den Sonderpreisträger die Bedeutung der Organisation Exit im Kampf gegen den Rechtsextremismus heraus. Ohne diese Initiative gäbe es kaum eine Chance, mögliche Aussteiger aus der rechtsextremen Szene zu erreichen. Mit Blick auf die Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) meinte Pistorius, dass der Staat und die Politik „die Gefahr zu lange ignoriert“ habe.

„Die niedersächsische Landesregierung spricht sich dafür aus, zivilgesellschaftlichen Initiativen wie Exit langfristig eine stabile finanzielle Förderung zu geben“, sagte Pistorius. Er wolle sich zudem für eine Zusammenarbeit mit staatlichen Stellen einsetzen. Das fasste Exit-Mitbegründer Bernd Wagner, der die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung für die Organisation entgegennahm, erfreut als konkretes „Gesprächsangebot“ auf. Zudem bekräftigte Pistorius seinen Einsatz für ein NPD-Verbotsverfahren gemeinsam mit anderen Bundesländern.


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